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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Eskobar

Eskobar

Eskobar? Das sind doch die mit den coolen Frisuren und den Stiefeln. Die den Black-Rebel-Motorcycle-Schick mit schmusigem Pop verquicken und damit Herzen zerbrechen wie andere Leute aus Versehen Zahnstocher. Zwei Jahre war nichts mehr zu hören von den drei Schweden. Nachdem das Debüt 2001 hohe Welle
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Eskobar? Das sind doch die mit den coolen Frisuren und den Stiefeln. Die den Black-Rebel-Motorcycle-Schick mit schmusigem Pop verquicken und damit Herzen zerbrechen wie andere Leute aus Versehen Zahnstocher. Zwei Jahre war nichts mehr zu hören von den drei Schweden. Nachdem das Debüt 2001 hohe Wellen geschlagen hatte, dümpelten die folgenden Alben mit vergleichsweise mäßigem Erfolg vor sich hin. Kein Grund jedoch, den anfangs eingeschlagenen Weg zu verlassen. Reifer ist man geworden mit den Jahren, ganz klar. Die Haare werden länger und die Songs gestutzt. Hatte man es beim Vorgänger „A Thousand Last Chances“ zeitweise mit überladenen Arrangements zu tun, steht bei dem selbst betitelten neuen Opus die Reduktion als Kunstgriff im Vordergrund. Der erste Song „The Art Of Letting Go“ beginnt schlicht und ergreifend a-cappella, bevor sich leise und unauffällig die ersten Gitarren-Pickings dazuschleichen. Ganz so minimalistisch bleibt es dann doch nicht. Bei der Auskopplung „Persona Gone Missing“ wird schon dicker aufgetragen. Streicher kommen zum Einsatz, und geläuterte lebensphilosophische Themen werden ausgepackt. Neben den persönlichen Lebens- und Liebesdramen geht es um Gott und Teufel und darum, wo sich Sänger Daniel Bellqvist mittlerweile zwischen beiden verortet. „This is the story of a man, who thought he was the only one with brains“, singt Bellqvist und davon, wie der Besungene dann anschließend unter die Räder kommt. Man muss nicht lange forschen, um hier biografische Züge zu entdecken. Das böse Musik-Biz hält eben doch für jeden Ernüchterung zum Nachtisch bereit. „I’ve had too many glasses of champagne – in London, Paris and Berlin“, heißt es im finalen Song. Sprich: Das war alles mal. Das wilde Rock’n’Roller-Leben, bei dem man die Stiefel jeden Abend in einem anderen Hotel von der Bettkante schmeißt, ist nicht mehr. Eskobar sind wieder in Schweden angekommen, zu Hause. Und lauschen dato gerne auch mal dem Knistern des Kaminfeuers statt dem Flackern zwischen jugendlichen, alkoholisierten Herzen. Es sei ihnen gegönnt.