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USA

Eins Und Eins Macht Vier

Amanda und Alyssa heißen die beiden amerikanischen Lottchen und sind, im Unterschiede zum deutschen Kinderbuch-Original, keine Zwillinge, sondern schlichte Doppelgängerinnen. Amanda ist das arme Waisenkind, das sich nichts sehnlicher wünscht, als adoptiert zu werden, und außerdem der persönliche Lie
Geschrieben am

Autor: intro.de

Amanda und Alyssa heißen die beiden amerikanischen Lottchen und sind, im Unterschiede zum deutschen Kinderbuch-Original, keine Zwillinge, sondern schlichte Doppelgängerinnen. Amanda ist das arme Waisenkind, das sich nichts sehnlicher wünscht, als adoptiert zu werden, und außerdem der persönliche Liebling von Erzieherin Diane (Kirstie Alley). Alyssa ist das brave Kind aus gutem Hause, die verwöhnte, kleine Prinzessin, von ihrem Vater Roger (Steve Guttenberg) gleichermaßen geliebt wie vernachlässigt. Als sich die beiden schließlich begegnen, werden - wie allgemein üblich - die Rollen vertauscht, die Bösewichter vertrieben und die Erziehungsberechtigten verkuppelt.
Solche Kinderfilme müssen wohl ab und zu immer mal wieder gedreht werden, zumal die aktuelle Horde der fünf- bis zehnjährigen auch diesmal wieder lauthals lachen dürfte über die gängigen Spektakel wie die Nudelschlacht oder das Traktieren des Konzertflügels durch die Prologöre Amanda bei versammelter Cocktail-Party. Es gibt auch ein böses Ehepaar, das Kinder adoptiert, um sie für sich arbeiten zu lassen; über diesen Teil des Filmes wollen wir lieber nicht so genau nachdenken, denn Amanda und Alyssa werden gespielt von Ashley und Mary-Kate Olsen, einem in Amerika sehr erfolgreichen Fernsehzwillingspärchen, neun Jahre alt, dessen Eltern derzeit bestimmt auch nicht schlecht verdienen.
Erich Kästner, Autor von "Das doppelte Lottchen", wäre bestimmt nicht beleidigt, wüßte er, daß er im Abspann nicht mal erwähnt wird. Der Sozialkitsch, das Hohelied auf die Familie und besonders die Darsteller mit ihren Gummigesichtern, speziell Jane Sibbett mit ihrer Version der Medusa aus "Bernard und Bianca", zeigen, daß sich der amerikanische Realfilm im Zuge von "Kevin" und "Mrs. Doubtfire" immer mehr dem Disney-Zeichentrickfilm annähert. Die Komik dient allerdings nurmehr versatzstückweise der Anarchie, während der ri-ra-rosa Zuckerguß alle Bedenklichkeiten erbarmungslos zu Boden schmiert. Kein Wunder folglich, wenn für Erwachsene nichts mehr zu lachen bleibt wie einst bei Kästner und den besseren Disney-Cartoons.
Eher unfreiwillig zeigt der Film dann aber doch noch eine menschliche Schwäche: Die Hauptdarstellerin Kirstie Alley ist, nach den üblichen Sehgewohnheiten zu urteilen, eindeutig zu übergewichtig und abgetakelt für eine Hauptrolle als romantische Liebhaberin. Dieser kleine Makel, der die Produzenten wahrscheinlich die Haare raufen ließ, zeigt, daß eventuell doch noch nicht alles aus Plastik ist in der amerikanischen Unterhaltungsindustrie.