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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

In der Waschstraße des Schicksals

Filmstarts 22.02.07

La Vie en RoseR: Olivier Dahan ; D: Marion Cotillard, Jean-Pierre Martins, Gérard Depardieu, Clotilde Courau etc.Bio-Pic, European Style. Bei Ami-Biographien lernt man ja immer was fürs eigene Leben, z.B. nett zur Frau zu sein, weniger Drogen zu nehmen, an sich zu glauben und die Boxhandschuhe immer
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La Vie en Rose
R: Olivier Dahan ; D: Marion Cotillard, Jean-Pierre Martins, Gérard Depardieu, Clotilde Courau etc.
Bio-Pic, European Style. Bei Ami-Biographien lernt man ja immer was fürs eigene Leben, z.B. nett zur Frau zu sein, weniger Drogen zu nehmen, an sich zu glauben und die Boxhandschuhe immer nur von Vertrauten zuschnüren zu lassen. In diesem Film über Edith Piaf (sehr klasse von Marion Cotillard gespielt) ist es ein Wunder, dass es die Chanteuse überhaupt so lange machte angesichts ihres privaten Elends. Ich sage nur : Halbwaise, Hurenhaus, Blindheit, Morphiumsucht, Krankheit, Tod des Geliebten. Nach so einem Leben "Je ne regret rien" zu singen, ist jedenfalls ein Kunststück, in das man mich mal einweihen sollte, und ich hab doch so gut wie nichts erlebt. Egal. 140 Minuten in der Waschstraße des Schicksals sind für manchen Kinogänger vielleicht zuviel Vie en Noir, anderen gefällt solches High-End-Drama wegen der "Aufrichtigkeit". Ich zähle mich zu Letzteren und vergebe fünf Sternchen (von fünf).

Letters From Iwo Jima
R: Clint Eastwood ; D: Ken Watanabe, Kazunari Ninomiya, Shido Nakamura, Tsuyosi Ihara etc.
Was viele nicht wussten: Krieg ist böse. Nach Clint Eastwoods Doppelpack sieht die Sache jetzt anders aus. Nein, im Ernst. Es hieß ja immer, Kriegsfilme neigten zur Verklärung des Heldentodes und zur Identifikationsstiftung mit Volk und Vaterland und anderen spitzfindigen Ideen. Wenn man dagegen zwei Filme über dieselbe Schlacht dreht, nur eben aus den verschiedenen Blickwinkeln, ist man ja wohl über den Vorwurf der kritiklosen Überhöhung erhaben, oder? Okay, Clint. Dein neuer Film ist sogar noch besser als der davor, er ist verdammt realistisch, fies brutal und so dreckig, dass er fast schwarzweiss wirkt. Was Kriegsfilme angeht, also ganz schön super. Können wir das Thema ab jetzt trotzdem lassen?

Lonely Hearts Killers
R: Todd Robinson ; D: John Travolta, James Gandolfini, Jared Leto, Salma Hayek etc.
Mal wieder Lust auf Trash? 'Lonely Hearts Killers' findet, dass Gewalt in den 40er/50er Jahren momentam gut ankommt und erzählt einen Real-Life-Killing-Spree nach, der den meisten Massenmörder-Fans wahrscheinlich geläufig sein dürfte. Darin töten zwei Heiratsschwindler (Leto und Hayek) ihre vermögenden Opfer auf herzloseste Weise und flüstern sich danach verliebte Dinge ins Ohr. Manchmal auch währenddessen. Filmisch ist das Ganze krude, unbeholfen und auch unappetitlich, die Rahmenhandlung wirkt unecht und ist schlecht integriert, Travolta kann nicht schauspielern und Jared Leto mit Halbglatze sieht übler aus als Johnny Depp in 'Fear And Loathing'. Und jedes zweite Lachen ist unwillkürlich. Davon abgesehen hat dieses Mißverständnis von Film aber auch seinen perversen Reiz. Wie einer seltenen Tierart beim Kacken zuzusehen.

Pans Labyrinth
R: Guillermo Del Toro; D: Sergi Lopez, Maribel Verdú, Ivana Baquero, Doug Jones etc.
"The living will always be more dangerous than the dead" hieß vor vier Jahren die Tagline zu Guillermo Del Toros Meisterwerk 'Devil's Backbone', und der Spruch könnte auch hier gelten. Thematisch ist eh wieder Spanischer Bürgerkrieg angesagt, und wo hat man das schonmal, dass ein Fantasy-Regisseur die faschistische Realität geißelt? In 'Pans Labyrinth' geht es um ein junges Mädchen, das in die Provinz zum Stiefvater aus der Hölle verschifft wird, wo es zwischen die Fronten gerät. Als Rückzugsraum bietet sich nur eine heidnische Phantasiewelt an, in der es allerdings nicht weniger brutal zugeht. Del Toro spart sich den Sex und geht in seinem düsteren Märchen direkt von der Kindheit zum Tod über, zwei Themen, zu denen der Film einiges zu sagen hat. Cineasten jeglicher Couleur jubilieren bereits bei den Pressevorführungen, und das zurecht: das Ding hier ist ein Hammer und sieht auch noch blendend aus! Ist eben nur nichts für Kinder.

Tagebuch eines Skandals
R: Richard Eyre; D: Cate Blanchett, Judi Dench, Andrew Simpson, Bill Nighy etc.
Einer der schönsten Filme in diesem noch jungen Jahr ist diese böse kleine Praline aus England, in der sich zwei Lehrerinnen einer Mittelschule anfreunden. Die eine ist jung, hübsch und unsicher, die andere alt, grantig und etwas vernachlässigt. Als die dann ihre junge Kollegin beim Sex mit einem Schüler ertappt, bringt das ihre Beziehung auf das nächste Level. Mit halsbrecherischem Tempo, Killer-Soundtrack und Dame Judis süffisant-grausamen Kommentaren versehen, ist 'Notes On A Scandal' (OT) ein schwarzhumoriger Glücksfall von Film, der mit einem Auge dem Psycho-Thriller und mit dem anderen dem Monster-Lesben-Genre zuzwinkert. Selten hat es so viel Spaß gemacht, erwachsen und intelligent zu sein, um Eyres ('Iris') makellose Regie und das luftdichte Drehbuch zu goutieren. Bravo.