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Death In Athens

Eskobar

"Nach der Trauer kommt nur noch Pathos?" oder doch "klebrig und abgeschmackt". Klaas Tigchelaar und Christian Wessels werden sich nicht einig.
Geschrieben am
"Nach der Trauer kommt nur noch Pathos?" oder doch "klebrig und abgeschmackt". Klaas Tigchelaar und Christian Wessels werden sich nicht einig.

Pro

Nach der Trauer kommt nur noch Pathos? Schlugen die Schweden mit dem letzten, selbst betitelten Album eher sanftmütig in die Singer/Songwriter-Kerbe, sind sie nun zu den Soundwänden voller Falsett-Gesang, Synthie-Pomp, Dreampop-Anleihen und Chören zurückgekehrt. Schon Song Nummer zwei, "Hallelujah New World", kommt mit einem dermaßen bombastischen 80s-Kitschballaden-Refrain herein, dass es einem kalt den Rücken runterläuft.

Ironie oder gefühlte Realität, irgendwie balancieren Eskobar dann doch immer genau die Menge an Schmelz aus, die einen das "Ojemine" erst mal wieder herunterschlucken lässt. Hymnenhafte Größe beweisen sie auch mit "Obvious", und "Thinking About You" schwebt mit seiner elfenhaften Ungreifbarkeit und den perlenden Glissandi irgendwo in den Sphären zwischen Daftpunk und Trentemøller. Seltsam, dass mir das gefällt. Aber diese über alle Songs des Albums gleichmäßig ausgestreckte düstere Verletzbarkeit entfaltet eine Anziehungskraft, gegen die man sich trotz verschämter Gänsehaut kaum wehren kann. Top-Hymnen-Pop oder überladener Kitsch-Flop - schwer zu sagen, nachdem man sich das erste Mal selbst beim Mitträllern erwischt hat.

Contra

Vielleicht waren Eskobar schon immer Hippies? Wenn dem so wäre, hätten die drei Schweden das sehr erfolgreich verborgen. Hinter einer Fassade aus hochpräzisen Frisuren, ausladenden Gesten und zuletzt immer weniger relevantem Gitarrenpop. Aber die neue Single wirft ein neues Licht: "Hallelujah new world! Come dancing through these streets with a message of love." Gut, das ist möglicherweise ein bisschen hoch gehängt. Aber sie haben doch vor Jahren dieses Duett mit Heather Nova aufgenommen. Die ist schließlich barfuß auf den Bermudas aufgewachsen ...

Im Ernst: Hatten sie den selbst betitelten Vorgänger noch in Mutters Keller aufgenommen, stand auf dem Weg zum aktuellen Tiefpunkt ein langes Jahr Studioarbeit auf dem Programm. Verbarrikadiert hatten sie sich, erzählen sie. Um sich neu zu erfinden. Nun, opulent arrangierte Popmusik spielt, was den Innovationsgeist angeht, nicht gerade in einer Liga mit ... zum Beispiel dem Rad. Trotzdem könnte sie Freude machen. Macht sie mir in diesem Fall aber leider nicht. Sie ist klebrig, oft richtig abgeschmackt. Schreckliche Songs, dünne Texte, kein schöner Sound. Das muss reichen ...