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Alegranza

El Guincho

Es gibt auf diesem Planeten noch unzählige großartige Formen von traditioneller Musik zu entdecken. Eine der besten Adressen hierfür ist das von Radio France gegründete Ocora-Label.
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Es gibt auf diesem Planeten noch unzählige großartige Formen von traditioneller Musik zu entdecken. Eine der besten Adressen hierfür ist das von Radio France gegründete Ocora-Label.

Das sei an dieser Stelle nur deshalb erwähnt, weil traditionelle Musik häufig mit Weltmusik oder Ethno-Pop in einen Topf geworfen wird. Letzterer funktioniert allerdings stets nur als "Bionade" des Popbetriebs: gute Laune bei gutem Gewissen. Wenn Pop durch die Adaption von Elementen traditioneller Musik ein trügerisches "One World"-Flair suggeriert, gehen zumindest ästhetisch die Differenzen fast immer flöten. Ausnahmen sind selten. Doch hier liegt eine vor. El Guincho, das ist der 24-jährige Pablo Diaz-Reixa aus Barcelona. Er hat sich seine Einflüsse aus lateinamerikanischer, afrikanischer und spanischer Folklore zusammengeklaubt, vor allem aber der Calypso-Sound aus Trinidad mitsamt den dazugehörigen Ölfässern bestimmt seine treibenden Nummern.

Darüber singt oder schreit Diaz-Reixa extrem rudimentär und unverständlich seine "tierischen" Laute, die nicht das Einzige sind, was bei El Guincho an Animal Collective erinnert. Die Instrumentierung ist radikal repetitiv, man hat das Gefühl, andauern Loops zu hören, doch anscheinend sind die Stücke tatsächlich stoisch von einer echten Begleitband eingespielt worden. Hier kommen die Traditionen von westlicher Minimal Music, Psychedelic und traditioneller Musik nicht im Sinne einer Differenzen ausbügelnden Gleichmacherei, sondern als Annäherung zusammen, die Gemeinsamkeiten deutlich macht. So wird zum Beispiel offensichtlich, wie viel Calypso unterschwellig in die Musik von Animal Collective eingeflossen ist. Aber um Missverständnissen vorzubeugen: El Guincho ist kein Abklatsch der New Yorker, sondern arbeitet lediglich mit anderen Mitteln an einem ähnlichen Klangstrudel. Fabelhaft manisch!