×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Was ist schlimmer als Warten?

Elastica

... Warten mit ungewissem Ausgang. In dieser Hinsicht droht der Abend ein wahrer Anti-Höhepunkt zu werden. Fünf Jahre hatte man nun vage Vermutungen angestellt, ob Elastica als Band wohl überhaupt noch existierten oder doch eher als Ein-LP-Wunder in die Musikgeschichte eingehen würden. Warten auf da
Geschrieben am

Autor: intro.de

... Warten mit ungewissem Ausgang. In dieser Hinsicht droht der Abend ein wahrer Anti-Höhepunkt zu werden. Fünf Jahre hatte man nun vage Vermutungen angestellt, ob Elastica als Band wohl überhaupt noch existierten oder doch eher als Ein-LP-Wunder in die Musikgeschichte eingehen würden. Warten auf das Ende der Vorgruppe.
Als Elastica dann erscheinen, ist schnell klar, was sich verändert hat: Justine Frischmann ist älter und abgeklärter geworden. Mit Chrissie Hynde-Frisur und Schlabberjeans steht sie auf der Bühne und hat überhaupt keine Schwierigkeiten, sich in die Rolle der glamourösen Waverock-Schickse einzufinden. Einen kleinen musikalischen Vorgeschmack hatte bereits die im letzten Sommer erschienene 6-Track-Single mit naßforschen Gitarren und schrägen Elektroniksounds vermittelt: die uniformierte Band scheint sich ins ubiquitäre Niemandsland der nonchalanten Coolness retten zu wollen.
Elastica 2000 klingen fast eigenständig, und genau hier liegt das Problem. Man wundert sich, was aus der Band geworden ist, der es auf ihrem Debüt mit Leichtigkeit gelang, die besten Momente ihrer Vorbilder Wire und Stranglers aufzuarbeiten und eine Glanznummer nach der nächsten hinzulegen. Heute sieht alles nach harter Arbeit aus, der mäandernde Gitarrenriff entwickelt sich kaum einmal zu einer Melodie, und die neuen Songs enden in aufgesetzt wirkenden Refrains. Die mitreißende Eigenständigkeit, die Sturm-und-Drang-Phase des Frühwerks lassen sich wohl doch nicht beliebig wiederholen. Nichts fällt leicht, die Band kämpft um Struktur - und das Publikum läßt sich's gefallen. Immer wieder werden Klassiker wie 'Stutter' und 'Car Song' ins Set eingebaut, und die Fans im ausverkauften Astoria hüpfen auf und nieder, singen jedes Wort mit, sehen ihre Erwartungen erfüllt. Für sie ist die Vergangenheit längst noch nicht vergangen. Dieses Konzert hätte genausogut 1985 stattfinden können. Oder 1995. Insofern sind sich Elastica treu geblieben - und verteilen die Reichtümer, aber auch die Unvollkommenheit des New Wave an diejenigen, die damals nicht dabeigewesen sind. Nach 40 Minuten ist alles vorbei. Bleibt abzuwarten, ob es mit dem lang angekündigten Album 'The Menace' ähnlich zügig geht.