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Etwas anschubsen

Falk Schacht im Gespräch

Als Journalist und Produzent kennt sich Falk Schacht im HipHop bestens aus. Jetzt betritt er Neuland und gründet mit Catch The Beat sein eigenes Label.
Geschrieben am
Dieser Mann kennt HipHop wie kaum ein anderer in Deutschland. Als Redakteur und Moderator der Viva-Zwei-Sendung »Supreme« sorgte er für TV-Sternstunden wie dem Taktloss-Spezial, moderierte nach dem Ende des legendären Senders auf Viva »Mixery Raw Deluxe« und stieß als langjähriger Kolumnist von Intro und Juice zahlreiche Debatten an. Zudem produzierte er in den 90er selbst Beats und arbeitete eine Zeit lang als A&R für das Kölner Label Melting Pot Music. Jetzt hat Falk Schacht etwas getan, was er noch nie gemacht hat: sein eigenes Label zu gründen.

Wir sprachen mit dem frisch gebackenen Label-Boss über das Potential der Indies und die Fehler der deutschen Majorlabels. Zudem erkundigten wir uns, warum mit »Street Jazz« ausgerechnet ein Soundtrack die erste Veröffentlichung auf Catch The Beat ist.

Warum gründest du 2015 dein eigenes Indie-Label? Was war der Auslöser?
Bock darauf hatte ich schon immer. Viele junge Musiker ohne Label zeigen mir ihre Musik. Dass ich nicht viel mehr tun konnte als darüber zu schreiben und zu versuchen, es auf diese Weise etwas anzuschubsen, habe ich schon häufig bedauert. Es kommt auch hinzu, dass einige Freunde von mir angefangen haben, selber Platten zu pressen. Das hat mich noch mal ermutigt, diesen Schritt zu gehen. Hinzu kommt, dass es heute so einfach ist, unabhängige Strukturen zu nutzen. Deshalb gibt es ja den Vinyl-Only-Soundtrack zu »Street Jazz«, also unser erstes Release, exklusiv nur im Kapitalismus Jetzt Shop vorzubestellen.

Hast du Vorbilder, Labels an denen du dich mit Catch The Beat orientierst?
Das sind legendäre Labels wie Def Jam, Payday, Ninja Tunes, Mo’Wax, Buback Records und Blitz Vinyl. Bei dem »Street Jazz«-Soundtrack habe ich eine Reihe von 80er Def Jam- und Blitz Vinyl-Referenzen in die Grafiken einfließen lassen. Diese Labels waren zu ihrer Zeit für mich sehr wichtig und haben das, was mich musikalisch interessiert, voran getrieben. Der Antrieb ist derselbe. Weil es kein anderer macht, machen wir es eben selber. DIY in Reinform. Und natürlich das Austesten von Grenzen. Möglichst neue spannende Musik zu entdecken, die man so noch nicht gehört hat.

Als Journalist und HipHop-Liebhaber hast du in den letzten Jahren sicher mit unzähligen Künstlern, Labelmachern und Promo-Leuten gesprochen. Konntest du aus der Zeit Erfahrungen mitnehmen, die dir jetzt als neuer Labelgründer helfen?
Ich habe mich immer auch für die Hintergründe meiner Interviewpartner interessiert. Also auch für die Dinge, die meist in Interviews nicht besprochen werden, weil sie dem Nutzer zu komplex oder nicht interessant genug sind. Natürlich nimmt man da viel mit. Was läuft im Musikgeschäft schief, welche Fallstricke kann es geben und so weiter.

Einige der aktuell kommerziell höchst erfolgreichen HipHop-Acts veröffentlichen auf Indie-Labels oder nutzen oft nur noch die Vertrieb- und Promo-Wege der Major-Industrie. Denkst du, das ist ein neuer Trend? Woher kommt das deiner Meinung nach?
Das ist relativ simpel. Die Major-Labels haben sich jahrelang nicht um Rap aus Deutschland geschert. Die Szene war also gezwungen, mit Indie-Strukturen zu überleben. Ich habe immer wieder erlebt, wie zwischen 2005 und 2011 Major Plattenfirmen interessante Acts abgelehnt haben, weil sie keine Vision dazu entwickeln konnten. Der um 2010/2011 einsetzende Erfolg von Rap durch Casper, Marteria, Kollegah und Farid Bang und co. sorgte dafür, dass sich die Marktanteile für Rap in Richtung der Indies verschoben haben. Als man dann so um 2012/2013 herum bei den Majors begriffen hatte, dass das nicht nur partielle Erfolge sind, und dass es nicht nur ein temporärer Hype ist, wollte man unbedingt wieder mitspielen im Rap Game. Die Angebote, die sie machten, waren aber nicht attraktiv genug und wurden von den meisten Indie-Labels abgelehnt. Der Druck, was diese Rap-Marktanteile betraf, wurde aber so groß, dass letztes Jahr die Majors angefangen haben, richtig Geld in die Hand zu nehmen und sich einzukaufen. Es ist also weniger ein Trend als eine Folge der jahrelangen Ignoranz der Majors. Und die Indies sitzen gerade am längeren Hebel und genießen das auch.

Neben Marcus Staiger zählst du zu den prominentesten Journalisten im HipHop. Verstehst du deinen Namen, deine Person mittlerweile als Marke?
Persönlich geht mir das überhaupt nicht so. Ich heiße seit meiner Geburt so und für mich ist das einfach mein Name. Ich bemerke aber, dass die Außenwelt damit anders umgeht als ich. Dort läuft das dann natürlich als Marke. Ich wollte mir meinen Namen jetzt auch beim Patentamt schützen lassen. Aber meine Mutter war schneller als ich, wir haben jetzt einen Rechtsstreit am laufen. Kann sein, dass ich mich jetzt für die nächsten zwei Jahre Prince Falk Schacht nennen muss. Zumindest hat Kay One mir das empfohlen. Der hat damit wohl Erfahrungen.
Die erste Veröffentlichung auf Catch The Beat ist der Soundtrack zu »Street Jazz«, einer Compilation mit Beatproduktionen. Warum hast du dich dafür entschieden?
»Street Jazz« ist der Titel eines Skatefilms der Marke TPDG Supplies Co. Ich habe diesen Film, der in New York gedreht wurde, im Rohschnitt gesehen und fand den großartig. Der Film zeigt neben den Skatern auch immer wieder die Schönheit von New York, und ich habe einen Soft Spot für diese Stadt. Die Musik war, wie üblich bei Skate Videos, eine Ansammlung von bereits veröffentlichten Tracks. Irgendwann kam mir die Idee, warum man nicht einfach exklusiv für diesen Skatefilm einen Soundtrack kreiert? Meines Wissens nach hat das bisher noch niemand gemacht. Ben Wessler von TPDG fand die Idee super und somit gibt es den ersten exklusiven Soundtrack zu einem Skatefilm ausschließlich auf Schallplatte.

Die meisten Acts auf »Street Jazz« (u.a. Figub Brazlevic,  Dexter, Suff Daddy) sind in HipHop-Kreisen bereits etabliert. Planst du für die Zukunft mit Catch The Beat auch neue Talente zu sichten und zu fördern?
Natürlich bin ich auch schon mit einer Reihe von anderen Künstlern im Gespräch. Zu Fördern und Aufzubauen ist immer Teil meines Verständnisses von meinem Label.

Gibt es schon weitere zukünftige Veröffentlichungen, von denen du erzählen kannst?
Zum Street Jazz Soundtrack wird es drei Release-Partys geben, in Stuttgart, Berlin und Hannover mit Morlockko Plus, Figub Brazlevic, Busy und Kova. Dann gibt es das Mixtape »Jeep Beats Vol.2«, auf dem auch Tracks aus dem Soundtrack zu hören sind. Auf dem Mixtape verbinde ich den klassischen 90s Boom Bap-Sound mit den modernen Entwicklungen im Future Beat-Bereich was zum Beispiel das Label Soulection gerade gut pusht. Kova ist dann der erste Künstler auf dem Label sein, der ein Soloalbum veröffentlichen wird. Ich halte ihn nach wie vor für einen der meist unterschätzten Produzenten im HipHop-Sektor. Wir mischen gerade sein erstes Album ab. Ich bin schon sehr gespannt, wie das Publikum reagieren wird. Er hat nämlich eine etwas ungewöhnliche Idee, die er auf dem Album umsetzt.