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Lob von Lindenberg

Ferris MC im Gespräch

Mit seinem ersten Soloalbum seit über einem Jahrzehnt erteilt Ferris MC dem Zeitgeist und all jenen eine Abfuhr, die auf ein ruppiges Rap-Revival gehofft hatten. Stattdessen holt er Musiker ins Studio und freut sich über Lob von Udo Lindenberg, wie er Bastian Küllenberg gestand.
Geschrieben am
Elf Jahre ist es her, seit Ferris MC sein letztes Soloalbum veröffentlicht hat. Lang genug, um eine komplette Schulkarriere zu durchlaufen. Oder, wie im Fall des Wahlhamburgers, um künstlerisch neue Dinge zu wagen. Sascha Reimann, so der bürgerliche Name, versuchte sich in der Zeit höchst erfolgreich als Schauspieler und ist 2008 fest bei Deichkind eingestiegen.  

Knapp vier Monate nach deren Nummer-Eins-Album »Niveau, weshalb, warum«, folgt nun »Glück ohne Scherben«, Ferris MCs neues Solowerk. Ein ungewöhnliches Timing, könnte man meinen. »Ob es der richtige Zeitpunkt ist, weiß ich selber nicht so genau. Darüber habe ich auch nicht wirklich nachgedacht«, kommentiert Ferris MC. »Wir wollten dem Deichkind-Album natürlich nicht in Quere kommen. Es gab allerdings auch kein Schlüsselerlebnis, bei dem man sagt, ich muss jetzt unbedingt damit raus. Es war eher ein schleichender Prozess. Ich habe mich dahin entwickelt. Zu einem früheren Zeitpunkt wäre ich nicht in der Lage gewesen, so ein Album zu schreiben. Außerdem muss man dazu auch erst mal die richtigen Leute finden.« 
Der Wichtigste dieser richtigen Leute ist Swen Meyer, Ferris’ neuer Manager, Produzent und Verwandter im Geiste. Man teile eine gemeinsame Vision. Konkret bedeutet dies, dass mit Meyer, in dessen Diskografie Alben von Kettcar, Tomte und Tim Bendzko zu finden sind, ein Produzent mitarbeitet, der sich mit Gitarren auskennt. Denn noch eine gradlinige HipHop-Platte zu machen, war nie Ferris’ Absicht. Es sei vielmehr darum gegangen, etwas Eigenständiges zu erschaffen und »zu 100 % mich auf das Album zu projizieren, befreit vom dem, was ich früher war. Ich wollte mehr Sascha Reimann in den Ferris reinbringen.« Und Sascha Reimann hatte Bock auf Bandsound. So herrscht auf »Glück ohne Scherben« ein Stilmix, der Elemente von Pop, Rock und Rap verbindet. Ein Schritt, der nicht ohne Risiko ist. »Es war ein reines Gefühlsding, ohne darauf zu achten, ob ich damit den Zeitgeist treffe. Ich wollte statt eines zeitgemäßen Albums lieber ein zeitloses Album machen.«

Es ist eine Platte geworden, die sich erst entwickeln muss, um die richtigen Hörer zu erreichen, da ist sich der Künstler sicher. »Viele HipHop-Punchline-Fans werden damit wohl eher nicht klarkommen.« Doch das sei auch nicht weiter schlimm. »Ich sehe mich als Zwitter, der zwar aus dem HipHop kommt, aber eigentlich von der Einstellung her Punk ist. Auch wenn ich etwas poppiger klinge auf dem neuen Album, möchte ich mich nicht anpassen. Ich hoffe einfach, dass ich Musikliebhaber damit erreiche.«

Einen von ihnen hat er bereits für sich gewonnen: Udo Lindenberg zeigte sich höchst begeistert von »Glück ohne Scherben«, was Ferris als persönlichen Ritterschlag beschreibt. »Das ist mir viel mehr wert, als wenn irgendein Neuzeit-Rapper sagt, dass er das geil findet. So ein Lob ist was Handfestes.« Es macht den Eindruck, als sei dieses Reimemonster endgültig erwachsen geworden. Mit allen Vor- und Nachteilen, die sowas mit sich bringt.

– Ferris MC »Glück ohne Scherben« (Warner / VÖ 29.05.15)

Ferris MC

Glück ohne Scherben

Release: 29.05.2015

℗ 2015 Warner Music Group Germany Holding GmbH / A Warner Music Group Company