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Album Of The Year

Faith No More

Ihr habt es bestimmt auch schon gelesen: FAITH NO MORE hätten sich ihr eigenes Grab geschaufelt, die neue Platte sei ein Rückschritt, „Album Of The Year' sei ein hoffnungslos überzogener Titel, Ausverkauf, Pop, „Angel Dust', blablabla. Zu neunzig Prozent vorschnelles Geschreibsel, das sich auf ein w
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Autor: intro.de

Ihr habt es bestimmt auch schon gelesen: FAITH NO MORE hätten sich ihr eigenes Grab geschaufelt, die neue Platte sei ein Rückschritt, „Album Of The Year' sei ein hoffnungslos überzogener Titel, Ausverkauf, Pop, „Angel Dust', blablabla. Zu neunzig Prozent vorschnelles Geschreibsel, das sich auf ein wahnsinnig repräsentatives Vorabtape (6 Stücke) gründet, welches erstens keinen wirklichen Querschnitt bietet, zweitens mit „Michael Jacksong' ein überzuckertes Stück Pop enthält, das es gar nicht auf die Platte geschafft hat, und drittens meist nach einmaligem Nebenbeihören in die Ecke geschleudert wurde, um dann den Weg alles redaktionell Irdischen zu gehen: Es verschwindet und wird nicht mehr gesehen. So. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, der ganzen, soll heißen gesamten Platte (12 Stücke) in den letzten zwei Wochen mindestens zwanzig Durchläufe gegönnt zu haben, und könnte auch gar nicht mehr ohne. „Album Of The Year' ist natürlich nicht ernstgemeint und soll als Titel schon mal übel aufstoßen. Und wieder sitzen die Herren FAITH NO MORE in irgendwelchen Ecken und amüsieren sich köstlich darüber, daß wir uns alle aufregen. Wie kann man als gestandener, einigermaßen hipper Musiker nur Schnauzbart tragen? Wie kann man nur solche megabombastischen Triefstücke wie „Just A Man' und „Take This Bottle' auf eine eigentlich hyperaggressive Platte wie „King For A Day' packen? Wie kann man dieses neue Album nur so nennen? Eben. Man kann, weil man nicht darf. Und weil es sonst niemand wagen würde. FAITH NO MORE halten uns den Spiegel der Intoleranz vor und lachen sich ins Fäustchen. „Collision', „Naked In Front Of This Computer', „Ashes To Ashes' - alles brutale Brocken. „Got That Feeling' - NOMEANSNO-Punkrock (!). „Mouth To Mouth' - MR BUNGLE-Schrägheit. Andererseits wieder mehr Keyboard, noch mehr Zuckersüße („She Loves Me Not', „The Last Cup Of Sorrow' fast schon schmieriger als ELTON JOHN-Balladen), Gesangslinien geradewegs aus dem Himmel. Geht den Weg mit, gesteht Euch die Zeit zu, mit „Album Of The Year' warmzuwerden, und schon verliert der Titel an unmöglicher Überzogenheit. Studieren geht hier über Probieren.