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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Nightlife

Erase Errata

Lichtkreise huschen über leere Straßen und dunkle Häuserfassaden. Das Herz hämmert. Das Rauschen der Motoren wird lauter, der Suchscheinwerfer hat dich im Visier: „Surrender, you’ve got to give up your need.“ „Cruising“, der Opener von „Nightlife“, dem dritten Album von Erase Errata, komprimiert das
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Lichtkreise huschen über leere Straßen und dunkle Häuserfassaden. Das Herz hämmert. Das Rauschen der Motoren wird lauter, der Suchscheinwerfer hat dich im Visier: „Surrender, you’ve got to give up your need.“ „Cruising“, der Opener von „Nightlife“, dem dritten Album von Erase Errata, komprimiert das Gefühl beklemmenden Getrieben-Seins. Und auch bei den übrigen Songs sind es nicht die Glitzerpunkte einer rotierenden Discokugel, die durch die Nacht tanzen. Musikalisch bleibt die inzwischen als Trio arbeitende Band aus San Francisco mit ihrem neuen Album im Post Punk und No Wave verwurzelt, bewegt sich allerdings einen Schritt weiter über greifbare Dancebeats hinaus zu mehr Noise- und Art-Rock-Elementen. Ein lärmendes Puzzle verdichtet sich virtuos zu einem maschinenartigen Stampfen. Bass und Schlagzeug klingen überwiegend metallisch schneidend – manchmal archaisch monoton wie bei „Take You“, dann wieder Kuhglocken-funky wie bei „Dust“ –, während die Gitarre mit kurzen Akkorden Akzente kratzt. Gebrochen wird diese Grundstruktur durch abrupte Rhythmus- und Stilwechsel mit melodiösen Ausflügen auf lakonischen Trompeten- oder Gitarrenlinien. Sie variieren zwischen psychedelisch staubig und bizarr süßlich, wie in „Tax Dollar“ mit seiner an südostasiatische Liedklischees angelehnten Melodie, die den Trott in einem kurzen Moment des Durchatmens, fast Lächelns festhält. Der Sprechgesang von Gitarristin Jenny Hoyston, gedoppelt oder mit Hall produziert, wirkt wie ein Stimmenchor aus dem Off, der die musikalischen Bilder paraphrasiert. Unsentimental, wütend. Inhaltlich begegnet man hier einem Gegenentwurf zur ewig suspekten Kulturindustrie. Mal offen polemisch, mal in subtilen Andeutungen verarbeitet Hoyston in ihren Texten Themen wie Konsum, Starkult oder Beziehungen im Gender-Trouble. Mit ihrem dritten Album wechseln Erase Errata in den USA zum Riot-Girl-Label Kill Rock Stars, das viele Bands mit Queer-Bezügen, feministischem oder antikapitalistischem Anspruch, z. B. Xiu Xiu oder The Gossip, veröffentlicht. Fazit: Klingt ziemlich anstrengend. Ist es auch. Und großartig.