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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

C'mon, C'mon, Wah-Wah!

Electronicat

Es ist eine schöne Sache, wenn Musiker ihre eigene Stimme entdecken. "Ich wollte schon immer singen, aber ich war zu schüchtern." So oder ähnlich sagten das in jüngster Zeit nicht nur Turner, Justus Köhncke, Mense Reents und Tiga - Menschen, die man eher wortkarg als Produzenten oder DJs kannte -, s
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Es ist eine schöne Sache, wenn Musiker ihre eigene Stimme entdecken. "Ich wollte schon immer singen, aber ich war zu schüchtern." So oder ähnlich sagten das in jüngster Zeit nicht nur Turner, Justus Köhncke, Mense Reents und Tiga - Menschen, die man eher wortkarg als Produzenten oder DJs kannte -, sondern auch Fred Bigot alias Electronicat. Der Franzose - seit 1998 auf Labels wie Noise Museum, Oni.tor, Angelika Koehlermann, Oscarr oder Disko B umtriebig - begann vor etwas mehr als zwei Jahren, seinen bratzigen Techno-Rock-Tracks das entscheidende Vocal-Finish zu verpassen.

Der Mut dazu kam bei einem Auftritt, als seine linke Hand wieder mal untätig in der Luft hing, während die rechte Knöpfe und Tasten befummelte und die Füße per Wah-Wah-Pedal Stromgitarren-Samples malträtierten: Sie griff zum Mikro und entlockte Fred erstmals seine unverkennbar Glam-Rock-sozialisierte Stimme. Wie das passte! Etwas Besseres als Glam hätte sich ohnehin nicht angeboten: Die überdrehte, aufgestylte Version des Rock'n'Roll, bei der Männer auch mal betont "unmännlich" sein dürfen, passt schon auf dem Reißbrett bestens zu dem Projektnamen, der sich mit dem nicht eindeutig gegenderten "Cat" eine gewisse Androgynität bewahrt hat.

Bigot selbst verkörpert nun mit seinem zwischen hysterischem Falsett und schnurrendem Bass schwankenden Gesang sozusagen Katze und Kater in einem und legt dabei einen Humor an den Tag, der sich seine Scheibchen bei alten Helden wie T.Rex, David Bowie, Slade oder auch den Cramps (Bigot: "'Lux Interior' ist wirklich supersexy!") abgeschnitten hat. Plus dem vom Kölner Kompakt-Konzern protegierten Boogie-Woogie-Shuffle gibt das unwiderstehlich heißen Sound, zu dem man sich schon auf einem Superbike davonbrausen oder andere unanständige Sachen machen sieht. Für Bigot geht es darum, der elektronischen Musik, die sich oft viel zu ernst nimmt, ein schillerndes Horn aufzusetzen. Wobei er seinem Publikum die letztendliche Krönung dieses ironischen Twists bislang verwehrt hat - in Jeans, Sneakern und rotem T-Shirt. "Ich hab schon öfters überlegt, ob ich mit einem richtigen Glam-Kostüm und Make-up auftreten soll, aber ... na ja, ich weiß nicht, das wäre dann vielleicht doch etwas übertrieben."

[Akt. Album "21st Century Toy" (Disko B / EFA)]