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Leaders Of The Free World

Elbow

Guy Garvey fühlt sich geehrt. Die Kollegen von Coldplay ließen sich für die Single "Fix You" massiv von Elbows großartigem "Grace Under Pressure" inspirieren. Derart massiv, dass Chris Martin um ein öffentliches Geständnis nicht mehr herumkam und Letzteres noch dazu mit dem Kompliment garnierte,
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Guy Garvey fühlt sich geehrt. Die Kollegen von Coldplay ließen sich für die Single "Fix You" massiv von Elbows großartigem "Grace Under Pressure" inspirieren. Derart massiv, dass Chris Martin um ein öffentliches Geständnis nicht mehr herumkam und Letzteres noch dazu mit dem Kompliment garnierte, Elbows letztes Album, "Cast Of Thousands", sei eine der ganz wenigen Platten der letzten fünf Jahre gewesen, welche er immer wieder von Anfang bis Ende durchgehört habe. Und er müsste seinen Musikgeschmack schon komplett revidiert haben, wenn es ihm bei "Leaders Of The Free World" nicht genauso erginge. Garvey revanchiert sich hier seinerseits in einer Art Referenz-Pingpong mit Martin'esken Falsetteskapaden, die seinen Stimmbändern allerdings hörbar das Äußerste abverlangen. Die mittleren Lagen stehen ihm doch deutlich besser. Überhaupt sind es diesmal eher die ruhig fließenden, filigranen Stücke im zweiten Teil, welche die Größe dieser Band so eindrucksvoll wie berührend untermauern. Manches erinnert überraschenderweise an Air ("An Imagined Affair"), an Zero 7 ("My Very Best"), an Talk Talk ohne den ätherisch-akademischen Anteil. Wie ein geerdeter Mark Hollis schwebt Garvey über der Musik, fügt seine Stimme den kunstvoll eingerichteten Klangräumen hinzu wie einen Solo-Cello-Part. "Great Expectations": ein Herzensbrecher. (Wäre ich technisch etwas versierter, wüsste ich nur, wie das geht, dann wäre an dieser Stelle ein kleiner Fleck mit Salzrand.) Die bescheidene Produktionsumgebung (Low Budget, eigenes Studio, einzige Ablenkung: Tischtennis) wirkt sich überdies positiv aus: Der Raum wird zu einem zusätzlichen Instrument. Wie machen die das nur? Klingen auf dem mittlerweile dritten Album so wie immer und doch ganz anders, und bei jedem Hören ist etwas Neues zu entdecken. Man hört die Wut, den Schmerz, die Liebe, das Mitgefühl. Man wird berührt. Bleibt wach. Mehr kann man von einem Tonträger nicht erwarten. Ganz, ganz groß!