×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

'Elegantly wasted'

Filmstarts 22.03.07

Nummer 23R: Joel Schumacher; D: Jim Carrey, Virginia Madsen, Logan Lerman, Danny Huston etc.Warum es ausgerechnet die Dreiundzwanzig ist, die es Zahlenmystikern und Verschwörungstheoretikern so angetan hat, weiß man nicht so genau. Auch was damit eigentlich verschlüsselt werden soll und was es bedeu
Geschrieben am
Nummer 23
R: Joel Schumacher; D: Jim Carrey, Virginia Madsen, Logan Lerman, Danny Huston etc.
Warum es ausgerechnet die Dreiundzwanzig ist, die es Zahlenmystikern und Verschwörungstheoretikern so angetan hat, weiß man nicht so genau. Auch was damit eigentlich verschlüsselt werden soll und was es bedeutet, ist praktisch zweitrangig. Sicher ist nur, dass diese Zahl für jeden, der in dem Gefühl lebt, nicht alles mitzubekommen, ein Steckenpferd ist, das leicht zur Sucht werden kann. Schließlich lässt sich fast alles, was man zählen kann, irgendwie mit der 23 in Verbindung bringen. Genau das passiert Jim Carrey, als er das selbstverlegte Buch eines Unbekannten in die Finger bekommt und darin Spuren seiner eigenen Biographie wieder findet. Spätestens seit Alfred Hitchcock ist Paranoia ein dankbares Kinothema, bei dem man sich für ein paar Stunden dem wohligen Schwindelgefühl einer doppelbödigen Realität hingeben kann. Als klinischer Befund ist das Ganze schon nicht mehr so unterhaltsam, und die erstaunlich große Zahl von Hobby-Illuminaten, Kreationisten und Ufologen dürfte da nur die Spitze des Eisbergs sein. Das könnte sich nach diesem Film ändern, denn 'Nummer 23' ist ein so durchschnittlicher Mysterythriller nach Schema F, dass selbst der fanatischste Experte schlicht die Lust an seinem Thema verlieren könnte. Im Gegensatz zu Hans-Christian Schmids ähnlich gelagertem Überraschungserfolg '23' von vor neun Jahren gelingt es dem Film zu keiner Zeit, eine glaubwürdige Atmosphäre von Ohnmacht und Angst aufzubauen und Jim Carreys Versuche, diese Zustände stattdessen zu spielen, erscheinen umso lächerlicher. Wie bei einer Geisterbahnfigur, an der man den Reißverschluss sehen kann, wird jede Wendung des konstruiert wirkenden Plots sofort offensichtlich, womit so ziemlich das Gegenteil des gewünschten Effekts zustande kommt. Vielleicht reicht die Phantasie der Drehbuch-Geheimloge eben einfach nicht für eine ordentliche Verschwörung. Vielleicht muss man den Film aber auch einfach nur dreiundzwanzig Mal sehen.

Alpha Dog
R: Nick Cassavetes; D: Emile Hirsch, Justin Timberlake, Sharon Stone, Bruce Willis, Ben Foster etc.
Die verwöhnte Jugend aus LAs reichen Vorstädten verbringt den lieben langen Tag mit Sex, Drugs und Rock'n'Roll und ihre Eltern sind auch nicht viel besser. Um seinem lieb gewonnenen Gangsta-Image gerecht zu werden, entführt der Oberangeber den kleinen Bruder seines Rivalen, dem sein Geiseldasein sichtlich Spaß macht. Dann wird aus Spaß ernst. What's Your Take On Cassavetes? Der Sohn des Hardboiled-Regisseurs wollte mit 'Alpha Dog' wahrscheinlich mal wieder die tödliche Leere der Wohlstandsgesellschaft geißeln und nebenbei den selbstzerstörerischen Brauch der Jugend beleuchten, immer einen auf hart machen zu müssen. Jedoch verliebt sich der Film Hals über Kopf in genau diese Less-Than-Zero-Ästhetik und huldigt ihr quasi über die komplette Spielzeit hinweg, so dass der gewünschte Effekt höchst zweifelhaft bleibt. Edel-Nebendarsteller Justin Timberlake ist übrigens arschcool, aber wie 'Alpha Dog' insgesamt "elegantly wasted".

Die Fälscher
R: Stefan Ruzowitzky; D: Karl Markovics, August Diehl, Devid Striesow, Martin Brambach etc.
Wahre Geschichte: Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wird im KZ Sachsenhausen eine Gefangenenkompanie aufgestellt, deren Aufgabe es ist, Feindwährung im großen Stil zu fälschen und damit die alliierte Wirtschaft zu schwächen. Das Dilemma: Gehorsam verlängert das Leid, Sabotage bedeutet den Tod. Es ist schlichtweg erstaunlich, wie gut es Ruzowitzky mit diesem Film gelingt, anhand seiner zwei Hauptdarsteller eine moralische Pattsituation zu sezieren, wie sie dringlicher kaum denkbar ist. Der Horror der Todesmaschinerie begleitet die spannende Geschichte dabei permanent in Hörweite, wodurch sich der Effekt rasender Willkür eher erhöht, als dass der Holocaust bagatellisiert werden würde. Devid Striesow steuert dazu die glaubwürdigste, weil vielschichtigste Nazi-Figur seit langem bei und die verschiedenen Ebenen des Monströsen liegen direkt übereinander. Ja, 'Die Fälscher' ist verdammt unterhaltsam, aber alles andere als eskapistisch.

Hände weg von Mississippi
R: Detlev Buck; D: Zoe Mannhardt, Katharina Thalbach, Alexander Seidel, Christoph Maria Herbst etc.
Nach 'Knallhart' hat sich Detlev Buck ein wenig heile Welt verdient und er besorgt sie sich in diesem possierlichen Kinderfilm nach Cornelia Funkes Bestseller. Darin reist die zehnjährige Emma auf den idyllischen Bauernhof ihrer patenten Oma, die gerade ein Pferd namens Mississippi gekauft hat. Das Tier entstammt jedoch aus dem Nachlass eines Dorfbewohners, der ganz bestimmte Pläne mit der Stute hatte. Auf der Unterhaltungsebene ist 'Hände weg von Mississippi' ein Film, der weder mit appetitlichen Schauwerten, noch mit sympathischen Figuren geizt und der sein jugendliches (Mädchen-)Publikum durchaus in seinen tierlieben Bann ziehen dürfte. Älteren Kinogängern dürften dagegen die etwas zu weich gezeichneten Konflikte missfallen, die der Film in bewährter Kinderabenteuermanier abspult, und bei denen realistischere Einschätzungen teilweise weltfremd dickköpfig ignoriert werden.

Keine Sorge mir geht's gut
R: Philippe Lioret; D: Melanie Laurent, Kad Merad, Isabelle Renauld, Julien Boisselier etc.
Frisch aus ihrem Spanienurlaub zurück, erfährt die junge Lili, dass sich ihr Zwillingsbruder im Streit von den Eltern getrennt hat und seitdem verschwunden ist. Diese Nachricht nimmt die junge Studentin so sehr mit, dass sie peu à peu Richtung Nervenzusammenbruch zu taumeln beginnt. Bis eines Tages Briefe ihres Bruders auftauchen… Halt, halt! 'Keine Sorge mir geht's gut' ist kein Thriller, sondern eine recht stille und nüchterne Meditation über den Verlust an dem, was manche Leute "Urvertrauen" nennen. Die unaufgeregten Bilder begleiten einen Zustand, der auf fast osmotische Art mit der Zeit auf den Zuschauer abfärbt, ohne hauptsächlich durch erzählerische Kraft vorangetrieben zu werden. Die Manipulation ist sanft, aber effektiv, und die Atmosphäre sitzt, auch wenn sich der Film sehr auf den Wiedererkennungswert der beschriebenen Stimmungen verlässt. Als da wären: unsicher, nachdenklich, ängstlich.