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Ein Nachruf

Amy Winehouse

Das Leben der brillianten Soul-Diva endete viel zu früh. Kai Wichelmann blickt zurück auf das Leben der skandalträchtigen Künstlerin mit der grandiosen Stimme.
Geschrieben am
Amy Winehouse ist tot. Mit 27. Als am frühen Samstag Abend die ersten Nachrichten via Twitter eintrafen und sich die Nachricht in der Folge wie ein Lauffeuer verbreiterte, war man als Musikfan bestürzt. Doch letztlich gab es in der letzten Zeit wohl keinen Promi-Tod, der weniger überaschend kam, als das viel zu frühe Ableben der britischen Soul-Diva. Wer sich die Konzertausschnitte aus Belgrad vor ein paar Wochen ansah, konnte ungefähr ahnen, wie es um die Sängerin bestellt war. Ausgehungert, torkelnd und leichenblass bot sich ein Szenario, das von Buhrufen begleitet eine Stunde andauern sollte, bevor die Band das Einsehen hatte und sie von der Bühne führte. In diesem Zustand wären neue musikalische Resultate definitiv undenkbar gewesen.

Schon ihr Durchbruch-Album »Back To Black« war eng mit ihren inneren Dämonen und privaten Fehden verknüpft. »You'll go back to her, and I go back to black« - eine proklamatische Textzeile. Die Trennung vom Skandalkünstler Blake Fielder-Civil ist sicher ein zentraler Wendepunkt in Amy Winehouse Leben gewesen. In zweierlei Konsequenz: In dieser skandalumwitterten Beziehung verfiel sie endgültig den Drogen, der Schmerz der Trennung inspirierte sie zu ihrem famosen Neo-Soul Album. Doch letztlich kam sie weder über den Trennungsschmerz hinweg, noch über die Substanzen, die es ihr unmöglich machten weiter Songs zu schreiben. Mit Anfang 20 hatte sie also bereits die Vollemanzipation als Künstlerin erreicht. Ein Album, wie »Back to Black«, dass so viel Wahrheit, Abgründe und Emotionalität besaß, wäre schwerlich zu übertreffen gewesen. In ihrem engsten Umfeld war Vater Mitch Winehouse in vielen Momenten sicher auch keine Hilfe. Er fütterte die Presse mit immer neuen Details um im Gegenzug zu erwähnen, wie sehr er sich um seine Tochter sorge.

 
Bei Amy Winehouse war der Hedonismus längst dem zügellosen Exzess gewichen. Der öffentliche Verfall - ein langer Leidensweg - von den Medien perfide begleitet, ließ Winehouse zuletzt als hilflose Marionette eines Systems erscheinen, das sich aus allen Insignien des Rock-Mythos speiste und das sie schon lange nicht mehr beherrschte. Das sie ausgerechnet mit 27 verstarb, lädt diesen Mythos zusätzlich auf. Der berühmt berüchtigte »27 Club« hat ein trauriges Mitglied mehr. Neben Brian Jones, Jimi Hendrix, Kurt Cobain, Jim Morrison und Janis Joplin ist Amy Winehouse nun auch Teil dieses Zirkels der verlorenen Seelen.  Die genaue  Todesursache lässt sich bis dato nicht ermitteln, heute wird der Obduktionsbericht vorliegen. Es wird gemutmaßt, dass Winehouse an einer Überdosis MDMA starb. Es würde ins Bild passen.
 
Was bleibt ist das Wissen, dass die Welt um eine hochtalentierte Künstlerin ärmer ist. Es ist das Wissen um die Roughness, die Reife, Verruchtheit und Schönheit ihrer Stimme, die durch Mark und Bein ging, sowie die dunkle Eleganz ihrer Live-Auftritte in lichten Momenten. Und: Eine handvoll brillanter Songs, die besser waren als nahezu alles, was andere Künstlerinnen in ihrer gesamten Schaffensphase aufnahmen.