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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

American Gangster u.a.

Filmstarts 15.11.07

Denzel Washington und Russell Crowe piesacken sich, die Tötungsmaschine Beowulf geht um, und Moritz Bleibtreu gibt den geläuterten TV-Produzenten.
Geschrieben am
American Gangster
R: Ridley Scott; D: Denzel Washington, Russell Crowe, Cuba Gooding jr., Josh Brolin, RZA etc.
Auf der einen Seite: ein rücksichtsloser Gangster mit XXL-Ambitionen und einer cleveren Idee. Auf der anderen: ein unbestechlicher Superbulle vom Format Drecksau vor der Abwehr. Dazu 157 Minuten spektakulärer Retro-Flair aus den Straßen von Harlem. 'American Gangster' ist das typischste aller Gangster-Epen und schwelgt wollüstig in den Schauwerten, die sich direkt an ein männliches Studentenpublikum richten, das sich beim Falschparken schon wie Al Capone vorkommt und die Robert De Niro für den coolsten Typen überhaupt hält. Der Film enttäuscht sie nicht. Schon geil, wie da die Egos der ganz harten Kerle aufeinanderprallen, wie Washington regelmäßig zum Tier wird und Crowe ihn die bitteren Wasser der Niederlage schmecken lässt. Krasse Szenen aus den Schwarzenvierteln, korrupte Cops und die kokette Angewohnheit, die moralischen Implikationen der Geschichte fast konsequent auszublenden. 'American Gangster' scheint jedem Rap-Videoclip zeigen zu wollen, wer hier der Daddy ist, und es sieht verdammt so aus, als würde er das auch schaffen.

Die Legende von Beowulf
R: Robert Zemeckis; D: Ray Winstone, Angelina Jolie, Anthony Hopkins, John Malkovich etc.
Lustig war's, mit vier Bier im Kopf und einer 3D-Brille vor der Omme diesen Scheiß hier zu gucken, gegen den '300' direkt nachdenklich wirkt. Beowulf ist so eine Art computeranimierter Matell-Mensch, der das tut, wovon Manowar immer nur singen, also dauernd seinen Stahl in irgendetwas Lebendiges stecken. In diesem Fall in ein Monster namens Grendel, das ein trinkfestes Wikingerdorf terrorisiert. "Böses erzeugt Schmerz" raunt das dazugehörige Filmplakat ominös, und tatsächlich ist 'Beowulf' (schon als Buchvorlage todlangweilig) so flach und dämlich, dass es körperlich wehtut. Da hilft auch die selbstironische Grundhaltung nichts, die die völlig übersteigerten Actionszenen begleiten wie der Wahn die Wortwahl der Protagonisten. Meine Begleitung lag richtig, als sie meinte, 'Beowulf' fühle sich an, als würde ein penisamputierter Megalomane mit Viagra zwangsernährt.

Free Rainer
R: Hans Weingartner; D: Moritz Bleibtreu, Elsa Sophie Gambard, Milan Peschel, Simone Hanselmann etc.
Achtung Mediensatire! Rainer ist ein Klischee-TVler, der koksend und feiernd Trashformate raushaut, die bei der Unterschicht super ankommen. Sein Schuldkomplex und eine liebe Gegenkulturamazone reformieren den Zyniker, bis er die Quotenmesser in den ausgewählten Haushalten so manipulieren lässt, dass ganz Deutschland plötzlich gerne Fassbinder-Filme sieht. Talk about subtiler Horror? Naja. 'Free Rainer' kriegt gerade ordentlich Senge, weil die reichlich naive Geschichte angeblich extrem überheblich daherkommt und mit ihrer plakativen durchironisierten Art praktisch das Subversive subvertiert. Stimmt auch. Wenn man sich aber mal vor Augen führt, wie viele Menschen tatsächlich so denken wie Regisseur Weingartner, könnte dieser offensichtliche Flop augenöffnende Wirkung für die selbsternannte Geschmackspolizei haben. Wenn die gerade mal ihren selbstkritischen Tag hat.

King of California

R: Michael Cahill; D: Michael Douglas, Evan Rachel Wood, Allisyn Ashley Arm etc.
Auch enttäuschend in ganz ähnlicher Hinsicht ist dieser Film. Michael Douglas spielt darin einen kauzigen Schrat, der über der fixen Idee, einen Goldschatz unter einem Einkaufszentrum zu suchen, ganz das Zwischenmenschliche vergessen hat. Seine verständige Tochter erinnert ihn jetzt daran und zusammen klappt es dann ja vielleicht mit Familie und Schatz. Diese Winner-takes-all-Variante des Amerikanischen Traums wirkt hier umso hohler, als dass 'King of California' in all seiner sonnengeküssten Slacker-Ästhetik und der berechnend betonten Schrulligkeit kalt und konstruiert daherkommt. Und umso zynischer, wo der Regisseur des herzwärmenden und ganz offensichtlich als Vorbild dienenden 'Sideways' hier als Erfolgsproduzent mit der Verschrobenheitsformel agiert. Ein seelenloses Werk voller Accessoires, die das Gegenteil glauben machen wollen.

11th Hour - 5 vor 12
R: Nadia Conners, Leila Conners Petersen
In Amerika ist das Wissen um globale Erwärmung, Umweltverschmutzung und Co angeblich noch kein Allgemeinplatz. Fragt sich dort wirklich niemand, wo all die Nebenprodukte unseres "Fortschritts" landen, oder ist das wieder nur dumpfer Antiamerikanismus à la Freedom Fries? '11th Hour' versammelt in Telekolleg-Manier Wissenschaftler und Leonardo Di Caprio, um Lieschen Müller recht anschaulich zu erläutern, was das Problem ist, und dass das auch nicht Ansichtssache ist. "G8 erklärt Klimawandel für überflüssig" stand auf den T-Shirts in Heiligendamm, und ein bisschen beschleicht einen dieses Gefühl schon wieder, wenn man ins Kino gehen muss, um zu erfahren, was eigentlich die Politiker und Wirtschaftsbosse von den Dächern pfeifen müssten.