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»Ein ganz normaler Fall«: Brave Jew World

So war der Tatort gestern

Wir blicken zurück auf den gestrigen Krimiabend: Peter Flore widmet sich montags immer dem neuesten »Tatort«.
Geschrieben am

Jörg Hartmann ist verdächtig - vielleicht zum letzten Mal, quasi als Junggesellenabschied, soll er doch künftig den Kommissar im neuen Dortmunder »Tatort« geben. Um es kurz zu machen: Er war's natürlich nicht. Es war der Aaron, den Florian Bartholomäi verkörpert, als hätte er kurz zuvor zum ersten Mal »Rain Man« gesehen - und nicht verstanden. Damit wiederum ersparen sich die Drehbuchautoren des Münchener »Tatorts« »Ein ganz normaler Fall« auch gleich ihr schlechtes Gewissen: Wenn schon ein Jude der Mörder sein muss, dann doch wenigstens einer, dem man verminderte Schuldfähigkeit zukommen lassen kann. Nicht, dass es hinterher wieder Diskussionen gibt.

Die gibt es natürlich zwischendrin, denn das Oberthema »Das Judentum in Deutschland« kann man natürlich nicht zu einem ganz normalen Fall verwursten, ein bisschen »Deutschverkrampftheit« (Leitmayr), ein bisschen verhohlener Antisemitismus (Oberstaatsanwalt), ein flammendes Plädoyer gegen die Reduzierung der sogenannten »jüdischen Mitbürger« auf ihre Religion und schließlich ein Ausflug nach Dachau sollten schon noch irgendwie mit rein. Schön hier der eingeblendete Naviscreen, damit es auch die verstehen, die bei »Die Truman Show« noch kapitulieren mussten. Andererseits: Ist halt Sonntag abend, 20:15 Uhr - da sollte man seine Message klar rüberbringen.
[usercomment=http://www.intro.de/forum/plink/3/1075711636/1322422982]Katastrophal. Ich bin raus nach 25 Minuten. Alleine für die Schultheaterchargiererei von Florian "Der Aaron muss fegen" Bartholomei gehört dem Regisseur eine gepfeffert.[/usercomment]
Das gelingt indes nicht wirklich, wenngleich »Ein ganz normaler Fall« tatsächlich genau das ist: Ein »Tatort« mit ein paar Tiefen, ein paar Untiefen und ansonsten relativ seichtem Gewässer. Spannend ist er nicht, aber auch nicht dämlich und letztlich leidlich unterhaltsam. Womit wir alle leben können, wie der Leitmayr mit seinem nationalen Päckchen, das er zu tragen hat. Und wie der Ivo mit dem Umstand, dass die vermaledeite Leistungsgesellschaft nun auch schon den »Polizisten des Jahres« auszeichnen will. Ein ganz normaler Fall für Günther Jauch, wie immer im Anschluss.

Am kommenden Sonntag (04.12.) nimmt es dann der Wiesbadener Kollege Ulrich Tukur in seinem zweiten Fall »Das Dorf« wieder mit Tumor.

Den aktuellen »Tatort« kann man noch bis nächsten Sonntag in der ARD Mediathek anschauen, aus Jugendschutzgründen allerdings nur zwischen 20 und 6 Uhr.

»Will denn niemand was zum gestrigen Tatort schreiben?«:
Im Forum diskutieren Intro-User über vergangene und aktuelle Tatorte.

Alle Texte zum Thema »So war der Tatort gestern« unter
www.intro.de/spezial/sowardertatort.