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Yella, Zimmer 1408 und mehr

Filmstarts 13.09.07

Mit Yella, Zimmer 1408, Death Sentence, Könige der Wellen, Rezept zum Verlieben, Ein mutiger Weg.
Geschrieben am
Yella
R: Christian Petzold; D: Nina Hoss, Devid Striesow, Hinnerk Schönemann etc.
In Frankreich sind seine Werke "Kult", in Deutschland werden sie noch gerne verlacht: der Berliner Musterschüler Christian Petzold ('Gespenster') macht traumhafte Filme, die von etwas ganz anderem handeln, als sie vorgeben und damit die sexy Leerstelle zwischen Horrorfilm und Gesellschaftsdrama füllen. In 'Yella' wird Nina Hoss' gleichnamige Figur von ihrem gruseligen Ex geradewegs in die Arme der Risikofinanz gestalkt. An der Seite eines kindlich-verschlagenen Entrepreneurs blüht die unglückliche Frau zusehends auf, aber die jüngere Vergangenheit lässt sie nicht los. Stringenz ist nicht alles, aber wer zehnsekündige Einstellungen auf ostdeutsches Wasser eher lustig als "betroffen machend" findet, ist hier vermutlich richtig. Betroffenheit ist wahrscheinlich sogar auch okay, solange man dadurch nicht die spannende Schattenhandlung aus den trüben Augen verliert. Petzold kann nämlich praktisch alles, ohne es aussprechen zu müssen, und leicht sieht es bei ihm auch aus. Schon wieder ein Lieblingsfilm.

Zimmer 1408
R: Mikael Håfström; D: John Cusack, Samuel L. Jackson, Mary McCormack etc.
Ein Schmierenkomödiant von Schriftsteller schreibt reißerische Bücher über angeblich verwunschene Orte. Friedhöfe, Spukhäuser, Finanzämter - alles kein Problem, aber Zimmer 1408 im Hotel Dolphin ist eine ganz andere Sache… Håfström als der Mann hinter 'Evil' ist eigentlich der Geilste, John Cusack wohlgelitten, und auch Populärautor Stephen King als literarische Quelle hoch im Kurs. Die Bugwelle, mit der dieser Film nun aus den USA kommt, übersetzt sich trotzdem nicht so leicht. Sicher, solange Cusack und Jackson über das Böse reden, ist es noch unheimlich, aber wie will man so etwas zeigen? Die reduzierten Spezialeffekte sind nämlich immer noch zuviel, die persönliche Geschichte banal, und der verworrene Schluss kalt wie Filmschulkaffee. Auch das ein Problem der Vorlage: King wusste auch noch nie, wie er seine Storys beenden soll.

Death Sentence
R: James Wan; D: Kevin Bacon, Kelly Preston, John Goodman etc.
Familienvater Kevin Bacon muss mit ansehen, wie ein Gangmitglied seinen Sohn umbringt und dann vor Gericht freigesprochen wird. Weil er aber niemand ist, der seine Wut in sich hineinfrisst, geht er schnurstracks zu einem Rachefeldzug über, der sich gewaschen hat. Und zwar in Blut. Seit dem Niedergang der Katharsistheorie steht der Selbstjustizfilm zugegebenermaßen ziemlich schlecht da, und alle Psychopathen müssen wieder 'Schneewittchen' gucken, bevor sie Amok laufen. Dabei sollte man von reifen Menschen eigentlich erwarten können, dass sie die simplifizierten Problemlösungsstrategien der Kino- und Fernsehwelt nicht in ihrem Alltag ausprobieren. Wer schon soweit ist, findet animalische Befriedigung in den harten Action-Szenen von 'Death Sentence', deren realistische Darstellung keinen Platz für Helden lässt. Vom Feinsten!

Könige der Wellen
R: Ash Brannon, Chris Buck
Ein Pinguin verwirklicht seine Träume vom Profi-Surfen bei einem schicksalsträchtigen Wettkampf und lernt, dass Gewinnen nicht alles ist. Richtig, das ist ein Trickfilm, echte Pinguine wollen gar nicht surfen. 'Surf's Up' (OT) ist aber gar nicht schlecht, zumal im ersten Drittel sehr witzig, und durch die Bank abgöttisch gut animiert und kurzweilig inszeniert. Auch die Absage an die etablierte Go-Fight-Win-Mentalität überrascht positiv, und die gefälligen Nebencharaktere sind immer noch über dem Durchschnitt. Was ein Jammer, dass da demnächst 'Ratatouille' startet und allen CGI-Abenteuern zeigt, was im Moment gerade "die konkreteste Ansage" ist.

Rezept zum Verlieben
R: Scott Hicks; D: Catherine Zeta-Jones, Aaron Eckhart, Abigail Breslin, Patricia Clarkson etc.
Eine neurotische Spitzenköchin adoptiert das Kind ihrer Schwester, neckt den, den sie liebt, und liefert am Ende ein astreines Wachtelgericht ab. Romantische Hollywood-Komödien können so einfach sein, selbst wenn sie von deutschen Vorlagen geklaut sind. In 'Bella Martha' hexte noch Martina Gedeck, nun ist es Honigkuckenpferd Zeta Jones, die, mit Verlaub und Eva Herman, wirklich eine gute Figur in der Küche abgibt. Puristen beklagen den etwas schlichteren Charakter der hübschen Erzählung, aber ich halte es mit dem berühmten Regisseur, der den Erfolg eines Films zu 90% an der Besetzung festmachte. Und da ist nun mal auch Aaron Eckhart ('In The Company Of Men') ein Treffer.

Ein mutiger Weg
R: Michael Winterbottom; D: Angelina Jolie, Dan Futterman, Irfan Khan, Archie Panjabi etc.
So sehr nahe liegend ist das ja nicht: Regie-Tausendsassa Winterbottom ('24 Hour Party People') kriegt einen Hollywoodfilm angetragen, in dem Angelina Jolie die Ehefrau eines in Pakistan entführten Amerikaners spielt, der zum Opfer terroristischer Enthauptungs-Anhänger wird. Die Aufgabe dagegen war klar: Machen, dass man als Zuschauer diesen Wahnwitz aus den Augen der Frau sehen kann - no perspective gets left behind. Die Versuche der Beteiligten, aus dieser Konstellation so etwas wie Spannung und psychologischen Mehrwert zu holen, sind allerdings nicht gerade von Erfolg gekrönt, und das ist weder Jolies Schuld, noch die eigenartige Winterbottom-Hollywood-Connection. Vielmehr misslingt der Film auf der handwerklichen Ebene, die eigentlich dafür zuständig sein sollte, die fortschreitenden Entwicklungen im Innen- und Außenleben zu koordinieren. Außer der gebotenen Ernsthaftigkeit ist nun aber nichts wirklich auszumachen.