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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Odyssey

Fischerspooner

Warren Fischer und Casey Spooner waren von Anfang an mit dabei bei den Avantgardisten des nach hinten Blickens und Zurückgehens. Der Weg von der Electroclash-Bühne im Clubkeller rauf zur Mainstage im großen Ballsaal ist allerdings ein langer und beschwerlicher, viele sind schon auf der Strecke gebli
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Warren Fischer und Casey Spooner waren von Anfang an mit dabei bei den Avantgardisten des nach hinten Blickens und Zurückgehens. Der Weg von der Electroclash-Bühne im Clubkeller rauf zur Mainstage im großen Ballsaal ist allerdings ein langer und beschwerlicher, viele sind schon auf der Strecke geblieben. Nicht umsonst bemühen Fischerspooner für ihr lang erwartetes zweites Album also das klassische Motiv der Irrfahrt, wohl, um damit auch zu bekräftigen, dass sie über die Umwege von Gigolo-Hype, Performance-Wahnsinn und Synthiepop nun endlich ganz bei sich angekommen sind. Mit „Odyssey“ arbeiten sie an einer neuen Authentizität von Pop im Geiste der 80er, die einen Begriff wie Retro vollständig aus ihrem Vokabular gestrichen hat. Damit kommen Fischerspooner natürlich am Vergleichs-Duell mit Zoot Woman, die genau diese Strategie blendend ausformuliert haben, nicht vorbei. „Odyssey“ erweist sich sogar als ein ziemlich frecher und prächtiger Fehdehandschuh, den die beiden mit größtmöglicher Arroganz Stuart Price vor die Füße werfen. Was Tiefe und Intensität der Atmosphären betrifft, kommen die beiden gegen die ambivalent-düstere Popenergie von Zoot Woman zwar nicht an. Fischersponer sind fröhlicher – von der Attitüde über die Texte, in denen z. B. Müdigkeit am helllichten Tag als Bild für Verzweiflung herhalten muss, bis in die einzelnen Sounds hinein –, und sie kokettieren auch damit. Andererseits werden auch Lebensweisheiten wie „You make no mistake if you learn from what you got to take“ in grandiose Poproben gewandet und zwischen vielen eingängigen Melodien mit „A Kick In The Teeth“ ein großartiger Song abgeliefert. So mausern sich Fischerspooner mit diesem Album vom Elektro-Clown zu einem heiter gestimmten Pop-Bajazzo.