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Die Freiheitsliebe von Bordsteinschwalben

Filmstarts 31.08.2006

Mit Adams Äpfel - Gott ist auf meiner Seite, Bandidas, Little Man, Das Mädchen aus dem Wasser, Ein Perfekter Platz, Thank you for Smoking, Wie sehr liebst du mich.Adams Äpfel - Gott ist auf meiner SeiteR: Anders Thomas Jensen; D: Ulrich Thomsen, Mads Mikkelsen, Nicolas Bro, Paprika Stehen etc.Der Fi
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Mit Adams Äpfel - Gott ist auf meiner Seite, Bandidas, Little Man, Das Mädchen aus dem Wasser, Ein Perfekter Platz, Thank you for Smoking, Wie sehr liebst du mich.

Adams Äpfel - Gott ist auf meiner Seite
R: Anders Thomas Jensen; D: Ulrich Thomsen, Mads Mikkelsen, Nicolas Bro, Paprika Stehen etc.
Der Film der Woche kommt diesmal aus dem Staate Dänemark, wo immer etwas faul zu sein scheint, wenn Anders Thomas Jensen einen neuen Film dreht. In "Adams Äpfel" legt sich ein zu resozialisierender Neonazi mit einem Pfarrer an, dessen engelhafte Geduld und uferloses Verständnis Züge von Realitätsverlust annehmen. Der Kirchenmann soll umgepolt werden, und eine ganze Bagage asozialer Totalausfälle soll ihm dabei unter die Arme greifen. Der bisher schmerzfreieste und schwarzhumorigste Ausflug in die Welt menschlicher Abgründe provoziert mit einigen der geschmacklosesten Tabubrüche, die je auf Zelluloid gebannt wurden, hat aber natürlich ein Herz aus Gold, das auch den abseitigsten Kreaturen weit offen steht. Eins von diesen intelligenten und tiefgründigeren Toleranzplädoyers, die erst mal alles in Schutt und Asche legen müssen. Inklusive Zwerchfell.

Bandidas
R: Espen Sandberg, Joachim Roenning; D: Salma Hayek, Penélope Cruz, Steve Zahn, Dwight Yoakam etc.
Lesbian Tease oder Western-Renaissance? Hayek und Cruz spielen zwei aufrechte Flintenweiber, die zu zweit erledigen, wofür Yul Brynner noch sieben Typen brauchte. Die Geschichte der widerspenstigen Vigilanten, die einem skrupellosen Eisenbahnbaron in die Suppe spucken, ist zeitlos und, wenn schlau gemacht, einfach nicht auszureizen. Und eine Lovestory ist auch noch dabei. "Bandidas" verzückt Marathon-Fernsehgucker mit referenzreicher, flotter Western-Ironie genauso wie Filmhochschulabsolventen, die Metaebenen suchen und auch finden. Das bis auf weiteres netteste Gesicht gepflegter Popcorn-Unterhaltung.

Little Man
R: Keenen Ivory Wayans; D: Marlon Wayans, Shawn Wayans, Tracy Morgan, John Witherspoon etc.
Stefan, mach schonmal die unterste Schublade auf. Es geht um einen kleinwüchsigen Kriminellen, der sich (als Baby verkleidet!) adoptieren läßt, um ein Pärchen zu beklauen. Keine Sorge, alle Tittenwitze, die einem dazu einfallen könnten, fallen "Little Man" auch ein - da ist der Streifen sehr gründlich. Wie's ausgeht, weiß ich leider nicht, aber als nach 45 Minuten der Filmstreifen durchschmorte, gab es spontanen Applaus seitens der Filmkritiker.

Das Mädchen aus dem Wasser
R: M. Night Shyamalan; D: Paul Giamatti, Bryce Dallas Howard, M. Night Syamalan, Bob Balaban etc.
Ein kontaktscheuer Hausmeister (Schauspielgott Giamatti) verwaltet einen Swimmingpool, in dem eine Art Nymphe wohnt, die vor den Mächten der Finsternis gerettet werden muss. Wenn das jetzt irgendwie gruselig, spannend oder romantisch klingt, seid ihr ganz schön auf dem Holzweg. Egomane Shyamalan hat sich nämlich ein seltsam form- und ereignisloses Märchen ausgedacht, das mit Naidooscher Wichtigtuerei in hausbackener Symbolik macht, die überhaupt nichts bedeutet. Es ist langweilig, pompös und hochtrabend, und die Effekte sind scheiße - DMADW ist wie ein Werbefilm für eine neuzeitliche Sekte, die erst noch gegründet werden muss.

Ein Perfekter Platz
R: Danièle Thompson; D: Cécile De France, Laura Morante, Albert Dupontel, Claude Brasseur, Dani etc.
Die junge Jessica kellnert in einer Snob-Brasserie gegenüber eines Pariser Theaters. Hier läuft allerhand buntes Volk rum, aber von der Sorte, wie man es auch mit zu seinen Eltern nehmen könnte. Und Jessica freundet sich mit ihnen allen an. Warmherzige Pianovirtuosen, grantige Bartender, Komödien über Simone de Beauvoir - "Fauteuils d'Orchestre" (OT) könnte vom französischen Fremdenverkehrsamt finanziert worden sein. Federleichte Frühlingsunterhaltung, die kleine Missklänge mit einer Extraportion Liebesglück übertüncht. Die verspielten Akteure sehen aus, als hätten sie Spaß und sorgen dafür, dass sich das Wein-und-Käse-Publikum möglichst französisch fühlt. Und Dani als schlageraffines Faktotum stiehlt ihnen allen die Show.

Thank you for Smoking
R: Jason Reitman; D: Aaron Eckhart, Maria Bello, Cameron Bright, Adam Brody, Katie Holmes, William H. Macy etc.
Wer einen zynischen Gaumen sein eigen nennt, und den in "Lord of War" erreichten Sarkasmuslevel lieben gelernt hat, dürfte sich auch über diesen Film freuen. Darin nimmt uns ein moralelastischer Tabaklobbyist (ernstzunehmen: Eckhart) an die Hand und erklärt uns gutgelaunt seinen Job, und zwar in allen miesen Einzelheiten. Der smarte Sonnyboy sieht sich nämlich mitnichten als des Teufels Advokat, sondern als standhaften Anwalt der Freiheitsrechte, mit dem Bonus, dass er obendrein noch obszön viel Geld verdient. Filmisch ist das Ganze in der Reizoptik eines Werbefilms gehalten, der mit zügigem Tempo abgrast, was an Niederträchtigkeiten denkbar ist. Das geschlossene System aus Sucht und Ausbeutung macht zwar nicht nachdenklich, aber dafür jede Menge Spaß. Fast so viel wie Rauchen, haha.

Wie sehr liebst du mich
R: Bertrand Blier; D: Monica Bellucci, Bernard Campan, Gérard Depardieu, Jean-Pierre Darroussin etc.
Ein Mann gewinnt im Lotto und bezahlt davon seine Lieblingshure nicht stundenweise, sondern gleich pro Monat. Die fühlt sich mit der Zeit heimisch, aber ihr Zuhälter ist irritiert. Zugegeben, nicht direkt meine Lieblingsphantasie. Blier will darauf hinaus, dass sich auch abgehärtete Prostituierte manchmal gleich in mehrfacher Hinsicht aufs Kreuz legen lassen und verwechselt das Bedürfnis nach Geborgenheit mit der neuen Bürgerlichkeit. Schrecklich, wenn man sich nicht mal auf die Freiheitsliebe von Bordsteinschwalben verlassen kann. Wenigstens sehen sie noch so aus wie Monica Bellucci.