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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Kannibalismus - Fehlanzeige.

Filmstarts 14.06.07

FerienR: Thomas Arslan; D: Angela Winkler, Karoline Eichhorn, Uwe Bohm etc.Berliner Schule, Alter. Kann man sich echt nicht drauf verlassen. Was früher noch als großspuriges Melodram durchgereicht worden wäre, bei dem nebenbei "Mittelstandsbefindlichkeiten mitgedacht" werden, ist inzwischen nur noch
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Ferien
R: Thomas Arslan; D: Angela Winkler, Karoline Eichhorn, Uwe Bohm etc.
Berliner Schule, Alter. Kann man sich echt nicht drauf verlassen. Was früher noch als großspuriges Melodram durchgereicht worden wäre, bei dem nebenbei "Mittelstandsbefindlichkeiten mitgedacht" werden, ist inzwischen nur noch trist. Oberflächlich betrachtet. Arslan bebildert den Traum vom Haus im Grünen als ein Familienutopia, in dem keine rechte Urlaubsstimmung aufzukommen scheint. Dunkle Geheimnisse, gewalttätige Einbrüche, Kannibalismus - Fehlanzeige. Das lass mal den Haneke machen. Stattdessen gibt es eine penible Beschreibung generationsumspannender Unlust vor sommerlicher Landkulisse, die ihren Resonanzraum im Publikum sucht. Neben Kühle und Distanz stellt sich da allerdings auch so etwas wie flauer Optimismus ein, also das, was mein Psychologe Ich-Bewusstsein und das Feuilleton "Neo-Verismus" nennt. Großartig.

Hot Fuzz - Zwei abgewichste Profis
R: Edgar Wright; D: Simon Pegg, Nick Frost, Jim Broadbent, Timothy Dalton, Stephen Merchant…etc.
Zugegeben, der geniale deutsche Verleihtitel rückt diesen Film in die Nähe von 'Police Academy' und ähnlichem Müll. Aber, Freunde und Nachbarn, 'Hot Fuzz' ist tatsächlich das, was solche Streifen noch nie waren, nämlich lustig. Alles dreht sich um einen übereifrigen Bobby, der aufs Land versetzt wird, weil er mit seiner 400%-Aufklärungsquote die Londoner Kollegen wiederholt alt aussehen ließ. Doch auch auf dem Dorf eckt der Pedant schnell an, als er anfängt, die Strafmandate künstlich zu erhöhen. Pegg sieht aus wie Malcolm Middleton, ist somit leicht zu mögen, und veranstaltet für den Preis einer Kinokarte tatsächlich reichlich Radau. Der Tonfall seiner Abenteuer spielt dabei gerne ins Beherzt-Makabere, wofür schon das Filmteam von 'Shaun Of The Dead' bürgt sowie der reichhaltige Fundus an Polizeifilmklischees, die hier lustvoll geplündert wird. Fanboys werden darüber hinaus den Kenner-Stil des Skripts schätzen, das mit markanten Sprüchen, überraschenden Wendungen und originellen Todesarten verzaubert und kriminell kurzweilig unterhält.

Irina Palm
R: Sam Gabarski; D: Marianne Faifhfull, Miki Manojlovic, Kevin Bishop etc.
Marianne Faithfull möchte man mal sein. Leute wie Juliana Hatfield singen meine Songs und Verehrer schreiben mir Rollen auf den Leib, die sich gewaschen haben. In Handcreme. Als Pechvogel Maggie (arbeitslos, Mann tot, Sohn schwerkrank) sich als "Hostess" bewirbt, ahnt sie nicht, dass das der branchenübliche Euphemismus für Schwanzwichserin ist, und ihr Arbeitsplatz in einer schummrigen Kammer mit Loch in der Wand, in das Sexkunden ihren Schlong hängen. Weil Maggie allerdings sehr lernfähig ist und obendrein auch noch talentiert, stehen die Männer bald Schlange bei ihren sanften Händen, und ein Künstlername muss her: Irina Palm. Klingt unappetitlich, heikel oder witzlos? Mitnichten! 'Irina Palm' ist in Wirklichkeit ein sehr zärtlicher, ironischer und sogar erbaulicher Film, der trotz des frivolen Themas auf Vulgärromantik verzichtet und auch nicht zum blauäugigen Puffmärchen taugt. Im Gegenteil: Die auf Heuchelei und Doppelmoral gerichteten Spitzen treffen ihr Ziel mittig, und das ganz ohne den gönnerhaften Duktus des Freizeitmissionars. Nicht zu überschätzen bei alldem: la Faithfull. Die möchte man mal sein…