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Fast schon zufrieden

Retribution Gospel Choir

Das mitunter harschere Projekt Retribution Gospel Choir brennt wieder. Christoph Dorner traf Sparhawk und ließ sich updaten.
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Alan Sparhawk hat mit seinem getragenen Schneckenpost-Indie bei der Band Low Geschichte geschrieben. Zumindest für Nerds und deren Peripherie. Nun gönnt er sich zusammen mit Basser und Drummer Eric Pollard (ebenfalls Low) bisschen Ausgleichssport: Das mitunter harschere Projekt Retribution Gospel Choir brennt wieder. Christoph Dorner traf Sparhawk und ließ sich updaten.

Wann hast du dich zuletzt an jemandem gerächt?
Viele Menschen interpretieren "Retribution" als Rache. Es geht bei dem Begriff aber mehr um die Möglichkeit, etwas zurückzugeben, das man unrechtmäßig genommen oder gestohlen hat. Aber ich bin kein philosophierender College-Abgänger mehr. Also, keine Ahnung.

Und wann hast du zum letzten Mal einen echten Gospelchor gesehen?
Alle paar Monate höre ich mir den Mormon Tabernacle Choir an. Das sind über 300 Leute und echte Profis.

Wie sind die Songs zu diesem Projekt entstanden?
Wir haben geschrieben, und zwischendurch ging es immer wieder kurz auf Tour. So haben sich die Songs live entwickelt und waren erst nach fünf Aufnahmen wirklich im Kasten. Wir hatten in Chicago auch eine Session mit Steve Albini - die allerdings später im Mülleimer gelandet ist.

Zunächst soll RGC ja das Baby von dir und dem Red-House-Painters-Sänger Mark Kozelek gewesen sein. Ist er noch dabei?
Mark war auf unserer ersten Tour dabei. Danach hat er uns ständig genervt, dass wir die Band nicht schleifen lassen dürfen und endlich etwas aufnehmen sollen.

Ihr habt auf dem ersten Album von RGC zwei Low-Songs von "
Drums & Guns" rockiger interpretiert. "2" wiederum hat klassische Low-Momente. Wie durchlässig ist die Grenze zwischen beiden Projekten?
Ich verstelle mich beim Songwriting und auch beim Singen nicht, nur weil es sich um ein Seitenprojekt handelt. Ich halte auch keine Songs zurück. Aber du hast uns entlarvt: Wir klingen an einigen Stellen tatsächlich sehr nach Low. Man muss uns schon live sehen, um die Unterschiede zu bemerken. Gerade darüber definieren wir uns.


Haben die Shows von RGC eine Ventilfunktion für dich?

Es hört sich cheesy an, aber wir suchen live mit einem lauten, aggressiven Sound schon nach spirituellen Momenten. Wenn ich auf der Bühne Blut und Wasser schwitze, sehe ich schon manchmal ein Licht in der Ferne.

Was bei RGC wie bei Low stets durchkommt, sind diese archaischen Motive in den Texten. Wie wichtig ist dieser Aspekt für deine Kunst?
Ich habe über die Worte erst zu meiner Stimme gefunden. So bin ich, ich werde diese Intentionen nicht ignorieren. Seit ein paar Jahren habe ich mich mit dieser düsteren Sprache sogar angefreundet. Ich bin fast schon ein zufriedener Mensch.

Es gibt da diesen Vergleich von Alan Sparhawk mit Neil Young: Demnach sind RGC der alte Mann plus Crazy Horse. Richtig?
Ich bin Fan. Er ist einer der wenigen Musiker mit Integrität und Geschmack. Und er zeigt mir, wie man mit Rock'n'Roll alt werden kann, ohne dass dir deine Kinder irgendwann sagen, wie scheiße du geworden bist.

Wenn junge Leute die heavyeren Momente von "2" gut finden: Wo sollen sie weiterhören?
Sie sollten sich alte Reggae-Platten anhören.

Wie bitte? Ich dachte, du schlägst mir jetzt alte Sub-Pop- oder Touch-And-Go-Platten vor.
Man sollte sich nie zu viel ähnliche Musik anhören. Also: Don Carlos, The Congos, alles von den Gladiators. Das ist ein guter Kontrast. Man hört das Blut in dieser Musik. Aber wenn du magst, kannst du natürlich auch "Search & Destroy" von den Stooges hören.

2010 wirst du mit Low zumindest beim Primavera Sound in Barcelona "The Great Destroyer" performen. Wie wird das?
Es ist schon verrückt, zu einem Album in die Vergangenheit zurückzukehren. Man versucht sich daran zu erinnern, warum man das Album damals so gemacht hat. Und ich bekomme Geld, dass ich wieder genau der Typ aus dem Jahr 2005 bin. Damals, als man noch nicht scheiße war. [lacht]

Ist so eine Show nicht auch ein Ausdruck dafür, dass man es im schnelllebigen Business zu einer "klassischen" Band gebracht hat?
Barry Hogan von ATP hat ja mit diesen Shows angefangen. Und allein die Shows von den Meat Puppets ("II") und Smoke ("Dopesmoker") waren super. Die Konzerte sind mehr wie Geburtstagspartys: Man kommt zusammen und erinnert sich an früher.