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So war's: »They’ve got to be kidding us«

Everything Everything live in Köln

Es fällt schwer zu glauben, dass die britische Band ihren nervös-zappeligen Art-Rock derart detailgetreu performt, wie auf Platte. Dass sie es trotzdem schafft, freut vor allem das Publikum im heißen Gebäude 9.

Geschrieben am

17.04.2018, Köln, Gebäude 9

»You’ve got to be kidding me…«, schreit Sänger Jonathan Higgs in der ersten Zugabe mit »Breadwinner« mantraartig. Diese Zeile der erst kürzlich veröffentlichten Single zur »A Deeper Sea«-EP wird zum Ende des Refrains abgerundet von einem »Now I see that you’re not«. Womit schon so gut wie alles gesagt wäre. Denn genau dieser verzweifelt-ungläubige Ausruf ist es, der einem über die eineinhalb Stunden immer wieder zu entfahren scheint: Die wollen einen anscheinend veralbern.

Und das gleich auf mehreren Ebenen. Als Erstes wäre hier die von der Band angenommene Aufmerksamkeitsspanne des Publikums zu nennen. Denn nach ihren Songs zu urteilen, vermutet die britische Band scheinbar, dass selbige beim Publikum nicht allzu hoch ist. Sicher ist, dass nahezu jeder Everything Everything-Song wenig von Langatmigkeit hält und sich dementsprechend mehrfach selbst überschlägt; sei es durch Instrumentierung, Struktur, Tempowechsel, Gesang, Gitarrensoli oder alles gleichzeitig (siehe beispielsweise: »Distant Past«). Womit man schon beim zweiten Punkt angelangt wäre. Das auch noch detailgetreu auf die Bühne zu bringen. Denn woran schon einige andere Bands verzweifelt sind – die ausgefeilte Studioproduktionen detailgetreu auf die Konzertbühnen zu bringen – scheint der Übertrag für die Band ein Leichtes zu sein (groß: »Ivory Tower«).

Hier sitzt jeder Ton, jeder Beat und jede Silbe, die Higgs nicht selten in HipHop-Manier aus sich raus schleudert. Und das ist – womit die dritte Ebene erreicht wäre, die schwer fällt zu glauben – in jeglicher Art und Weise mitreißend. Wo Synthie-Frickler, Experimental-Künstler und Noise-Apologeten die Abkehr von tradierten Songstrukturen in schwer zu verdauende Musikstücke bauen, laden Everything Everything stattdessen zur hymnenartigen Tanzveranstaltung (»Desire« und »Spring / Sun / Winter / Dread«). Dieser Dreiklang aus Zappeligkeit der Songs, detailgetreuer Aufführung derselben und Eingängigkeit ist es, was dieses Everything Everything Konzert zu einem großartigen macht. Es wird klar, dass sie einen nicht veralbern. Sie meinen zum Glück alles ernst.

Everything Everything

A Fever Dream

Release: 18.08.2017

℗ 2017 Sony Music Entertainment UK Limited