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Exit Strategy Of The Soul

Ron Sexsmith

Ron Sexsmith klingt auch 2008 "zeitlos". Diese Beschreibung wurde für ihn quasi erfunden, deshalb darf und muss man sie immer wieder verwenden.
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"Ich weiß nicht, wie lange ich das noch mache", seufzt Ron Sexsmith. Die Telefonleitung knackt betreten. Nein, nicht die Musik sei das Problem. Das unterstreicht er mit seiner elften Veröffentlichung 'Exit Strategy For The Soul'. Das ewige Reisen störe: "Ich bin ein nervöser Flieger."

 

Ron Sexsmith klingt auch 2008 "zeitlos". Diese Beschreibung wurde für ihn quasi erfunden, deshalb darf und muss man sie immer wieder verwenden. Sein Songwriter-Pop ist von einer so wunderbaren Güte, Größe und Erhabenheit, sein Melodien-Fundus scheinbar unerschöpflich - man kann nur begeistert in die Hände klatschen.

Für die Arbeiten an "Exit Strategy ..." hat sich der Kanadier wieder mit dem Schweden Martin Terefe zusammengetan, der auch sein bislang erfolgreichstes Album "Retriever" (2004) beaufsichtigt hat. Der Plan: der gleiche Plan wie immer: "Kein Album zweimal machen." So waren die Arbeiten an "Exit Strategy ..." spontaner als zuletzt, die Arrangements vor der Studioarbeit noch nicht geschrieben. Das Resultat klingt entsprechend sehr unmittelbar, eher ungeschliffen und rau. Das mag auch an Sexsmiths Klavierspiel liegen, das im Laufe der Zeit einen immer größeren Raum eingenommen hat. "Fragwürdig" nennt er es schamhaft. "Charakteristisch" könnte man auch sagen.

 

Ergänzen ließ sich Sexsmith lediglich von einigen vertrauten Musikern, kurz vor Schluss noch von einer kubanischen Bläsersektion, die gelegentlich sympathisch übers Ziel hinausschießt. Leslie Feist hatte leider keine Zeit, seine Version des gemeinsam verfassten "Brandy Alexander" zu veredeln. Schwamm drüber ..., trotzdem schön. Textlich fühlt sich Sexsmith deutlich spiritueller: "From the darkness to a seed of light. From a garden to a sheet of ice. I feel you move in every sunrise. In the trembling of the leaves. This is how I know you're near me." "Shadow Gospel" nennt er das und gibt einen kurzen Einblick in die Entstehung der erbaulichen Zeilen: "Sie sind einfach durch mich hindurch geflossen."

 

Leben kann Sexsmith von der Musik seit knapp 15 Jahren. Nicht dass im Schnitt 100.000 verkaufte Einheiten pro Album große Sprünge erlaubten. Aber man braucht ja nicht viel. Bescheiden ist er, oder? Unterschätzt und nicht ausreichend gewürdigt, sagt man immer. Und das, obwohl Größen wie Paul McCartney und Elvis Costello ihn im Laufe der Jahre doch so wohlwollend in die Arme genommen haben. "Ich bin schon sehr selbstbewusst", stellt der 44-Jährige fest. "Zumindest, was mein Songwriting betrifft ..."