×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Revival«

Eminem

»Revival« beweist Eminem erneut als einen der besten Rapper unserer Zeit. Nur musikalisch fehlt es ihm an Plan und Fokus.
Geschrieben am
Selbst die größten Rüpel werden irgendwann erwachsen. Natürlich auch die, die das Rüpel-Image in jungen Jahren verschmitzt kichernd nur bedient haben, in Wahrheit aber damals schon ihr Money beisammen und die Firma gut geführt hatten. Marshall Mathers III ist im Oktober 45 Jahre alt geworden, und schon vorher war ihm klar, dass er sich als alternder Rap-Star anders positionieren will und muss. Überdeutlich wurde das in der Single »Walk On Water« gemeinsam mit Beyoncé, in dem er sich so theatralisch als einer unter vielen inszeniert, wie schon lange nicht mehr in einem Rap-Hit geschehen. Oder in seiner Parkhaus-Performance »The Storm«, in der er sich als beißend expliziter Protest-Rapper geriert. Beides gelang, vor allem durch Eminems nach wie vor unbestechlichem Flow, der es sich leisten kann, modische Rap-Techniken weitgehend zu ignorieren.

Sein neuntes Album »Revival« trägt seine Speaker-Qualität aber nur in Teilen. Denn auch Eminem konnte es sich nicht verkneifen, ein Mammutwerk mit einer Unzahl unterschiedlichster Gäste an den Start zu bringen, mit dem er beweisen will, dass er nach wie vor alles kann. Unter dieser Ambition leiden besonders am Anfang Tracks wie »Believe« oder »Chloraseptic«, denen man ihren Trap einfach nicht abnehmen mag, die unsägliche Ed-Sheeran-Kollaboration »River« oder der Run-DMC-Abklatsch »Remind Me«. Sobald Eminem sich aber auf sich und den HipHop seiner Hochphase konzentriert, sind die Ergebnisse (»Untouchable«, »Framed«) aber durchaus ansehnlich. Insgesamt überragen die Low- jedoch die Highlights. Hätte sich Eminem selbstbewusster auf sich konzentriert und die Tracklist entschlackt, hätte »Revival« durchaus ein gutes Album werden können. So hat er auf dem Rückweg zu alter Stärke höchstens erst die Hälfte gemeistert.

Eminem

Revival

Release: 15.12.2017

An Aftermath/Shady/Interscope Records Release; ℗2017 Aftermath Records