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So war’s in Köln: Slacker, Zeremonienmeister und Jungbrunnen

Electronic Beats Festival

Am 23. Mai fand in Köln einmal mehr das Electronic Beats Festival statt, bei dem Goldfrapp wie eh und je verzauberte, Jon Hopkins zum Tanz bat und Mac DeMarco ein wenig Sonnenschein in das E-Werk zauberte...
Geschrieben am

23.05.2014, E-Werk, Köln

 

Köln ist bekanntlich fest im Tourkalender des Electronic Beats Festivals etabliert. Oder genauer: Das E-Werk darf sich neben all den anderen europäischen Venues, in denen die stets geschmäcklerischen Line-Ups aufgefahren werden, fast schon als eine Art Hauptquartier bezeichnen. Das Event am vergangenen Freitag bildete in dieser Hinsicht keine Ausnahme: Mit Goldfrapp, Jon Hopkins, Mac DeMarco und Vimes konnte die wahrscheinlich bisher heterogenste Künstlervielfalt präsentiert werden. Senkrechtstarter Milky Chance mussten krankheitsbedingt den Gig leider absagen.

Mac DeMarco bringt mit seinem Slacker-Sound und seiner kalifornischen Attitüde schon zu Beginn des Abends etwas Sonnenschein in das E-Werk. Da stört ihn sogar zwischenzeitliche defekte Mikrofon kaum. Das nächste Mal sollte stolze Zahnlückenträger aber vielleicht doch einen kurzen Blick in den Atlas werfen, um das Kölner Publikum nicht noch mal mit »What’s Up Berlin!« anfeuern. So richtig warm wird die Band dann auch nicht mit dem Publikum, was vielleicht an der allzu lässigen Pose des Sängers liegt, oder aber der eher wie Statisten wirkenden Band geschuldet ist.

 

Als Alison Goldfrapp die Bühne betritt, geht ein Raunen durch das Publikum. Wie kann diese Frau schon seit knapp 20 Jahren im Musikbusiness sein und kein bisschen gealtert sein? Ihre Stimme klingt magisch wie eh und je und schon nach kürzester Zeit hat sie das Publikum für sich gewonnen. Ihr Set ist sorgfältig geplant und beginnt zunächst mit ruhigen Balladen und vielschichtigen Songs, nur um sich mit jedem weiteren Titel zu steigern und das E-Werk gegen Ende sogar zum tanzen zu bringen. »Train«, »Strict Machine« und »Ooh La La« walzen mit ihren Synthesizer-Sounds alles nieder, während Alison Goldfrapp am Mikrofon beweist, dass in ihr schon immer eine kleine Donna Summer steckte.

 

Jon Hopkins betritt die Bühne folgerichtig erst kurz nach Mitternacht. Die perfekte Zeit für den Briten, der mit »Immunity« im vergangenen Jahr einen echten Kritikerliebling veröffentlicht hat, der auch heute noch jede Menge Konsens für sich einen kann. Mit seinem unkonventionellen Techno-Entwurf unterstreicht er diesen Status auch in der Freitagnacht auf äußerst beeindruckende Art und Weise. Hopkins schafft es, eine fast schon bedrohliche Atmosphäre aufzubauen, die einen in freudiger Erwartung angespannt auf die Bühne starren lässt, nie ahnend, was der Zeremonienmeister als nächstes für Effekte herauszaubert. Vergleichbar ist das wohl nur mit Gigs von Altmeistern wie Aphex Twin oder Squarepusher. Das E-Werk feiert ehrfürchtig und verneigt sich vor diesem Klangkünstler.


So wird vor allem das kleine Kunststück des für gewöhnlich sehr elektronisch orientierten Festivals in Erinnerung bleiben,  schrammeligen Indie-Rock neben technoider Strenge zu stellen, ohne dabei für all zu große Irritationen zu sorgen.