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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Fisherman’s Woman

Emiliana Torrini

Gäbe es auf der Welt nicht dieses Unikum namens Björk Gutmundsdottir, Emiliana Torrini hätte ein Problem weniger. Es ist nämlich so: Der Gesang der beiden Damen ähnelt sich stark. Am isländischen Akzent, den beide kultivieren, könnte dies liegen oder auch daran, dass beide gerne eine - wenn man so
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Gäbe es auf der Welt nicht dieses Unikum namens Björk Gutmundsdottir, Emiliana Torrini hätte ein Problem weniger. Es ist nämlich so: Der Gesang der beiden Damen ähnelt sich stark. Am isländischen Akzent, den beide kultivieren, könnte dies liegen oder auch daran, dass beide gerne eine – wenn man so will – kindlich-verzauberte Feenhaftigkeit verkörpern. Erstere ist allerdings schon länger im Geschäft, außerdem weltbekannt. Was den Verdacht nahe legt, die andere würde sich nur eine Scheibe ihres Erfolges abschneiden wollen. Oje, arme Emiliana Torrini. Den ›Gollum’s Song‹ aus ›Herr Der Ringe‹ durfte sie angeblich nur singen, weil Björk vorher abgewunken hatte. Dafür rutschte Emilia mit ›Slow‹ – dem Hit, den sie für Kylie Minogue geschrieben hat – auf die Grammy-Nominierungsliste. Wobei ›Slow‹ komplett untypisch für sie, ihrer Solokarriere also vermutlich nicht zwangsweise zuträglich ist. Doch was ist überhaupt typisch für Emilia, von ihrer Stimme mal abgesehen? Der Sound ihres letzten Albums ›Love In The Time Of Science‹, 1999 auf Virgin erschienen, jedenfalls sollte es nicht sein. Die Playbacks, die Ex-Tears-For-Fears-Sänger Roland Orzabal ihr damals zusammenmischte, verloren sich in arg synthetischem Pop-Flausch. Emiliana beschloss deshalb, ihr neues Album ›Fisherman’s Woman‹ komplett akustisch zu halten – was dann schon wieder an Björk denken lässt, die zuletzt bekanntlich ebenfalls den Drang verspürte, sich jeglichen elektronischen Pipapos zu entledigen. Torrini lässt nun immerhin noch Klavier, Gitarre und ein bisschen Besengeraschel übrig und platziert sich so ziemlich genau zwischen Björk und Norah Jones. Also Volksweisen, Jazz und Blues light, inklusive romantischer Seefahrer- und Tiermetaphorik. Balsam für Handysmog-verseuchte Großstadtmenschen, dessen Live-Darbietung Emilia vermutlich barfuß mit verzückt-entrücktem Lächeln, verdrehten Augen und abgespreizten Handgelenken bestreitet. Irgendwie ist ›Fisherman’s Woman‹ also doch ein schönes Album. Wenn auch eher eines für die besonderen Stunden allein zu Hause. Oder für gesellige Stunden ohne Björk-Fans. Oder für Björk-Fans, denen das Gegurgel und Gezische von ›Medúlla‹ zuletzt doch etwas zu stark aufs Gemüt drückte.