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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Sesamsamen

F.S.Blumm

Zwei neue Platten von Künstlern, die eines ganz offensichtlich gemein haben: Sie gehen ihrer Kunst mit einer humorvoll-distanzierten Leichtigkeit nach und schaffen so einen musikalischen Spagat, der ohne Scheuklappen vom Pop bis ins Experimentelle reicht. Neoangin z. B. ist zwar nicht der Namensge
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Zwei neue Platten von Künstlern, die eines ganz offensichtlich gemein haben: Sie gehen ihrer Kunst mit einer humorvoll-distanzierten Leichtigkeit nach und schaffen so einen musikalischen Spagat, der ohne Scheuklappen vom Pop bis ins Experimentelle reicht. Neoangin z. B. ist zwar nicht der Namensgeber der übel schmeckenden Halstablette, hat sich aber mit seiner Musik und Malerei in einem anspruchsvollen Kunstkontext etabliert, der ihn in Indie-, Hochkultur- und Hipster-Kreisen en vogue machte. Er hat für ›Unhappy House‹ eine ungewöhnliche Veröffentlichungsvariante gewählt: Er verzichtet nämlich unverfrorenerweise sowohl auf Label als auch auf Vertrieb, obwohl er beides ohne große Mühe hätte finden können. Er zeigt damit einen Weg auf, der es Künstlern ermöglicht, mit ein bisschen Kreativität auch ohne großes Werbebudget Platten an den Fan zu bringen und dabei finanziell sogar besser abzuschneiden als manche, die die althergebrachten Vertriebswege nutzen. Man muss schon auf eines seiner Konzerte gehen, um die Platte sicher erwerben zu können. Und der Weg dahin wird sich lohnen, denn auf ›Unhappy House‹ sind 17 Popminiaturen mit viel Charme, knarzigen Sounds und netten Singalongs versammelt. Alle so schön, wie man es auch schon vom Vorgängeralbum ›A Friendly Dog In An Unfriendly World‹ kannte. Ein anderer Künstler mit unkonventionellen Ansätzen ist Frank Schültge a.k.a. F.S.Blumm. Für seine neue Platte ›Sesamsamen‹ kooperierte er erstmals systematisch mit verschiedenen befreundeten Künstlern. Zuvor hatte er seine Alben mehrheitlich im Duett produziert. Leute wie Greg Davis oder Guido Möbius sollten seine Basistracks ganz nach eigenem Gusto vervollständigen und nutzten diese sehr freien Vorgaben gnadenlos aus. Herausgekommen sind zehn Stücke, die dank der sehr auf den jeweiligen Kooperationspartner zugeschriebenen Spuren Blumms und der kongenialen Vollendungen der Partner gewitzt, naturalistisch und oft träumerisch wirken. Wie jede Blumm-Platte ist auch ›Sesamsamen‹ ein Stück Musik zum aufmerksamen Zuhören, das aber in nicht wenigen Situationen auch sehr wohltuend sein kann.