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This First Day

Fern

Wirklich gute, wirklich schöne Musik macht es einem nicht gerade leicht, sie in Worten einzufangen. Musik, die vom ersten Moment an in ihren Bann zieht, aber ihr Geheimnis einfach nicht preisgeben will und wohl auch nach dem hundertsten Hinhören nicht banal erklärbar wird. “This First Day”, das De
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Wirklich gute, wirklich schöne Musik macht es einem nicht gerade leicht, sie in Worten einzufangen. Musik, die vom ersten Moment an in ihren Bann zieht, aber ihr Geheimnis einfach nicht preisgeben will und wohl auch nach dem hundertsten Hinhören nicht banal erklärbar wird. “This First Day”, das Debüt des Duos Fern aus Köln und Düsseldorf, ist so ein Fall von zu schöner Musik, mit der es eine Plattenkritik unglaublich schwer hat. Aber schließlich machen es sich Jürgen Krause und Johannes Rix alias Fern ja auch nicht leicht. Seit 1997 musizieren sie gemeinsam, erst eher hobbymäßig, dann in Bandprojekten, immer unterwegs von ihren maßgeblichen Einflüssen hin zu einer persönlichen Klangsprache, die sie mit Fern endlich gefunden haben. Über zwei Jahre lang treffen sie sich nun schon jeden Montagabend, verkabeln ihre Computer und schicken die liebsten Klänge, die ihnen in der Zwischenzeit irgendwo zufällig begegnet sind, in ihren gemeinsam geschaffenen Interaktionsraum: warme Flächen, Glocken- und Vibrafonechos, die sich gegenseitig umschmeicheln, auch Spuren von Jazz und Fusion, die ihre Virtuosität ganz in den Dienst der melancholischen Stimmungen stellen. Alles wabert und fließt in diesem Understatement-Ambient, es gibt wenig zum Festhalten, und doch ist man in jedem Moment aufgehoben. Vielleicht reicht für die Beschreibung einer wunderbaren Platte wie dieser eine schlichte Wahrheit: dass man sich wohl fühlt, wenn sie erklingt.


Drei Fragen an Johannes Rix von Fern:

Haltet ihr nach wie vor an euren wöchentlichen Montags-Sessions fest?

Da ich gerade das zweite Mal Vater geworden bin, haben wir das gemeinsame Musikmachen fürs Erste ausgesetzt. Perspektivisch wollen wir uns aber wieder regelmäßig einmal in der Woche treffen, um an neuen Stücken für Fern zu arbeiten. Ob dies der Montag sein wird, ist da noch offen. Zurzeit arbeitet Jürgen an einem HipHop-Projekt und ich an Videos zu unseren Stücken.

Ihr arbeitet sehr viel mit Samples von Platten anderer Künstler. War das für euch ein logischer Zugang zum Musikmachen?

Uns geht es um das Entdecken von Klängen, die uns gefallen, die bearbeitet oder unbearbeitet etwas Interessantes aussagen und in der Lage sind, Stimmungen zu erzeugen. Die Quelle dieser Sounds ist da erst einmal egal: ob dies nun ein analoger oder Software-Synthie, ein selbst eingespieltes akustisches Instrument, das Klackern von Skateboardrollen oder ein Basslauf von Charles Mingus ist. Uns geht es beim Arbeiten mit Samples aber nicht darum zu zitieren, um irgendwelche Referenzen herzustellen oder etwa durch das gesampelte Zerknüllen einer Cola-Dose Systemkritik zu üben. Die Arbeit mit Samples vergleiche ich gerne mit der Technik der Collage in der bildenden Kunst. Insbesondere die Surrealisten sind da für uns eine wichtige Inspirationsquelle. Dinge aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang zu reißen, neu zu montieren und so zu arrangieren, dass etwas Neues, Schönes oder auch Befremdliches entsteht, macht uns Spaß.

Was macht ihr nächsten Montag?

Nachdem wir beide – Jürgen in Düsseldorf und ich in Köln – tagsüber in unseren Jobs dafür sorgen, dass benachteiligte Kinder und Jugendliche sinnvollen Freizeitbeschäftigungen nachgehen, wird Jürgen entweder Skaten gehen oder HipHop-Beats bauen, ich meine Kinder ins Bett bringen und danach mit dem Album von Trentemøller im MP3-Player joggen gehen.