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So war's in Köln: Die Schwestern des Monds

Fleetwood Mac live

Von den Fleet Foxes bis zu MGMT, von Antony bis zu Tame Impala, sie alle coverten in den letzten Jahren Fleetwood Mac. Der verspulte Pop-Rock der britisch-kalifornischen Band beeinflusste auch die originären Songs dieser neuen Generation an Bands merklich. Derzeit tourt das Original endlich wieder – gestern gastierten Fleetwood Mac in Köln.
Geschrieben am

Köln, Lanxess Arena, 6. Oktober 2013

 

Man kommt nicht umher mit der Leerstelle anzufangen, zumal sie den gesamten Abend leider tot geschwiegen wird. Und das, wo sich doch alle fragen: Wo steckt bloß Christine McVie? Neben Stevie Nicks die zweite Frau in Fleewood Mac und prägendes Mitglied der Band seit dem zweiten Album. Nicht dass man sie zwingend erwartet hätte, bereits auf der letzten größeren Tour vor einigen Jahren war sie nicht dabei, erschien höchstens mal für ein Stück als Überraschungsgast. Aber nachdem sie diesmal angekündigt war, sorgte die alleinige Präsenz von Stevie Nicks, Mick Fleetwood und Lindsey Buckingham, begleitet von ihrem langjährigen Bassgitarristen John McVie und einigen Gastmusikern, zumindest für eine leichte Enttäuschung.

Eine Enttäuschung, von der am Ende eines fast dreistündigen Sets nichts übrig blieb. Denn auch wenn Fleetwood Mac dem Rahmen entsprechend sich eher auf das rockistische Material aus ihrem Repertoire konzentrierten – was auch zeigte, dass die Band in Deutschland erst in den späten 80ern in der Folge ihres 1977 veröffentlichten Superalbums »Rumours«, das bis heute mehr als 40 Millionen Kopien weltweit veröffentlicht hat (nicht, dass man so was hier immer schreiben würde, aber in Zeiten, wo in Deutschland gesichtslose Möchtegernpopstars mit nicht einmal 10.000 Kopien in der Woche bereits auf Platz 1 kriechen können, rückt das doch die Perspektiven aussagekräftig zu recht), angekommen war, so gelang ihr, allein schon durch die Länge des Auftritts, letztlich ein repräsentativer Querschnitt, der auch die Fans der freieren Stücke der Band befriedigte.


So bewegend es wirkte, das muss man ja auch mal zugeben können, eine Halle voll von 50-Somethings zu »Go Your Own Way« aufspringen zu sehen und all die Träume zu spüren, die hier noch einmal wieder gedanklich aufgesucht werden, die Erinnerungen und Sentimentalitäten mal nicht wehmütig sondern glücklich hochgespült zu erleben, so sehr freute man sich vor allem über die Stevie Momente! Denn wo sich Buckingham dann doch eine Spur zu oft im Egomanischen verliert (nur im großartigen »Sands Of Mine« ging das ohne wenn und aber okay), einer Neigung, die leider so manchen Gitarristen auszeichnet, ist es vor allem Stevie Nicks, die den Charme von Fleetwood Mac in das Jahr 2013 hinüber führt. Gestützt vom kraftvollen und trockenen, leider sich im Hall des unsäglichen Lanxess-Arena-Sounds ein bisschen verlierenden Schlagzeugs von Mick Fleetwood, der wie ein weiser schottischer Schlossherr im Hintergrund die Band souverän führt, singt und tänzelt sie sich in den schönsten Momenten des Konzertes in einem kleinen Rausch, der erahnen lässt, wie groß dieser in den 70ern und 80ern gewesen sein muss. Das »Gold Dust Woman«, die »Gypsy«, diese »Sister Of The Moon« ist ganz und gar ein Kind der 70er geblieben: ein bisschen Hexe, ziemlich viel Sturkopf und vor allem ein echtes Hippiemädchen mit einem offenen Herzen.


Am Ende bedankt sich die Band bei allen in der Halle – und ausnahmsweise glaubt man hier mal wieder einer Band jedes Wort. Wie heißt es in dem Stück »Sara« von Fleetwood Mac so treffend: »When You build Your House, Then Call me, Home.«