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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mit Bastian Küllenberg

Fenster zum Hof #236

Alte Männer und Klassisches: Neben ein wenig brachialem HipHop-Getöse warten im Oktober Soul-Traditionalisten und eine Ska-Legende darauf, den Herbst einzuläuten.
Geschrieben am
Don’t call it a comeback: Fast zehn Jahre nach seinem letzten Album kehrt Method Man zurück und veröffentlicht statt des lange schon angekündigten »Crystal Meth« lieber eine Platte mit Namen »The Meth Lab« (Tommy Boy). Zwischendurch arbeitete der MC am letzten Wu-Tang-Album »A Better Tomorrow« mit, das Ende 2014 erschien und seither irgendwo zwischen netter Nostalgie und abgehängter Behäbigkeit herumlungert. Mister Meth allein klingt da schon besser, aber auch wenig überraschend. Viele verschiedene Produzenten, dicke Bässe und Funk-Breaks sowie Feature-Gäste im zweistelligen Bereich. Also alles so, wie man es von einem US-Rap-Werk dieser Größenordnung und Altersstufe erwartet. Kann man, muss man aber nicht.

Method Man

The Meth Lab

Release: 21.08.2015

℗ 2015 Tommy Boy Entertainment, LLC under exclusive license from Hanz On Music, LLC

Ebenfalls ein wenig altmodisch, dafür aber musikalisch leichtfüßiger und damit charmanter geben sich Suburbants auf ihrem Debüt »Atl-Lth« (Lost Hill). Die klassische Kombination aus MC und DJ dient dem Duo als Ausgangspunkt für eine Reise durch Boom Bap und Sample-Beats. Während der Züricher Tom Select für die Produktion verantwortlich ist, steuert Rapperin Akila Da Hun aus Atlanta lupenreines Storytelling bei. Wer in den 1990ern gerne zu A Tribe Called Quest und De La Soul wippte, dürfte hieran auch 20 Jahre später Gefallen finden.

Suburbants

Atl-Lth

Release: 28.08.2015

℗ 2015 Lost Hill Music

THC, StGb, BMW, ACAB und vor allem Herta BSC. Abkürzungen sind Trumpf auf »Gewachsen auf Beton« (Warner), dem neuen Album der Weddinger Kiez-Legende George Boateng alias BTNG. »Diamanten entstehen unter Druck«, weiß der Bruder der Fußball-Stars Kevin-Prince und Jérôme und spielt im Albumtitel auf ein Graffiti an, das ein Sportartikelhersteller zu Ehren des Trios auf eine Berliner Betonwand sprühen ließ. Das Album zum Werbeslogan liefert neben allerhand pathetischen Streichern vor allem trockene Technik und Straßenrap-Poesie, die nicht selten von den Schattenseiten der Hauptstadt kündet. So in etwa dürfte der grimmig dreinblickende Gegenentwurf zum zweiten Berliner Bass-Botschafter Romano klingen. Oder, um es mit BTNG selbst zu sagen: »Fick nicht mit dem Ficker, der den Ficker fickt!« 

BTNG

Gewachsen auf Beton

Release: 18.09.2015

℗ 2015 Warner Music Group Germany Holding GmbH / A Warner Music Group Company

Jetzt ist aber gut mit Fäkalsprache und Kampfansagen. Die derzeit beste Adresse für analogen Funk und Soul veröffentlicht mit »Daptone Gold 2« (Daptone) den zweiten Label-Sampler. Dabei ist Daptone seit der Gründung 2001 mehr Familie als Plattenfirma: Da helfen die Label-Künstler schon mal bei Renovierungsarbeiten an der Firmenzentrale mit oder unterstützen sich gegenseitig als Teil einer der zahlreichen Hausbands. Neben Instrumental-Gruppen wie den Dap-Kings, The Menahan Street Band und The Budos Band hört man auf der Compilation die Aushängeschilder Sharon Jones und Charles Bradley sowie Gospel-Queen Naomi Shelton und die ehemaligen Background-Sängerinnen Saun & Starr. 21 Songs, die vorher nur auf schnell vergriffenen Singles veröffentlicht wurden oder bisher gar nicht erschienen sind, machen »Daptone Gold 2« zum Pflichtkauf.

Various Artists

Daptone Gold II

Release: 18.09.2015

℗ 2015 Daptone Records

»Songs Of Paapieye« (Awesome Tapes From Africa) gehört zu der Sorte Alben, bei denen es ganz besonderes Engagement braucht, damit sie der Welt zugänglich gemacht werden können. Zum Glück gibt es das New Yorker Label Awesome Tapes From Africa. Deren jüngste Horizonterweiterung kommt von SK Kakraba, der bereits als Kind die hohe Kunst des Gyil, ein klanglich entfernt an die Kalimba erinnerndes Xylofon aus Ghana, gelernt hat. Mittlerweile lebt der Musiker in L.A., zeigt sich auf »Songs Of Paapieye« allerdings weiterhin heimatverbunden und kombiniert traditionelle Lieder und Begräbnismusik mit Improvisation und Eigenkompositionen. Minimalistisch, rhythmuszentriert und außergewöhnlich.

SK Kakraba

Songs of Paapieye

Release: 02.10.2015

℗ 2015 Awesome Tapes From Africa

Deutlich klassischer und einfacher zu beschreiben ist »The Skinheads Dem A Come« (Liquidator), die Wiederveröffentlichung des Monats. Das Comeback-Album von Roy Ellis alias Mr. Symarip, einer der Legenden des britischen Ska, wurde erstmals vor neun Jahren veröffentlicht. Die 14 Stücke darauf klingen jedoch eher, als seien sie bereits in den 1960ern entstanden, und einige wie die Coverversion »I’m Gonna Knock« oder der von »Amen« zu »Say When Say When« umgetextete Gospel sind im Ursprung tatsächlich bereits viele Jahrzehnte alt. Diese Platte eignet sich bestens zum lässigen Marsch durchs Off-Beat-Wunderland. Nicht nur für Puristen unbedenklich.

Mr. Symarip

The Skinheads Dem a Come

Release: 10.09.2008

℗ 2007 Liquidator Music