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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Frank Black/ Serafin live

Ein Picknick im April

"You can plan a pretty picnic, but you can't predict the weather" 10.11., Köln, Gebäude 9 Keine gute Band, die sich der launische Sound im Gebäude 9 nicht Untertan machen würde. So hört man von Serafin, die für mich für kurze Zeit die Rockband des Jahres waren, beinahe nur Schlagzeug und Bass.
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"You can plan a pretty picnic, but you can't predict the weather"

10.11., Köln, Gebäude 9

Keine gute Band, die sich der launische Sound im Gebäude 9 nicht Untertan machen würde. So hört man von Serafin, die für mich für kurze Zeit die Rockband des Jahres waren, beinahe nur Schlagzeug und Bass. Das wirkt natürlich besonders grotesk, dass wenn der Gitarrist zur Linken des diabolischen Sängers abgeht wie ein Derwisch, beide jedoch hoffnungslos absaufen. Ich freu mich trotzdem, denn diese Surfband auf Abwegen liefert abseits des Akustik-Infernos eine wirklich gute Performance.

Frank Black wischt dann jegliche Soundprobleme hinfort. Was ist das schon gegen volles Blut, vollen Blues und eine ganze Ära Punk'n'Roll, die Black bereits verkörpert! Seine Band "The Catholics" kann man ebenfalls nur liebhaben: Ein durchgedrehter Höllengitarrist, der aussieht wie die Reinkarnation Andy Warhols, sein mit offenem Hemd studentisch aussehender Mit- und Gegenspieler an Gitarre No. 3, ein gemütlich bemützter, aber nicht minder engagierter Bassist und ein smarter Schlagzeuger, der aussieht wie von Prince ausgeborgt. Vorne weg der Herdenführer, Mastermind und Ausnahmessänger im Cowboyhemd. Nicht nur Black's Stimme aber ist so außergewöhnlich wandelbar, cracked, intensiv und ja - verspielt.

Das gesamte Set fasziniert nicht zuletzt dadurch, dass die Songs trotz des vom Tourbus-Leben gezeichneten Körper ihres Bestreiters etwas unkaputtbar Naives zu beherbergen scheinen und die ganze Band vor frenetischem Engagement beinahe platzt. Frank Black & The Catholics reihen ohne Pause Gitarreninferno an Gitarreninfreno. Vor allem die Pixies-Stücke (ein Vorgeschmack auf die gemunkelte Reunion?) lassen die Herzen im "Saal" hörbar höher und lauter schlagen und das betrunkene Tanzbein ausschweifen. Highlights für mich jedoch sind die triefenden Bluesstücke, in denen Black mehr spricht als singt und die Gitarren jeder Aussage sozusagen postwendend tosenden Beifall zukommen lassen. White Bull Blues. Und ich muss einfach an die White Stripes denken, die vielleicht so klängen, wären sie etwas älter und wären sie eine mehrköpfige Band. Jack White & Frank Black! Eigentlich schon allein wegen der tollen Namen (Künstlername hin oder her) eine Kollabo wert!

Auch der Soundhimmel ist längst aufgebrochen. Ein perfektes "Where Is Your Mind" wird in der Zugabe gefolgt von perlend-melancholischen, astreinen Country-Balladen. Will meinen: Eine Band und ein Auftritt von Substanz. Tief wie der Marianengraben (11.033 Meter).