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Exklusiv: Das ganze Interview

!!!

Intro-Autor Klaus Walter traf John Pugh von !!! zum Gespräch in New York. Hier das ganze, ungekürzte Interview.
Geschrieben am

Intro-Autor Klaus Walter traf John Pugh von !!! zum Gespräch in New York. Hier das ganze, ungekürzte Interview.

Wie seid Ihr zur Tanzmusik gekommen?
John Pugh: Als wir uns entschieden haben, Tanzmusik zu machen, da benutzten wir keine Elektronik, keine Sequenzer. Also wenn auf der Bühne etwas passieren sollte, dann mußten wir das schon spielen. Wir wollten aber kein Funk-Ensemble sein wie Parliament, wo jeder sein Ding macht, der Gitarrist sein Solo, der Drummer sein Solo. Wir lieben Parliament, und sie sind die Besten in dem was sie tun. Aber wir machen Dance-Music, die nicht so straight ahead ist. Wir wollen das was wir in der Punkszene gelernt haben nutzen um Funk zu spielen. In der Punkszene gibt es eine große Freiheit. Für uns in den 90ern gan es viele Barrieren und Grenzen

Von wem?

Es war ein anderes Klima als in den 80ern und 70ern, sogar den 60ern, da gab es ja auch schon Punk, nur hat ihn niemand so genannt…die 90er waren eine Reaktion auf den 80er-Punk, der war ziemlich gewalttätig, macho und in geweisser weise sarkastisch. Als Reaktion darauf wurde es in den 90ern sehr aufrichtig und ernsthaft, man hatte nicht mehr so eine Angst mit seiner femininen Seite in Kontakt zu treten es gab die Riot Grrl Bewegung, die groß war, speziell wo ich aufgewachsen bin…

Wo?
In Little Rock, Arkansas…

...da gab´s ein Riot Grrl-Movement??
Jaja, naja, vielleicht kein Movement, die Leute sind nicht auf die Straße gegangen und haben Häuser niedergebrannt. Aber diese Smalltown-Szenen…in den 80ern war Punk vor allem ein Jungssport, du springst in den Pit und prügelst dich und hast eine gute Zeit. Nicht dass das in den 90ern so grundlegend anders gewesen wäre, aber die Riot Grrl-Bewegung hat das geöffnet und auch Aufmerksamkeit geschaffen für die Tatsache, dass es in der Geschichte von Punk immer tolle Frauen gab, die Grenzen überschritten haben, vor denen Jungs eher Angst hatten. Bands wie die Slits, über die zu ihrer Zeit die meisten nur gelacht haben, die können nicht spielen, die kriegen ihren Kram nicht auf die Reihe…und heute stehen sie da als eine der legendären und einflußreichen Bands.

Wann hast du angefangen, Bands wie die Slits wahrzunehmen, du dürftest ja zu jung sein, um sie damals wahrgenommen zu haben?
Ich habe die später entdeckt über Gruppen wie Bikini Kill oder Scissor Sisters, wenn man die heute hört, dann klingendie nicht besonders avantgardistisch aber gemessen an den 90ern, da mußte jede Band klingen wie Fugazi.
Ich bin aufgewachsen mit Oldies und Motown-Soul, als dann das bombastische Hardcore- und Emo-Zeug aufkam da konnte ich das nicht ernst nehmen, klang für mich wie Hair-Metal, Guys mit riesigen Amps die versuchen sich gegenseitig auszustechen.Wie verhält sich die Straight Edge-Ideologie der Enthaltsamkeit dazu - ist es quasi die andere Seite der Medaille?
Ähnlich wie das Riot Grrl-Movement ist Straight Edge kreuz und quer übers Land geschwappt und hat an allen möglichen Orten seine Spuren hinterlassen, sogar in Little Rock, Arkansas gab es Straight Edge-Bands. Auch ohne Straight Edge gab es diese asexuelle Atmosphäre im Punk der späten 80er und frühen 90er. Es ist komisch, dann gab es Bands wie Bikini Kill, die Sex auf eine sehr offensive Art repräsentierten, im Sinne von: dieser Sex gehört uns, wir sind nicht hier, um die ganzen Jungs zu unterhalten. Von jetzt an werden wir ehrlich sein. Von da an haben viele Bands einen anderen Umgang mit Sex gehabt, einen positiveren, ohne die Vorstellung, nur weil man ein Künstler ist, hätte man das Recht auf Übergriffe, wie GG Allin, der von der Bühne springt und Frauen begrapscht.
Viel Hardcore und Emo ist eine völlig asexuelle Musik, eine geradezu entmannte Musik, aber auf eine gewisse Weise mußte das so passieren.

Warum?

Am Ende der 80er standen da Football-Teams auf der Bühne, da war so viel Aggression, viele haben sich mit Punk identifiziert, wollten nicht Teil von America´s Bullshit sein, haben aber diese Football-Mentalität abgelehnt. Also mußten sie das loswerden, das ist das Gute an Punk, dass er sich alle zehn Jahre erneuert und neu bestimmt. Okay, Punk in den 80ern mußte aggressiv sein, weil Punk in den frühen 80ern komplett von New Wave assimiliert wurde, also hat sich Hardcore davon distanziert und zu dieser Härte hin entwickelt. Und in den 90ern war Punk dann sowas wie Hair-Metal, also fast wie Heavy Metal, sexistisch, böse. Wer spielt am schnellsten? Wer am lautesten? An diesem Punkt hat die DIY-Bewegung Fahrt aufgenommen, da hatten auf einmal viele den Mut, etwas Neues zu machen, eine Band, ein Fanzine, ein Label, eine Radiostation, was auch immer. 10.00 Und all diese Dinge passierten quer übers Land, nicht nur in L.A., New York und Chicago.
Orte wie Wichita, Ashville, Little Rock.

Glaubst du nicht, dass diese Hypermaskulinität im Punk eine sehr amerikanische Angelegenheit ist, verglichen mit Europa?
Es gibt auf der ganzen Welt Bands, die von Aggression und maskuliner Energie leben, aber es war in den USA besonders hervorstechend wegen des politischen Klimas der Reagan-Ära und dann dem ersten Bush. Ob sie Reagan haßten oder nicht gab es das Gefühl, man muss sich aufrüsten, einem Lager angehören. Dagegen gab es dann in den 90ern eine größere Vielfalt der Genres, da konntest du an einem Abend Neurosis, Bikini Kill und Beat Happening auf einer Bühne sehen. Das macht zwar nicht unbedingt Sinn, spricht aber für eine gewisse Freiheit und Offenheit. Die 80er waren da viel engstirniger und am Ende eben langweilig.

Du sprachst von "der Entscheidung Funk zu spielen". War es wirklich eine bewußte Entscheidung und wenn ja, war es eine Reaktion auf die öde Entwicklung, die du gerade beschrieben hast?
Ich kam zur Band als sie schon zwei Jahre exisitierte, obwohl ich im Grunde von Anfang an mitbekommen habe was sie machen, von den ersten Proben an, 1996. Es war nicht so, dass wir gesagt haben: Lasst uns eine Funkband starten, mehr: lasst uns Musik spielen, die mehr damit zu tun hat was wir auf Parties hören. Wenn du in Sacramento zu einer Hausparty gegangen bist, dann hörtest du alles: Chic, Bohannon, Tom Tom Club, Disco, Funk usw..das war auch eine Reaktion auf diese ganzen bombastischen, ernsthaften, authentischen oft auch selbsterniedrigenden Bands. Die meisten Bands bestanden aus Jungs, die sich auf der Bühne durch ihre emotionalen Dramen gequält haben. Und wir wollten etwas machen, das mehr Spaß macht, auch zum Zusehen. Es war eben der Punkt, dass jede verdammte Band gleich klang. Wir wollten Partymusik machen, die dennoch Emotionen verhandelt. Punk war interessant, wenn es um die eigenen Erfahrungen ging.
1996 dachte niemand an so eine Musik aber nach 4 Jahren Beschimpftwerden - hey, das ist doch kein Punk! - so nach und nach wurde das dann akzeptiert und wir spielten uns allmählich hoch. Anfangs spielten wir in privaten Räumen, der erste Club als Vorband, das war eine Sensation.

Würde der Begriff Extension passen: also Extension im Sinne von stilistisch, Extension der Bandstärke, Extension der Songlänge, Experience?
Es hatte viel damit zu tun, dass wir als Musiker mehr Selbstvertrauen bekamen, wir wurden abenteuerlicher, weirder…wir sind alle zwischen Ende 20 und Mitte 30 inzwischen.Du sprachst von der femininen Seite, von afroamerikanischer Musik, wie funktioniert das mit 8 weißen Männern in einer Band?
Es gibt immer noch eine schwere männliche und eine schwere caucasian energy…

…was ist das?
(lacht) habe ich gerade erfunden…wir sind 8 weiße Dudes, da geht kein Weg dran vorbei, das wissen wir, wir wollen Dancemusic machen…Dancemusik ist nicht eine exklusiv schwarze Kunstform, aber natürlich ist uns die schwarze Musik, die wir gehört haben, als wir aufgewachsen sind, in Fleisch und Blut übergegangen, das ist unsere musikalische DNA. Das kriegst du nicht aus uns heraus. Wir sind vom ersten Tag an aufgewachsen mit Michael Jackson, Run DMC, James Brown und all die schwarzen Künstler.

Hat sich euer Publikum durch diesen Stilwechsel verändert?
Seitdem wir speziell Dance-Singles machen haben wir andere Leute gezogen. Allgemein: je größer die Crowd, desto gemischter ist sie. Wir haben die Punkszene nicht hinter uns gelassen, es gibt immer noch ehemalige Punks die heute um die 30 sind und immer noch zu uns kommen. Und dann gibt es viele Jüngere bei unseren Shows, das sind für mich die neuen Punks, auch wenn sei keine Punkmusik hören, die hören eher den weird shit, das nicht Klassifizierbare. Aber das heißt für mich Punk: eine bestimmte Art von Freiheit, nicht den rest deines Lebens die selbe Musik hören müssen.

Ihr legt viel Wert auf den organischen Prozeß des Musizierens, What´s so funny about JAM?
Unglücklicherweise denkt man beim Wort Jam in den USA an Jam-Bands in der Nachfolge von Grateful Dead. Aber auch eine Funkband wie Parliament hatte das, endlose Gitarrensoli usw…das ist nicht unsere Art von Jam. Wir machen Jams in der Abgeschiedenheit unseres Zu Hauses. Das heißt nicht mehr als Improvisation. Einer hat eine Idee, einen Beat, eine Basslinie…und andere steigen drauf ein. Wenn wir Glück haben, läuft ein Tape und einer hört es dann an und entdeckt vielleicht eine Passage, die vielleicht zu einem song werden könnte und dann arbeiten wir beim nächsten Mal genau an dieser Passage, nehmens wieder auf usw…So haben wir immer gearbeitet, in letter Zeit hat sich das aber verändert, weil wir weit auseinander versreut leben, und komplizierte Terminkalender haben.

Wie kriegt ihr das zusammen?
Zwei leben an der Westküste, Sacramento und Portland/Oregon, der Rest lebt in Brooklyn, also funktionieren wir nicht wie eine Hometown-Band, die sich jede Woche zum Proben trifft und einmal im Monat auftritt. Wir haben uns damit entwicelt und das hat uns als Band verändert. Auch das Songschreiben hat sich verändert, das meiste beginnt über einen Jam. Oder man mailt sich Computerfiles, hier habe ich einen Drumbeat, schau mal, was du daraus machen kannst…oder man tauscht CDs aus.

Die Texte?
Viele Texte schreibe ich im Flugzeug, es gibt da keine feste Arbeitsweise. Ich entdecke oft erst, was ich sagen wollte, wenn es fertig ist und ich mag es ambig zu halten, also keine zu direkte und eindeutige Aussagen zu machen. Wenn ich manche meiner Texte lese, dann denke ich, ja, das könnte über Bush und Cheney sein, aber es könnte auch über die Beziehung zu meiner Freundin sein oder die Beziehungen innerhalb der Band. Selbst für mich hat es ambige Implikationen.

Wer schreibt die Texte?
Nur Nick und ich.Bei acht Leuten in der Band, gibt es eine Hierarchie? Sicher keinen Bandleader?
Nein, das nicht. Das verändert sich immer mal, hängt davon ab, was wir gerade vorhaben, je nachdem steht jemand auf und sagt, wir sollten in diese oder jene Richtung gehen..was das Songschreiben betrifft, da ist es schon gut, wenn eine Person das an sich zieht und die Band in eine Richtung lenkt und wenn es da nicht weitergeht kommt ein anderer und korrigiert das wieder. Es wechselt konstant, es gibt zwar eine Hierarchie, aber die ist nicht festgelegt. Und die Aufgebenverteilung ist auch nicht fest, bis vor kurzem hatten wir noch nicht einmal einen festen Manager. Jeder spielt eine bestimmte Rolle. Jetzt haben wir endlcih einen Manager, der die basics organisiert.

Seid ihr eine politische Band?
Explizit gesehen nein, imlizit ja, klar, weil wir in Amerika leben, da kann man nicht anders. Die amerikanische Politik hat drastische Auswirkungen auf unser Leben und auf die ganze Welt. Sicher sind wir alles Linke, die einen mehr, die anderen weniger, aber wir stimmen alle darin überein, dass Bush entmachtet werden muss. Der Abtritt von Rumsfeld war schon ein Schritt in die richtige Richtung und dass die Demokraten den Senat gewonnen haben, man spürt den wind of change, dass sogar Republikaner Angst davor haben, dass Bush und Cheney das Land vor die Wand fahren.

Man könnte das vergleichen mit dem langen Regime der Konservativen in UK, dann die Veränderungen durch die Wahl von Blair, mit Hilfe von Blur, Oasis and other Britpop-Acts, es gab dann Cool Britannia. Könnt ihr euch vorstellen, einen demokratischen Kandidaten zu unterstützen, um Bush loszuwerden bzw die Republikaner? Diskutiert ihr das in der Band?

Ich diskutiere das nicht mit der Band, aber ich hoffe, dass Barrack Obama unser erster schwarzer Präsident wird, obwohl alle sagen nein, das kannst du nicht machen, er ist schwarz…klar kann ich das machen. Wenn Bush zweimal gewählt wurde und das noch mit Betrug und wenn er mit Kriegsverbrechen davonkommt, dann können wir doch einen weißen Präsidenten haben, dann ist doch alles möglich.

Das war ein Freudscher Versprecher!
Wieso?

Du hast gesagt, dann können wir auch einen weißen Präsidenten haben!
Wirklich?

Ja, das ist ein Freudscher Versprecher.
Wirklich? Du hast es auf Tape.

Das wollte ich dich eh fragen: Was ist der größere Fortschritt für die USA: ein schwarzer Präsident oder eine Frau als Präsidentin?
Schwierige Frage. Beide - Frauen und Afroamerikaner - hatten weltgeschichtlich betrachtet in den USA eine verdammt harte Zeit. Was das Land seinen eigenen Bürgern angetan hat ist beklagenswert und es geht immer noch weiter. Amerikaner sind ängstliche kleine Kreaturen, sie reden über ihre Vorfahren, wie wir die Monarchie hinter uns gelassen haben für eine Neue Welt, wie wir Freieheitskämpfer sind, diese Rhetorik benutzt Bush bis heute, er redet nur davon, dass wir die Freiheit der Welt verteidigen. Und zur selben Zeit sitzen seine eigenen Landsleute widerrechtlich im Gefängnis und werden gefoltert. Der Minimallohn für Frauen ist immer noch mehr als einen Dollar niedriger als der Minimallohn für Männer. Amerika muss aufhören, immer die Nummer eins in der Welt sein zu wollen, wir müssen bescheiden sein

(ich lache, er lacht)

ja, ich weiß, das ist unmöglich, aber die Bush-Erfahrung hat viele Leute schon kleinlauter werden lassen, selbst bei den Republikanern kommen sie allmählich drauf, dass das nicht funktioniert, dass sie so das Land ruinieren. Je mehr sich die Aufmerksamkeit auf den Irak konzentriert, desto weniger fällt auf, wie die Bushregierung das ganze Land ruiniert.
Wie amerikanische Ideale verraten werden und inzwischen stirbt der Planet oder er dreht durch. Der Planet Erde schlägt zurück, der Planet ist eine viel tödlichere Waffe als jeder Terrorist. Was wir in Sachen Global Warming angerichtet haben, das ist ein Desaster. Ich sage nicht, das ist die Apokalypse, aber es wird einfach ein Hurrikan Katrina nach dem nächsten kommen. Das wird so lange eskalieren, bis die Menschen endlich genug davon haben.
Noch mal die Frage: wenn Du die Wahl hättest: Obama oder Hillary, wen würdest du unterstützen?

Ich denke Obama. Er ist wählbar. Ich meine, ich liebe und respektiere Hillary, also ich bin direkt gegenüber dem Clinton Haus aufgewachsen in Little Rock. Sie war eine der Nachbarschafts-Moms, aber sie hat dem Irak-Krieg zugestimmt und das mit den angeblichen Massenvernichtungswaffen begründet. Obama war von Anfang an gegen den Krieg und hat immer gesagt, der Irak hat nichts zu tun mit Al-Queida.

Me And Giuliani Down By The School Yard, ihr habt den Song etwa ein Jahr nach 9/11 herausgebracht...
Wir haben ihn kurz danach rausgebracht aber schon vorher geschrieben. Der Text kam nachdem wir nach NY gezogen waren. Es war einer der Songs, die wir im Studio geschrieben haben, also ein Heimstudio im Schlafzimmer von einem Bandmitglied. Wir nahmen einen Loop von einenm Song auf der ersten Platte, dann Bass…Gitarre…únd dann nahm jemand die Gitarre von "Genius Of Love".

Wie bitte?
Ja, klar am Anfang, dieses Gitarrenmotiv, das ist "Genius Of Love" im Tom Tom Club-Original.
Naja, jedenfalls ist der Song Stück für Stück entstanden, nicht als gemeinsamer Jam der ganzen Band. Es war ein zentraler Song, auch weil wir uns quasi selbst gesamplet haben.
Die Musik haben wir in Sacramento gemacht und in NY hat sich das dann in dieses 9-minuten-Stück verwandelt. Das war unser erster bewußter Versuch, einen Dance-Track zu produzieren, zum ersten Mal haben wir gesagt: dAs wird eine Maxi-Single, der in Dance-
45 Clubs gespielt werden kann und eben kein Punksong für ein Album. Das Klima als wir nach NY kamen war schon ein bißchen spießig was das Nachtleben angeht, verglichen mit den 90ern. Weil Giuliani schon erfolgreich clubs geschlossen hatte und versucht hatte, alles zu säubern und touristenfreundlicher zu machen. Wobei es natürlich auch schön ist nach NY zu kommen und nicht gleich überfallen zu werden. Das hatten mir alle prophezeit, so bald du nach NY kommst wirst du überfallen, man wird dir eine Pistole an den Kopf halten, nimm´ es nicht persönlich, das passiert jedem. Klopf auf Holz, ist mir bis jetzt nicht passiert. Aber Giuliani hat NY nihct nur gesäubert und sicherer gemacht, es gab auch konzertierte Bemühungen, das Nachtleben und die clubkultur in den Griff zu kriegen und quasi stillzulegen. Und ironischerweise haben sie eine altes Gesetz aus den 20er Jahren ausgegraben, dases weißen Leuten verbietet in schwarze jazzclubs zu gehen, weil sie keine Lizenz zum Tanzen hatten, irgendwas in der Art, es heißt Cabaret Licence in Law, also mußte man eine bestimmte Gebühr zahlen, damit in dem Club getanzt werden darf.

Klingt wie der Criminal Justice Act während der Rave Jahre in England.
Ja genau, da durchforstet einer alte Gesetzbücher und findet was, das man heute gegen die Clubs einsetzen kann. Es gab dann Polizeieinheiten, die nur damit beschäftigt waren, Clubs zu finden, die nicht diese Lizenz hatten, von denen sie wußten, dass dort DJs spielten. Und dann klopfen sie den Leuten auf die Schulter und sagen: du kannst hier nicht tanzen. Und dann gingen sie zum Besitzer und brummten ihm eine Strafe auf für Tanzen ohne Lizenz, und wenn er die nicht zahlen konnte, dann wurde der Club dichtgemacht. Auf diese Art haben sie eine Menge Clubs die vollkommen sicher und harmlos waren, ausradiert. Es war das Messer in den Rücken des Nyer Nachtlebens und davon hat es sich bis heute nicht erholt. Das Ganze 9/11-ding hatte natürlich auch seine Wirkung. Allerdings gab es auch einen starken Solidarisierungseffekt in New York. Nach dem 11.9. war NY stärker und solidarischer als je zuvor.

Aber war das nicht eine Solidarisierung gegen einen angeblichen äußeren Feind, gegen alle, die irgendwie arabisch oder orientalisch aussahen?
Ja, Sikhs und so, aber ich denke New Yorker sind ein bißchen smarter als die Leute denken, sie sind nicht wie normale Amerikaner. Und das betrifft nicht nur die Intellektuellen. Vor allem sind wir nihct so ängstlich wie der Rest Amerikas. Natürlich hatten viele Angst nach 9/11 und wollten nicht mehr in NY leben, nihct in einer gigantischen Zielscheibe für Terroristen bleiben. Und dann gab es viele Trotzreaktionen: Nein, das ist meine Stadt, hier lebe ich, ich werde mich nicht von diesen Typen ängstigen und vertreiben lassen. Ich glaube es gab weniger Leute die gesagt haben, diese Scheißtypen aus dem Mittleren Osten und mehr die gesagt haben: wir sind alle New Yorker, jeder von uns hätte in diesen Türmen sein können. Das hat sich gegen uns allegerichtet. Und tatsächlich hat man im ersten Jahr danach gespürt auf der Straße oder in der U-Bahn, dass die Aggression ein bischen runtergefahren wurde, was wiederum die Sache manchmal ein bißchen langweilig macht, denn NY lebt von der Aggression und dem Speed. Die Idee, dass New Yorker rüde und unfreundlich sind, das ist ein Mythos. Wirkliche New Yorker wollen mit dir reden, dir den Weg zeigen und dich in ein Restaurant einladen. Die ganzen Rüden Typen kommen aus anderen Gegenden, Samlltowns, die es in NY zu was bringen wollen.

9/11 hat einen Sinn für Solidarität gestiftet, einen Sinn für Community. Die Dance-Club-Szene wurde runtergefahren, hatte nicht mehr die dringlichkeit und Aggrssivität, die Szenen, die Giuliani überstanden haben, in denen gab es ein überwältigendes Gefühl der Liebe, das hatte mir in NY lange gefehlt, es gab es wohl in der Hochzeit von Disco. Es hatte wohl damit zu tun, dass sich die Leute vom harten Techno der 90er abwandten und hin zu einer weicheren, süßeren, lebensbejanderen Musik. Wir haben in einer Art Kriegszone gelebt und da will man nicht in einen Club gehen und weiter Krieg spielen und von einer 808 eine übergezogen bekommen, dann willst du was Süßes hören, Streicher, beseeltes Zeug, das dich glücklich macht.Hattest du mal das Gefühl, Teil einer Bewegung zu sein in den Jahren 2001/02. Von Europa aus betrachtet sah das so aus, als würdet ihr alle an ähnlichen Projekten arbeiten. Mich hat das sehr erinnert an eine besonders kreative Epoche gerade New Yorker Musik, also No New York, die Zeit ca. 78-83, früher HipHop, die ersten Electroplatten, eine Zeit in der plötzlich die Grenzen zwischen den Genres und den Szenen zu fallen schienen. Melting Pot?
Täuscht das, ist das ein Blick von außen?

Ich glaube, viele hatten das Gefühl Teil von New York als einer Bewegung zu werden. Für mich war es angenehm zu entdecken, dass andere Leute die selbe Musik mochten und den selben state of mind hatten und den selben Wunsch, dem Leben etwas mehr abzugewinnen als nur: Wir wollen Rockstars sein und Tonnen von Geld verdienen. Viele Leute kamen aus kleineren Szenen, aus den Neunzigern, wo man all diese kleinen Vorposten hatte überall im Land. Und dann trifft man Leute in NY, die heute Dance-Music machen, adie aber aus der Punkszen der 90er stammen, oder besser aus der DIY-Szene. Also Leute mit einer gewissen Offenheit, die eine Community wollten.

Wie ist Euer Verhältnis zu sagen wir The Rapture oder LCD Soundsystem?

Wir sind alle ziemlich gute Freunde. Viele von uns gingen zu den selben Parties und den selben DJs. Ich habe die alle in Clubs kennegelernt, also nicht bei Band-Shows. Als Individuen, nicht als Band. Und erst danach habe ich festgestellt, hey, der spielt ja in einer Band. Wir haben alle persönlich miteinander zu tun, die Musik ist erst danach gekommen. Es gibt also eine persönliche Solidarität untereinander aber was die Musik angeht, respektieren wir die unterschiedlichen Ansätze und Richtungen, was ja auch gut ist, wenn wir alle dasselbe machen würde, dann wäre das langweilig und es gäbe mehr Konkurrenzgefühle. So ist es eben so: wir machen die Musik, die wir leben.Und wir müssen nicht überlegen, welcher Schritt jetzt gerade opportun ist.

Die Grnzen zwischen Club und Bandleben sind immer noch ziemnlich fest. Was ist dein Traum von einem Gig?
Darüber sprachen wir gestern, weil wir jetzt auf Welttour gehen und wir haben uns gefragt: wollen wir einen Support-Act und wenn ja, soll es eine Band sein oder soll es ein DJ sein? Im Kontext einer Rockshow ist es schwer beides zu vereinbaren. Wenn du eine Band siehst und dann fängt der DJ an, dann stehen die Leute noch mindestens eine Stunde herum, bis sie den Show-Aspekt aus ihrem System herauskriegen.
Als soziales Phänomen ist dieser Übergang schwer zu bewältigen, ich meine ich habe es schon erlebt, dass ein paar Punkbands spielen und dann kommt ein Disco-DJ und rockt das haus und alle haben eine gute Zeit. Es ist tricky, ich glaube, die meisten wollen das Eine oder das Andere. Wir haben es auch schon erlebt, wie schwer es ist als Band in einer DJ-nacht zu spielen, wenn der DJ das Haus rockt und niemand will eine Band sehen. Was, ihr stoppt die Dance-Party? Wir wollen weitertanzen! Dabei versuchen wir, den Beat vom DJ aufzunehmen, einzusteigen, das wäre ideal, aber das funktioniert nicht oft. Unser Traumgig wäre DJ-Band-DJ-Band-DJ, so dass man von allem was bekommt, keiner sollte zu lange spielen, außer dem DJ am Ende der Nacht. Und idealerweise weiß das Publikum nicht, wer gerade spielt.
62 Ich mag diese alten Beat-Club´s, wo alle auf der Bühne tanzen..

Du meinst den deutschen Beat-Club?
Jaja, German Beat-Club.

Woher kennst du den?
Der ist berühmt, Mann! Hast du die Monks im Beat-Club gesehen? Grandios! Ich will die Monks sein! Spielen und ..

Kennst du die Tribute-Platte, die kürzlich rauskam?
Nein.

Sehr interessant, es gibt einen Dokumentarfilm über die Monks und um Geld aufzutreiben für diesen Film gab es dieses Tributealbum.
I love The Monks, der Effekt, den sie auf die Leute hatten! In den Sechzigern, das war Punkmusik! Ohne Frage! Gegen den Punk der Monks sollten sich heutige Punkbands nur schämen. Selbst im heutigen Kontext ist das komplett seienr Zeit voraus. Geht mehr Risiken ein und hat eine freiere Idee vom Leben als irgendwer bevor. All Respect to them! Auch der Effekt den sie auf die Leute hatten…wie erstaunt die Leute waren, wenn sie die Monks gesehen haben…das ist meine Idee von einem Gig, dass die Leute tanzen, so lange der Drummer den Beat hält…

Wo liegt der Fortschritt, das Andere zum Album davor?
Ein großer Unterschied: wir haben viel mehr fokussiert! Es gab eine große Bemühung um einen Focus! Wir haben mehr Mühe aufgewnadt ins Schreiben und ins Aufnehmen und in die overall vision of the songs. Und eine Ruthlessnesss, vorher waren wir zu tolerant unserem eigenen Material gegenüber, nach dem Motto, oh, wir haben es geschrieben, also muß es brilliant sein. Und dann ein Jahr später stellst du fest, so doll wars ja nun auch nicht. Self-Edit…wir haben mehrere Songs an denen wir ein Jahr gesessen und dann gesagt, vergiß es. Wir wollten ein Album, wo wir zu jedem Song Ja sagen können. Weniger Kompromisse als früher. Wir wollten einen Schritt nach vorne machen. Mit Louden up now haben wir viele Bits & Pieces und Files zusammengebastelt und das neue Album repräsentiert uns mehr als Band, die in einem Raum sitzt und spielt. Und man hört den Unterschied ob du ein und den selben Song in einem und dem selben Arrangement gemeinsam in einem Raum spielst, oder du nimmst das Schlagzeug separat auf, dann den Bass, dann die Gitarre, dann die Vocals…wir wollten die Energie der Band haben und eine Energie strictly for clubs…

I like Myth takes, ironischerweise ist da kein Ton von mir drauf.

Höre ich da die B 52´s?
Hm, die erste Platte, ja.

Ja, die einzige.
Ich habe die B 52´s exzessiv gehört als Teenager, ich mag die erste am meisten, kann sein, dass es da kleine Referenzen gibt, interessant dass du das sagst, ich mochte es weil es direkt von einer Improvisation im Haus in Nashville kommt, ein paar Overdubs hier und da aber nicht mehr. Klingt wie eine Band im Keller, eine Dunkelheit eine Geschlossenheit, die Rhythmen funktionieren zusammen.