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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

von einem der auszog

Eric IQ Gray

Der aus New Jersey stammende Amerikaner hat sich vorgenommen, die gängigste Folklore seines Heimatlandes in diesem unserem Entwicklungsland weiter zu vermitteln. Als Ausgangspunkt für seine musikalische Mission wählte der Erleuchtete des Grooves Hamburg, genauer gesagt St.Pauli, den Ort, wo kommerzi
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Autor: intro.de

Der aus New Jersey stammende Amerikaner hat sich vorgenommen, die gängigste Folklore seines Heimatlandes in diesem unserem Entwicklungsland weiter zu vermitteln. Als Ausgangspunkt für seine musikalische Mission wählte der Erleuchtete des Grooves Hamburg, genauer gesagt St.Pauli, den Ort, wo kommerzieller Sex, gelebte Anarchie, gediegen bourgoises Hafen-Ambiente und ein ziemlich abgedrehter Fußballclub aufeinander treffen. Eben angekommen, mußte er zu seinem eigenen Entsetzen feststellen, daß es in seinem Missions-Land Menschen gibt, die an einen alten, offensichtlich schwachsinnigen und längst toten Prediger glauben, der ihnen in einem schriftlichen Vermächtnis dargelegt hatte, daß sie a) die besseren Menschen seien, daß es b) nichts Schlechtes sei, Menschen mit anderer Hautfarbe samt ihrer Häuser anzuzünden, und daß c) Marschmusik die definitiv einzig richtige Musik sei, die es zu hören gelte. Angeekelt und voller Zorn beschloß ERIC, eine Gegenattacke in Form seiner LP "The Vinyl Call" zu reiten, und bald gab es Schreiber und Propheten, die seinen Namen lobten und preisten. In seinem Eifer ermutigt, fühlte ERIC, daß die Zeit reif war, den Menschen den wahren Groove zu zeigen: den P-Funk. Also veröffentlicht er in diesen Tagen sein zweites Album namens "Heartcore", befeuert dort den Hörer aus allerlei schweren Geschützen der Motown-Klasse und zeigt sogar seinen amerikanischen Kollegen, wo der HipHop-Hammer hängt. Dub? Feine Sache! G-Funk? Schon nicht schlecht! P-Funk? Eine Offenbarung von fast religiösem Charakter! Aber so ganz reiner P-Funk ist auch eine trockene Angelegenheit. Folglich verbesserte ERIC die Rezeptur GEORGE CLINTONs mit diversen Zutaten, bestehend aus Philly Sound (so weich, so süß), dem unnachahmlichen Sound der GAP BAND sowie einer klitzekleinen Prise Jazz.
Aber wie kommt er auf die Idee, ausgerechnet Deutschland missionieren zu wollen? "Das hat sich halt so ergeben, außerdem hatte ich schon mitbekommen, daß sich hier etwas tut. Da ich zu Hause gezwungen war, jedem Trend hinterher zu laufen, um wenigstens ein bißchen Geld verdienen zu können, erschien es mir sinnvoller, hier zu arbeiten. Ich bin aber manchmal selbst überrascht, wie gut das hier letztlich funktioniert hat. Aber in Hamburg gibt es ein besonders gutes Umfeld." Damit spielt er auf Bands wie FETTES BROT oder auch CORA E. an. Aber wie steht IQ zu Sätzen wie "HipHop ist eine ur-amerikanische Angelegenheit. Sie zu verpflanzen wäre, im Vergleich, genauso absurd wie den ungarischen Säbeltanz in Zaire einführen zu wollen"? - "Das ist vollkommener Quatsch! HipHop kennt keine Grenzen, es ist eine Lebenseinstellung. Wenn du den HipHop im Herzen hast, wirst du erkennen, daß wir alle nur ein Leben haben, daß es nur eine Wahrheit gibt, und die lautet, daß wir lernen müssen, mehr miteinander zu reden. HipHop ist die Basis dafür. Es ist eine universelle Form der Kommunikation, die alle verstehen können."