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So war’s in Köln: Rotkohl mit Klößen

Erdmöbel live

Die Erdmöbel verlegen die Christmette vor und spielen in der Kulturkirche ein Konzert mit großem Gefühlskino und weihnachtlichem Charme.
Geschrieben am
14.12.2012, Köln, Kulturkirche

Die Fans mittleren Alters, also jenseits der 25 und noch nicht ganz 40, sitzen mit dem Kölschglas in den Kirchenbänken. Unter dem erleuchteten Gewölbe spricht der Pfarrer zu den, ihm wahrscheinlich unbekannten, Neu-Gemeindemitgliedern und erklärt, es sei das letzte Konzert in der Kulturkirche in 2012. Zum Jahresausklang haben sich wohl viele der Zuschauer eine kleine Belohnung gönnen wollen und gerne die fast 30 Euro Eintritt gezahlt.

Als die Erdmöbel unter Applaus die Bühne betreten, macht Sänger Markus Berger klar, dass es jetzt schon an der Zeit ist mitzusingen. »Gesangbücher könnt ihr euch hier vorn holen«, scherzt er. Das »Lied über gar nichts« findet durchweg akustische Unterstützung und der Chor überdauert locker das Ende des Songs. Der Groschen ist gefallen und die gemütliche und ausgelassene Stimmung im Gotteshaus jetzt schon auf dem Höhepunkt. Klassiker wie »In den Schuhen von Audrey« und »Nah bei dir« werden in den Bänken nicht nur begrüßt, sondern herbeigefiebert. Auf der Bühne stehen die Sympathieträger des Abends im Zentrum des Geschehens. Markus Berger im cremefarbenen Anzug und Bassist und Produzent Ekki Mass in goldener Sportjacke. Der lächelt unter seinem Hut und den Zottelhaaren hervor und testet die melodischen Grenzen seines Basses mit teilweise wilden Läufen aus. Berger bildet als melancholischer Exzentriker den Gegenpart, der sein Unbehagen ob der geweihten Location hinter Sticheleien verbirgt.

Der Song »Erster Erster« ist Wegbereiter für den Weihnachts-Block des Abends. Die Band hatte versprochen, alle sechs Weihnachts-Lieder aus den letzten Jahren an diesem Abend aufzuführen. Und die fünf Musiker halten ihr Versprechen. Die Feiertagseuphorie, die die Lieder versprühen, wird durch einen kurzen Guerilla-Auftritt von Songwriter Friedemann Weise im Weihnachtsmann-Kostüm geschmälert. Dem »Fräulein Frost« und auch den anderen Advents-Songs hätte  eine weitere Probe außerdem gut ganz gestanden. Unsicherheiten werden aber mit mehreren Zugaben wie dem Wham-Cover »Weihnachten Ist mir doch egal« überspielt. Nur Rotkohl mit Klößen hätten die Atmosphäre in diesem Moment noch festlicher machen können.