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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Was ewig schien ...

El Sumo

"Wer Deutsch spricht, kann kein schlechter Mensch sein“, hat ein Gericht in der Zeichentrickserie „The Simpsons“ einmal unmissverständlich festgestellt. Über Menschen, die Deutsch singen, wurde leider nicht geurteilt, deshalb darf sich seitdem der Popjournalismus mit dieser Frage herumschlagen. Aber
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"Wer Deutsch spricht, kann kein schlechter Mensch sein“, hat ein Gericht in der Zeichentrickserie „The Simpsons“ einmal unmissverständlich festgestellt. Über Menschen, die Deutsch singen, wurde leider nicht geurteilt, deshalb darf sich seitdem der Popjournalismus mit dieser Frage herumschlagen. Aber es ist ja nicht so, dass er das nicht gerne tun würde – wenn sich Jan Wigger bei Spiegel Online beispielsweise tatsächlich dazu genötigt sieht, auf den unsäglichen Kim Frank zu reagieren, nachdem dieser behauptet hatte, es sei wichtig, dass es „wieder große deutsche Popmusik“ gebe, und damit natürlich nur sein eigenes Album meinte. Als ob es irgendwie wichtig wäre, in welcher Sprache man Inhaltslosigkeit formuliert. Auch El Sumo haben nicht besonders viel zu sagen. „Mein ganzer Tag ist November / Mein Sommer wird es auch / Denn du brauchst meine Liebe nicht“, singt der in Bolivien geborene Guillermo Morales bei „Lieblingsfarben“, und ganz kurz muss man tatsächlich an einen alten Gassenhauer von Kim Frank denken. Musikalisch haben El Sumo zum Glück wesentlich mehr auf dem Kasten, klingen sie doch nach den späten Jimmy Eat World, die im Grand Hotel Van Cleef darauf bestehen, in einem Doppelbett mit Kettcar zu schlafen. Vor allem ein Lied wie „Es geht“ eignet sich in seiner schlichten Schönheit ganz hervorragend dazu, über seine Spielzeit hinaus erinnert zu werden. Wichtiger als die Botschaft ist also auch bei diesem „Liebesbeweis für Familie und Freunde“, dass der „Song stimmt“, wie Morales im Interview erklärt:

Euer Bandinfo behauptet flott: „El Sumo klingen nach Berlin.“ Ganz abgesehen davon, dass ihr nur einen waschechten Berliner in der Band habt: Wie klingt die Hauptstadt denn?
Nur unser Bassist Tommi ist gebürtiger Berliner, die anderen sind vor Jahren hierhergezogen. Berlin ist jetzt unser Zuhause, fast alle unsere Freunde wohnen hier. Berlin klingt in dem Fall also schlicht nach Zuhause. Jeder Bezirk in Berlin ist einfach anders: kaputt, traurig, schön und schön dreckig. Wenn ich morgens meine Fenster öffne, dann ist es vor allem eines: sehr laut.
Du arbeitest nebenher in einem Versandhaus für Pornofilme. Kommt daher dein Faible für romantische Liebeslieder?
Ich glaube, wenn du die ganzen DVD-Cover sehen würdest, wäre Romantik das Letzte, was dir dazu einfallen würde. Nein, es ist ein Job wie viele andere. Es besteht also kein Zusammenhang zwischen meinem Job und unserer Musik. Noch nicht. [lacht]
Gegen Ende der Platte singst du: „Es kommt mir vor, als hätte ich alles schon gesagt“, bevor das Album in einer Liebeserklärung endet. Ein Hinweis darauf, dass du gerade verliebt bist und das deiner Kreativität alles andere als guttut?
Stimmt. Ich bin seit über acht Jahren verliebt. Bei „Es dreht sich“ spielt der Text nur die zweite Geige. Wesentlich ist da die Gewalt der Instrumente. Der Song ist quasi im Proberaum entstanden und gibt mir immer ein Gefühl von „Wir sind eine Band“. Den anderen Jungs ist egal, ob ich verliebt bin oder nicht – die Songs müssen stimmen.