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So war’s in Bonn: Kennt jemand das Lied?

Electronic Beats @Jazzfest Bonn

Wenn Free-Jazz Legenden aufeinandertreffen, sollte man sich von jeglichen musikalischen Konventionen lösen. Hier werden keine Gefangenen gemacht. Matthew Herbert und Wayne Shorter laden zu einem eher ungewöhnlichen Abend ein.
Geschrieben am

01.06.2014, Bonn, Telekom Forum

 

Fiepend. Glitzernd. Schrill – wenn der Abend nur noch aus Adjektiven besteht, muss er a.) außergewöhnlich gut sein, b.) gut sein oder c.) außergewöhnlich – in jeglicher Form. Ich entscheide mich für c).

Heute also zum ersten Mal Free Jazz. Warum auch nicht? Man gönnt sich ja sonst nichts. Wenn man nicht komplett in der Welt des Genres versunken ist, ist dieses Konzert allerdings eher eine Qual. Wenn Matthew Herbert und seine Big Band zu Höchstform aufdrehen, scheint es, als ob jeder der Musiker sein eigenes Lied spielt – ein kunterbunter Stilmix aus Electro, Jazz und Big Band. Dazu eine Solistin, deren Organ dazu einlädt, mit Händen auf den Ohren rauszulaufen – was dann prompt auch einige der Anwesenden in die Tat umsetzen. Vielleicht war es auch einfach nur die schlechte Akustik im Telekom Forum oder ein Soundtechniker, der einen längeren Aufenthalt an der Bar eingelegt hat. Ein Fall für die drei Fragereichen. Wenn die ruhigeren Passagen eintreten, ist es doch tatsächlich so etwas wie Musik. Sogar richtig gute.

 

Wayne Shorter betritt die Bühne und zieht sogleich alle Anwesenden in seinen Bann. Hier steht nicht irgendwer auf der Bühne, sondern eine lebende Legende. Der Miles Davis-Kollaborateur versinkt völlig in endlose Free-Jazz-Orgien, die vielleicht nur ein echter Meister seines Fachs so hinbekommt. Das hier hat nichts mit normalen Feierabend-Jazz vorm Kaminfeuer zu tun, diese Musik fordert und hinterlässt einen im Nachhinein mit mehr Fragen als Antworten. Genau dies ist die Intention von Wayne Shorter und seinen Mitstreitern. Das ist keine Musik mehr, das ist Kunst. Verstehen muss man die nicht immer. Wäre ja ansonsten auch langweilig.