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Der Weg an die Macht

Fischmob

Die Hamburger Stachy, Sven, Daniel und Koze a.k.a. FISCHMOB bilden eine Ausnahmeband, die mit viel Charme und dem stets Unerwarteten eine Authentizität vermittelt, die über Szene- und Gernregrenzen hinaus größten Anklang findet. Ihr Debüt ist bis heute in den Läden gefragt und damit fast schon ein K
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Autor: intro.de

Die Hamburger Stachy, Sven, Daniel und Koze a.k.a. FISCHMOB bilden eine Ausnahmeband, die mit viel Charme und dem stets Unerwarteten eine Authentizität vermittelt, die über Szene- und Gernregrenzen hinaus größten Anklang findet. Ihr Debüt ist bis heute in den Läden gefragt und damit fast schon ein Klassiker. Was noch alles möglich ist, wird das neue Album 'Power' (ab 27.04. in den Läden, unter Mitwirkung von u. a. J.MASCIS, SUPER MARIO und dem Synchronisator von TOM SELLECK) zeigen. Wird es, wie Koze mutmaßt, 'ein neues Kapitel in der deutschen Geschichte der Wirtschaftspolitik schreiben'? Tut er in diesem bedeutungsvollen Jahr gut daran, darauf zu setzen, daß ''Power' Gerhard-Schröder-mäßig rüberkommt, obwohl der eine komische Mundpartie hat'? Oder ereilt den FISCHMOB das bittere Los verkannter Genies, die, wie Bo befürchtet, 'ganz große Wahnsinnige sind'? Daniel und Koze bringen Licht hinter den Vorhang.

? Was dürfen wir von 'Power' erwarten?
D: Wir haben das Potential der Band, unsere musikalischen Vorlieben und Facetten kontinuierlich weitergeführt und persönliche Interessen akzentuiert. Ich denke, das Ganze ist musikalisch ausgereifter. Jedes Stück soll in seinem Kontext funktionieren. Ein progressives instrumentales Dance-Stück z. B. klingt so, wie wir es gerne hören würden. Von einem Gitarrenstück glauben wir, daß es auch in seiner Sparte mithalten kann.

? Bedeutet diese Differenzierung, daß Stücke einzelnen Bandmitgliedern zugeordnet werden können, oder ist dieser Prozeß nur in der Einheit denkbar? D: Es ist eine Einheit, in der jeder seine Schwerpunkte einbringt, an denen wir gemeinsam gearbeitet haben, um sie möglichst weit nach vorne zu bringen. Es sind keine personengebundenen Stücke.

? Welche Verbindung seht ihr zu 'Männer Können Seine Gefühle Nicht Zeigen'? K: Die Verbindung zur alten Platte ist ganz klar der Humor - und der experimentelle Umgang mit Musik. Das heißt nicht, daß jedes Lied einen Gag haben muß. Ich finde es gut, daß das diesmal etwas untergegangen ist, und während wir damals Instrumente gesampelt haben, versuchen wir nun als Band einen Song durchzuspielen.
D: Ich glaube, daß wir uns mit dem Liebeslied 'Du, Äh Du' getraut haben, Gefühle deutlicher zu zeigen. K: Das hat eine ziemlich intime Atmosphäre. Verpackt mit ein wenig Proletencharme, ging es uns darum, Emotionen, die man eigentlich ungerne ausspricht, möglichst unpeinlich auszudrücken. Bei dem Lied habe ich noch immer eine Gänsehaut, weil ich das einfach gut finde. Musikalisch ist es ziemlich puristisch und minimalistisch. Ich glaube auch, daß die Texte insgesamt anders geworden sind, nicht mehr dieses Geschichtenerzählen - Ich wach auf / Meine Augen sind schwer / Ich geh ins Badezimmer / Putz meine Zähne / Dann treffe ich einen Mann / Der lädt mich ein und wir trinken -, es ist alles etwas lockerer ...
D: ... offener, assoziativer und insofern auch ein wenig hiphoppiger.
? Dennoch dürfte es noch schwieriger sein, euch einzuordnen. Freut euch das?
K: Freuen nicht, nee.
D: Was heißt freuen? Die Platte ist einfach ehrlich. Wir haben uns nicht darauf beschränkt, straight im HipHop-Kontext zu bleiben. Wir hören halt unterschiedliche Musik: Bands wie DINOSAUR JR. und PAVEMENT, HipHop oder auf Parties instrumentale Sachen, die etwas spaciger und tanzbarer sind. Insofern war es einfach konsequent, daß wir das ausgelebt und den Stücken in den jeweiligen Richtungen einen eigenen Charakter gegeben haben.

? Seid ihr mit dem Ergebnis voll und ganz zufrieden? K: Na ja, die Platte ist 50% von dem, was wir eigentlich drauf gehabt hätten ...
D: Mehr konnten wir auf die Menschheit nicht loslassen. Hätten wir 100% gegeben, wäre das unlauterer Wettbewerb. Die Platte wird schon jetzt als bestes deutschsprachiges Produkt 1998 gehandelt.
K: Daraufhin hat sich auch das Kartellamt eingeschaltet, es könne nicht gang und gäbe sein, sich so weit an die Spitze zu setzen. Von 20 Stücken haben wir dann die 15 schlechtesten ausgewählt. Die anderen Perlen lassen wir ab und zu mal raus. Wir wollten nicht zeigen, was wir können. Wir hatten Angst vor der eigenen Garage.
? Angst vor einem Mainstream-Stück wie 'Susanne Zur Freiheit' habt ihr aber nicht gehabt?
D: Wir können voll und ganz dazu stehen. Unser Ziel war, einen Querschnitt von Rappern aus völlig unterschiedlichen Lagern zu präsentieren. Solch ein Stück würde ich gerne im Radio hören. Es hat eine gewisse Eingängigkeit und auch den Mut, schön zu sein ...
K: ... sich nicht zu brechen und nicht irgendwie zu ironisieren. Ich glaube auch, daß das nur möglich war, weil wir ein wenig outstanding sind. Und ich halte das echt für ein Novum im deutschen HipHop, daß die STIEBER TWINS, DENDEMANN und FANTA 4 auf einem Track zusammen sind. Es steht den STIEBER TWINS sogar supergut, daß das Ding ein wenig mainstreamiger und poppiger geraten ist. Es hat den Charme von NAS, wenn er mit seiner harten Stimme auf DR DREs Pop-Instrumentals rappt.
? Ist der Frauenchorus nicht ein wenig dick aufgetragen?
D: Das hat einfach Soul. Bei amerikanischen Produktionen habe ich ja auch kein Problem damit, wenn auf einmal R&B-Refrains auftauchen.
K: Ursprünglich hatten wir überlegt, die Refrainzeile selbst zu singen. Das hätte dann nach Männerzeltfest geklungen. Da aber sowieso eine Stewardess das Intro zu diesem Lied spricht, kamen wir spontan auf die Idee, den Refrain von ihr singen zu lassen.
? Stimmt es, daß ihr für den Videodreh nach Spanien fliegt?
K: Nee, wahrscheinlich nach Dänemark.

? Welche Reaktionen habt ihr bislang auf das Album erhalten?
K: Durchweg brillant. Das VW-Werk Wolfsburg hat einen Golf FISCHMOB in Planung. Saddam Hussein wurde auch bemustert und fand die Platte stark. Ihm hat nur der 'Power'-Schriftzug mißfallen. Postbeamte haben die Platte auch sehr wohlwollend aufgenommen, und bei der deutschen Lufthansa werden wir in der Board-Rotation zu hören sein.