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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Hormonübersteuerte Soziopathen

Filmstarts 02.08.07

TransformersR: Michael Bay; D: Shia LaBeouf, Megan Fox, Josh Duhamel, Rachael Taylor etc.Die Älteren werden sich erinnern: Mitte der Achtziger gab es einmal Spielzeugautos, die sich in Roboter verwandeln konnten. Was wir damals noch nicht wussten: Es würde einmal eine Zeit kommen, in der es jemand f
Geschrieben am
Transformers
R: Michael Bay; D: Shia LaBeouf, Megan Fox, Josh Duhamel, Rachael Taylor etc.
Die Älteren werden sich erinnern: Mitte der Achtziger gab es einmal Spielzeugautos, die sich in Roboter verwandeln konnten. Was wir damals noch nicht wussten: Es würde einmal eine Zeit kommen, in der es jemand für eine gute Idee hält, darüber einen Film zu machen. Einen Spielfilm. MC Michael Bay hat sich, wie jeder weiß, sein inneres Kind bewahrt, und seit ihm Steven Spielberg so teure Geschenke macht, darf die kleine Ratte auch immer häufiger raus. Als Resultat haben wir jetzt einen sündteuren Actionfilm, in dem ein Junge, der eigentlich nur das Model von nebenan flachlegen will, in einen interstellaren Krieg verwickelt wird. Was lustig klingt, ist aber wieder so oberflächlich, ironiefrei und selbstgefällig aufgezogen, dass man schon nach 20 Minuten passen muss, wenn man nicht gerade auf photogenen Militärkrawall und verzweifelt schönretuschierte Teenager-Klischees steht. Irgendjemand wird zwar wohl auch in diese grelle Materialschlacht noch so etwas wie postmoderne Zivilisationskritik reinlesen, aber eigentlich sind Michael Bay-Filme bis auf weiteres wie Pokerspielen: Wenn du nicht weißt, wer gerade verarscht bist, bist du es.

Auf Anfang
R: Joachim Trier; D: Espen Klouman Høiner, Anders Danielsen Lie, Viktoria Winge, Christian Rubeck etc.
Schön dagegen dieser schwarzweiße Norweger, in dem zwei jugendliche Hedo-Slacker das eigene privilegierte Lotterleben durchspielen. Oder durchgespielt bekommen, denn der Film bietet gleich mehrere Varianten seines Was-wäre-wenn an. Einmal werden beide Jungs erfolgreiche Off-Schriftsteller, einmal nur der eine. Urbane Heranwachsende werden auf jeden Fall gleich die trendige Szenesprache und die kurzlebigen "Codes" wiedererkennen, mit der Regie-Debütant Trier seine respektlosen Antihelden durch ihren nichtsnutzigen Tag schickt. Die etwas existenzialistischere Variante von Beavis & Butthead ist dabei sehr vergnüglich und in seiner durchästhetisierten nichtlinearen Erzählstruktur auch formal interessant.

Schwarze Schafe
R: Oliver Rihs; D: Robert Stadlober, Tom Schilling, Oktay Özdemir, Jule Böwe etc.
Für Filmstudenten mit Schulhof-Humor ein Traum: Fünf Berliner Episoden, die malerischen gesellschaftlichen Randfiguren so etwas wie "Pulp Fiction"-Cool verleihen sollen - mit gemischtem Erfolg. Die Reiseleiterin und ihr lokalpatriotischer Alki-Freund haben Charme, die drei notgeilen Jungtürken auf Sexsafari wirken unglaubwürdig und die schlaumeierischen Hobbykommunisten zünden irgendwie nicht. Der liebestolle Selbstverstümmler wirkt wie aus Kusturicas unteren Schubladen, und die zwei Amateur-Satanisten schießen den Vogel ab: auf die Frage, warum ausgerechnet er seine komatöse Großmutter bei einer schwarzen Messe in den Arsch ficken soll, kriegt der Novize zu hören: "Weil du mit ihr verwandt bist. Das ist irgendwie gottloser." Na, das ist doch mal ein unvergesslicher Spruch!

Der Date-Profi
R: Todd Phillips; D: Billy Bob Thornton, Jon Heder, Jacinda Barrett, Michael Clarke Duncan etc.
Ein schüchternes Mauerblümchen ohne Schlag bei den Frauen sucht Hilfe bei einer Art Volkshochschul-Playboy, der ganz von unten aufbaut: "You can't help yourself cause yourself sucks!" Mit Billy Bob als Motivationstrainer weiß man, woran man ist, und so wie er seinen antriebslosen Haufen Macho-Loser drangsaliert, könnte man ihm stundenlang zugucken. Leider ist der Film nur in der ersten Hälfte so gut zu uns, denn danach müssen wir was lernen. Und zwar so eine komische Variante von Selbstbewusstsein, bei der man um die Frau seiner Wahl kämpft, damit jeder merkt, wie ernst es einem ist usw. Das muss doch auch anders gehen! Gerade weil die hier angebotene Patentlösung und die Sicht darauf nicht nur überkommen, unromantisch und leicht frauenfeindlich, sondern inzwischen auch schrecklich monoton ist.

Von Frau zu Frau
R: Michael Lehmann; D: Diane Keaton, Mandy Moore, Gabriel Macht, Piper Perabo etc.
Andererseits: Romantische Komödien sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Wen die Aussicht auf eine peinlich übergeschnappte Diane Keaton als Super-Mom nicht schreckt, neben dem will ich nicht sitzen. In "Because I said so"(OT) spielt sie einen besserwisserischen Drachen, der der jüngste Tochter am liebsten persönlich den Bräutigam aussuchen möchte. Tatsächlich lassen die Figuren in dieser gefährlich putzigen Klamotte das Aussterben der Menschheit auch direkt wie eine Verlockung wirken und vertreiben sämtliche Gedanken an Heirat locker für mindestens 15 Jahre. Vielleicht wollen hormonübersteuerte Soziopathen mit hoher Schmerztoleranz aber auch einfach nur genauso unterhalten werden wie wir alle.