×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Film School

Film School

Das Leben ist ein schlecht beleuchtetes Tulpenfeld, wenn man dem Frontfoto dieser CD glauben schenken darf. Eine völlig an den Haaren herbeigezogene Interpretation, aber die Metapher ist gut! Man kann sich so auch anderen Plattencover nähern, beispielsweise einer gewissen Cure-Platte: Das Leben ist
Geschrieben am

Das Leben ist ein schlecht beleuchtetes Tulpenfeld, wenn man dem Frontfoto dieser CD glauben schenken darf. Eine völlig an den Haaren herbeigezogene Interpretation, aber die Metapher ist gut! Man kann sich so auch anderen Plattencover nähern, beispielsweise einer gewissen Cure-Platte: Das Leben ist ein idyllisch eingerichtetes Wohnzimmer mit einer Stehlampe und einem Kühlschrank. Genug jetzt! Film School also entstammen der langsam erwachenden Indieszene San Franciscos, die es in naher Zukunft mit erhöhter Aufmerksamkeit zu verfolgen gilt - denkt an BoySkout, Minipop und Thee More Shallows, liebe Menschen, die ihr sonst nichts Sinnvolles zu tun habt. Film School begann einst als Soloprojekt von Sänger und Gitarrist Krayg Burton, dieser lud sich für einige kleine Platten auf kleinen Labels mehr und mehr Volk ins Heimstudio, und schließlich war da eine vollständige Band. Wodurch sich das Klangbild unüberhörbar verhärtete - vom reinen Wohnzimmer-Shoegazerismus nach Art von Flying Saucer Attack, der sich auf den Frühwerken Raum schaffte, ist nur noch wenig geblieben. Auf "Film School" bieten die fünf Herren dunkle Popmusik, die sich ohne Mühen in den letzten 25 Jahren ihre Eckpfeiler sucht. Selbstredend Cure, selbstredend ein wenig Joy Division, ebenso die üblichen Vertreter der Generation, die ihre Scheu vor der Welt hinter riesigen Gitarrenwällen verbarg. Und Ride! Es sind jedoch auch Gitarren zu hören, die an Hood erinnern, Harmonien, die beispielsweise The Black Heart Procession gut zu Gesicht gestanden hätten, und es bleiben stets mehr Details im verwitterten Gedächtnis hängen. Es ist ebenjenes Schlingern zwischen gänzlich altmodischen (also guten) und durchaus modernen (na und?) Versatzstücken von geschmackvoll ausgewählten Einflüssen, das Film School letzten Endes einen recht hohen Wiedererkennungswert verleiht. Es lohnt sich, sich dessen mal anzunehmen, und zwar ganz bestimmt nicht für Leute, die in ihrer Freizeit in einem Sarg wohnen. Ein wichtiger Ratschlag für diejenigen, die mal reinhören wollen: "Pitfalls" erst einmal skippen, denn da steht ein aufdringliches Rockpferd auf dem Studioflur. In diesem Zusammenhang sei auch nachdrücklich auf die Solowerke von Gitarrist Nyles Lannon hingewiesen, vor allem auf die formidable und wunderschöne CD "Chemical Friends", die 2004 auf Badman Recordings (u. a. Red House Painters, Swell, My Morning Jacket) erschien.