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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Kickboxende Bikini-Schönheiten

Filmstarts 19.10.2006

Dead or AliveR: Corey Yuen; D: Jaime Pressly, Holly Valance, Sarah Carter, Devon Aoki etc.Ein Jugendtraum wird wahr, leider keiner von meinen: "Dead or Alive" handelt von nichts anderem als von kickboxenden Bikini-Schönheiten, die sich gegenseitig vermöbeln. Kenner wissen dabei, dass ausgerechnet ei
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Dead or Alive
R: Corey Yuen; D: Jaime Pressly, Holly Valance, Sarah Carter, Devon Aoki etc.
Ein Jugendtraum wird wahr, leider keiner von meinen: "Dead or Alive" handelt von nichts anderem als von kickboxenden Bikini-Schönheiten, die sich gegenseitig vermöbeln. Kenner wissen dabei, dass ausgerechnet ein Videospiel als Vorlage herhielt - logisch. Man könnte einwenden, dass das alles ein bisschen langweilig ist, wenn man nicht selbst an der Konsole sitzt, oder dass man sowohl für Prügelaction als auch für heliumhirnige skin flicks andere einschlägige Adressen aufsucht, aber es ist wohl die pubertär-frivole Kombi, die den Nerd von nebenan von der Couch ins Kino lockt.

Jede Sekunde zählt - The Guardian
R: Andrew Davis; D: Kevin Costner, Ashton Kutcher, Joe Arquette, Gregory J. Barnett etc.
Alte Schule. Kevin Costner spielt einen Ausbilder der US-Küstenwache, der in Ashton Kutcher einen vielversprechenden aber renitenten Rekruten formt. Männlichkeitsrituale, Mutproben im Eisbassin und unrasierte Action - "The Guardian" hasst Überraschungen, macht aber mit hemdsärmeligem Draufgängertum einiges wett. Die 130 Minuten fühlen sich zwar an wie ein ganzes Leben, aber eben auch wie ein Leben, das in Zufriedenheit verbracht wurde. Wer wissen will, wie sein Unkostenbeitrag angelegt wurde, sieht in diesem Film jeden Heller und Pfennig umgemünzt in die erbauliche Botschaft vom selbstlosen Helden, der fürs größere Ganze alles riskiert. Und das ist doch schon mal was, was ihr Schwächlinge noch nie zustande gebracht habt.

Nacho Libre
R: Jared Hess; D: Jack Black, Ana de la Reguera, Peter Stormare, Héctor Jiménez etc.
Um das lokale Waisenhaus vor dem finanziellen Ruin zu retten, macht Mönch Jack Black, was er eigentlich schon immer wollte, und steigt als mexikanischer Profiwrestler in den Provinz-Ring. Hess' "Napoleon Dynamite" war noch spritziges Außenseiterkino, "Nacho Libre" ist in erster Linie langweilig. Die ethnische Stereotypisierung wirkt hier nicht postmodern, sondern reaktionär-affirmativ, wie wir Intellektuellen sagen, und was lakonische Coolness sein soll, gerinnt hier zu befangenem Slapstick, der nach ganz hinten losgeht. Was für ein Loser.

Shortbus
R: John Cameron Mitchell; D: Lee Sook-Yin, Paul Dawson, Lindsay Beamish, PJ DeBoy etc.
Im New Yorker Szene-Club "Shortbus" kann man reden, Filme gucken oder Orgien feiern, aber jedenfalls seine Hemmungen loswerden. Goldenboy Mitchell ("Hedwig and the Angry Inch") betont das Lässige in der Sexualität und zeigt zum Schock des Establishments ironisch gebrochenes Rudelbumsen. "Wie in den Sechzigern - nur mit weniger Hoffnung", wie Justin Long sagt. Papperlapapp - wer findet, dass Sex Handlung ist, wird "Shortbus" lieben. Mitchells Hippietraum von der ungezügelten und womöglich heilsamen Lust ist zwar unerotisch, aber dezidiert positiv, und für jeden Ingmar Bergmann-Fan ein völlig neuer Kontinent. Musik von Yo La Tengo.

Sommer '04
R: Stefan Krohmer; D: Martina Gedeck, Peter Davor, Robert Seeliger, Svea Lohde etc.
Nichts ist unheimlicher als das Gruseln im Alltag. Die (erweiterte) Familie als Keimzelle hausgemachten Horrors muss in "Sommer '04" nicht zum ersten Mal als Topos herhalten, aber sie ist ungewöhnlich effektiv diesmal. Der Segelurlaub mit pubertierenden Jugendlichen wird zur Matrize sexuell aufgeladener Kollisionen - weswegen man ja auch nicht mit frühreifen 12-jährigen verreisen sollte. Nie gekünstelt, aber immer dräuend entfaltet sich hier das Panoptikum bürgerlichen Fegefeuers, das minderbegabte Regisseure erst mühsam herbeizitieren müssen. Bei Krohmer kommt es von ganz alleine. Schön unschön.