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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Sprücheklopfende Einmannarmee

Filmstarts 28.06.07

Stirb langsam 4.0R: Len Wiseman; D: Bruce Willis, Justin Long, Timothy Olyphant etc.John McClane hat es geschafft unter die Meta-Actionhelden, hat den totalen Pop-Crossover hingelegt. Oder die Zeit hat es für ihn erledigt. Oder das Desaster namens „Rocky Balboa“. Die Neunziger waren im Allgemeinen n
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Stirb langsam 4.0
R: Len Wiseman; D: Bruce Willis, Justin Long, Timothy Olyphant etc.
John McClane hat es geschafft unter die Meta-Actionhelden, hat den totalen Pop-Crossover hingelegt. Oder die Zeit hat es für ihn erledigt. Oder das Desaster namens „Rocky Balboa“. Die Neunziger waren im Allgemeinen nicht gut zu den muskulösen Einzelkämpfern, und so manches Phantomkommando steuerte von der Millionengage direkt in die Identitätskrise. Oder ganz einfach gesagt: Kickten nicht mehr Arsch. Denn der Testosteron-Mob will natürlich Action, Jackson, und nicht rumdiskutieren. Dafür gibt’s ja Türsteher. „Live Free or Die Hard“ (OT) packt jetzt beiden auf die Fresse: dem fahnenschwenkenden „Let’s Roll“-Gläubigen, und dem Indie-Scheidungskind, das nach Johnny Cash einen neuen Vaterersatz braucht. Und Bruce Willis, die smarte Sau, lässt die Cyberterroristen dieser Welt seine Midlife-Crisis spüren, die er in „16 Blocks“ schon cool angeteast hatte. Als hirnigere Variante der sprücheklopfenden Einmannarmee hat er sowieso mehr Credibility unterm Gürtel, und ohne Haare sieht sein Kopf auch noch mehr nach Patrone aus. Das ideologische Ghetto namens Actionkino bläht sich zu seiner ganzen Pracht auf.

Zizek!
R: Astra Taylor
Vorsicht, Verwechslungsgefahr! Auch Slavoj Zizek stilisiert sich gerne als Rollkommando, das aber lieber auf der verbalen Ebene, und auch in mehr Fortsetzungen als „Stirb langsam“. Philosophie ist bekanntlich deshalb so interessant, weil jeder mitmachen kann, aber auch der Amateurdenker aus der Musikredaktion traut Zizek mitunter Großes zu. So lässig, wie er von Marxismus und Kulturkritik zu Poptheorie und zurück schwingt, und dabei quasselt wie Gülcan - Lacan, Alter. Und ist er deshalb neidisch auf Sloterdijk wegen seines 9/11-Spruchs? Nichtmal. Astra Taylor gelingt ein reverentes Porträt für Einsteiger, das auch Lieschen Müller rumkriegen könnte, sofern sie etwas von Showbusiness versteht und sich Philosophen immer mit Vollbart vorgestellt hat.

Glück im Spiel
R: Curtis Hanson; D: Eric Bana, Drew Barrymore, Robert Duvall, Debra Messing etc.
In den Unis ist Pokern gerade angeblich all the rage, und da sage noch wer, dass Schule nicht fürs Leben lehrt. Film-Buffs indes herzen Curtis Hanson, der von „LA Confidential“ über „8Mile“ bis „In den Schuhen meiner Schwester“ einen populären Triumphzug hingelegt hat. In „Lucky You“ (OT) geht es nun um einen zwanghaften Spieler, der in Konkurrenz zu seinem Vater nun schon jahrelang über Las Vegas’ grünen Samt tigert. Und weil er gerade in dem Alter ist, in dem sich die Kenner von den Pennern trennen, als ihm Drew Barrymore über den Weg läuft, meldet er sich für ein letztes hochdotiertes Pokerturnier an. Hanson verzichtet auf große Gefühlsausbrüche, verworrene Handlung, Witze oder auch Nebendarsteller zugunsten des zentralen Dilemmas: Geld oder Liebe. Die Wahl ist vielleicht nicht überraschend, und der Film dazu für die meisten Leute wahrscheinlich auch ziemlich langweilig, aber die verschwiegen-gediegene Kirchenatmosphäre des Kasinos stimmt dafür genau. Mafia-Typen müssen draußen bleiben, aber wer „Rounders“ mochte, oder nur mal die Spielregeln erklärt haben will, ist hier richtig.

Die Töchter des chinesischen Gärtners
R: Dai Sijie; D: Mylène Jampanoi, Dongfu Lin, Li Xiaoran etc.
Eine junge Praktikantin landet im abgeschiedenen Reich eines Botanik-Professors, verliebt sich aber bald in dessen Tochter anstatt in die heimische Pflanzenwelt. Das „System“ in Form der männlichen Bevölkerung ist davon allerdings alles andere als begeistert. Das waren noch Zeiten! Denn heute finden sich wahrscheinlich nur noch Bewunderer der weich gezeichneten Schmusigkeit, die gerne bemüht wird, wo Frauen Frauen lieben. Das ist auch das Problem dieses Films: Durch den Zeitfilter einerseits, und die schwärmerisch inszenierte Liebesbeziehung gegen die ebenso schwärmerisch inszenierte Ablehnung derselben andererseits, gewinnt das Ganze etwas Unwirkliches, das der Liebe allgemein nicht gut steht. Im Falle von DTDCG lässt sich so immerhin ganz hervorragend der Moment beobachten, an dem Kunst zu Kitsch wird.