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in Köln: Besuch im Karneval

Emiliana Torrini live

Hemmungslos ausgelebte Kreativität hat unser Autor Christian Steinbrink beim gestrigen Konzert der Island-Queen in Köln vorgefunden.
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Hemmungslos ausgelebte Kreativität hat unser Autor Christian Steinbrink beim gestrigen Konzert der Island-Queen in Köln vorgefunden.


05.02.09, Köln, Kulturkirche

Emiliana Torrini in der Kulturkirche - nach Prime Club und Gloria ist das wie eine längst überfällige Vereinigung. Dementsprechend euphorisch ist Pastor Diederichs auch, als er nach dem eher unauffälligen Support-Act Lay Low aus Island endlich und wie gewohnt in diesem Venue die groß gewordene Italo-Isländerin ankündigen darf.

Die hat etwas gebraucht, bis sie es nun endlich schafft, ihr letztjähriges Album "Me And Armini" auch in Kontinentaleuropa vorzustellen. Deutlich ist: Im Vergleich zu den schon sehr gut verkauften Platten "Love In The Time Of Science" und "Fisherman's Woman" hat die Torrini mit dem neuen Werk nochmal einen Sprung gemacht. Die Konzertsäle sind exquisiter, teilweise größer geworden, viele sind, wie in Köln, schon weit im Voraus ausverkauft. Torrini hat sich davon aber nicht dazu verleiten lassen, ihr Line-up aufzublähen. Auch heute ist sie mit der bewährten Fünfer-Besetzung angetreten, nur neue Anzüge hat sie den Männern hinter ihr besorgt, wodurch die fast ein wenig burlesk verkleidet, aber durchaus schick aussehen.



Die Band startet mit "Fireheads" in den Abend und pendelt sich schnell auf einer Kombination aus Songs von "...Armini" und "Fisherman..." ein. Obwohl Torrini in den letzten Tagen schon vor größerem und ausgelassenerem Publikum gespielt haben dürfte, ist sie gut aufgelegt und unterbricht den Songfluss gerade zu Beginn immer wieder für launige Schwätzchen. Auch wenn in ihren knappen Andeutungen zu einzelnen Stücken immer wieder Schicksalsschläge wie der Unfalltod ihres Freundes durchscheinen, wirken ihre Worte heiter und gewitzt, ein Kontrast, der zunächst irritiert und den nur wenige Künstler so smart hinbekommen wie sie. Die Live-Arrangements sind insgesamt denen des aktuellen Albums angepasst, weshalb gerade Stücke von "Fisherman's Woman" wie zum Beispiel "Life Saver" deutlich von den Albumversionen abweichen, klassischer und voller klingen.

Video: Emiliana Torrini - "Big Jumps"




Es wird immer klarer, dass Torrini das Atmosphärisch-Fragile ihrer "Fisherman..."-Phase weitgehend hinter sich gelassen hat. Solch relativ entrückte Performances wie im damaligen Prime Club vor vier Jahren gehören der Vergangenheit an. Damit trägt sie auch ihrem mittlerweile durchaus gesetzten, mainstreamigen Publikum Rechnung. Schlecht oder belanglos wird ihre Musik dadurch aber beileibe nicht. Dafür ist ihre Musikalität und ihr Gespür für Stimmungen, aber auch ihr Bestreben nach Entwicklung, deutlich erkennbar in den sehr unterschiedlichen Alben, viel zu überzeugend. Sie beweist sich als die Sorte Popsängerin, der die Grenzen des Genres schon früh viel zu eng gesteckt sind, und die sie hemmungslos und äußerst kreativ ausweitet.

Das Publikum in Köln kann das an diesem Abend, wenn auch ein wenig matt, durchaus goutieren. Erst nach mehr als anderthalb Stunden, kurz vor dem vom Ordnungsamt gesetzten Limit um 23 Uhr, lässt es Torrini und Band das letzte Mal von der Bühne. Das Konzert war toll, keine Frage. Aber das Beste ist: Wie sie das nächste Mal, bei der nächsten Platte klingen werden, bleibt offen und spannend.