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Endless Summer

Fennesz

Man kommt wohl kaum umhin, bei dem Titel der Fennesz-CD an die Beach Boys zu denken, so fern der Zusammenhang auf musikalischer Ebene auch zunächst erscheint. Aber wenn man will (und ich will!), kriegt man das zusammen: die ge- bis zerbrochene Schönheit der 66/67er Beach Boys findet sich bei Fennesz
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Man kommt wohl kaum umhin, bei dem Titel der Fennesz-CD an die Beach Boys zu denken, so fern der Zusammenhang auf musikalischer Ebene auch zunächst erscheint. Aber wenn man will (und ich will!), kriegt man das zusammen: die ge- bis zerbrochene Schönheit der 66/67er Beach Boys findet sich bei Fennesz im technischen Update. Elegische Flächen, Streicherarrangements und Akustik-Gitarre werden von Knistern, Knacksen und Geräuschflächen perforiert, ohne sie komplett zu vernichten. Im Gegenteil: In diesem Kontrast entfalten beide Pole erst ihre volle Wirkung und lassen den Hörer hemmungslos experimentellen Kitsch genießen. War Endless Summer bereits ein prima Aufhänger, freut sich der verzweifelt nach raffinierten Überleitungen suchende Autor noch mehr darüber, dass das erste Stück der CD von Tujiko Noriko “Endless End” heißt, denn schon sind wir mitten in der zweiten Platte: Entgegen dem verrückten Kinder-Cover gefällt sich Noriko musikalisch deutlich in melancholischen Posen, die vage an das Avantgardeverständnis von Recommended Records und deren Vorläufer (Henry Cow & Co.) anzuschließen scheinen. Unglaublich schöne, einen zu Tränen rührende Melodien des stark im Vordergrund stehenden japanischen Gesangs von Noriko werden von elektronisch generierten Geräuschpartikeln begleitet, die sich gegen alle Wahrscheinlichkeit doch immer wieder zu kleinen Melodien zusammenfinden. Mit etwas Mut könnte man daher bei beiden Platten von Avantgarde-Pop sprechen, auch wenn sich der Begriff selten dämlich anhört. Die Alben dagegen klingen jedenfalls nicht weniger als toll.