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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Rebellion ist Familiensache

Elif im Gespräch

Im Zentrum von Elifs Songs stehen Beziehungen – zu ihren Eltern, zum Ex-Freund und zum eigenen Ich. Sermin Usta sprach mit der 24-jährigen Berlinerin und ehemaligen »Popstars«-Finalistin über deren zweites Album »Doppelleben«. Es ist ein süßes Gemisch aus melancholischem Chanson, deutschem Pop und orientalischen Melodien.
Geschrieben am
Zugegeben, es ist ein reizvoller Gedanke, seinen Nachwuchs nach den eigenen Idealen zu formen. Aber was tut man, wenn das nicht funktioniert und die Kinder es schlicht besser wissen? Wenn sie ihren eigenen Weg gehen, der unsicher ist und so gar nicht der eigenen Vorstellung entspricht? »Ben böyleyim – Ich bin so wie ich bin«, erklärt Elif mit klarer, warmer Stimme auf der ersten Single ihres neuen Albums, über dem sie knapp drei Jahre gebrütet hat. »Doppelleben« klingt aus dem Mund einer deutsch-türkischen Singer/Songwriterin nach Parallelwelt und strenger Erziehung wegen vermeintlich kultureller Verhaltensnormen, während sich außerhalb des geliebten Elternhauses ein anderes Leben abspielt. Ein heikles Thema in Zeiten wie diesen: »In türkischen Familien geht es häufig darum, was andere über sie denken. Aus diesem Grund fehlt vielen Jugendlichen die Unterstützung, der Mut, Dinge auch durchzuziehen. Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich bei meinen liebsten Menschen nicht mehr die sein konnte, die ich bin. Deshalb musste ich ausbrechen.«

Eine wohlerzogene Rebellin und genaue Beobachterin, deren Erzählungen sich an kleinen Begebenheiten und eher unscheinbaren Dingen entzünden. Das Ende einer Beziehung oder Verschweigen von Dingen innerhalb der Familie – alles hat seine Bedeutung und sein Gutes in ihrem Kosmos. Selbst die Teilnahme bei einer Castingshow, in der die damals 16-Jährige den zweiten Platz belegte, brachte ihr Glück und nicht wie bei anderen die ewige Stigmatisierung als gecastete Sängerin. Es waren ihre ersten Schritte ins Popgeschäft, erklärt Elif, auch wenn von vornherein klar war, dass das nicht die richtige Richtung sein würde. Ihr aktueller Pfad führte sie wieder in die Arme ihrer Eltern, zurück zu ihren Wurzeln, obwohl sie das niemals gedacht hätte: »Ich wollte, dass die Melodie und die Bildsprache etwas Türkisches haben. Obwohl ich privat nicht viel türkische Musik höre, mag ich das dadurch transportierte Gefühl.« Als melodisch, deskriptiv und manchmal etwas überemotional könnte man türkische Popsongs beschreiben – so wie Elif es auch in ihrer eigenen Musik mag. Kann sie Böhmermanns Persiflage des deutschen Pop nachvollziehen? »Es gibt viele Entertainer, die behaupten, Künstler zu sein, aber herzlos an ihre Musik herangehen. Was nichts damit zu tun hat, dass sie im Team zusammenarbeiten. Man muss als Künstlerin immer darauf achten, sich nicht für alles und jeden herzugeben. Ich hoffe, dass Dinge wie Böhmermanns Persiflage Platz für die Künstler schaffen, die es ernst meinen.«

Elif

Doppelleben

Release: 26.05.2017

℗ 2017 Vertigo/Capitol, a division of Universal Music GmbH