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Isis, Jesu & Dälek live

Ein Bummel im Panopticon

30.05.05, Köln, Bürgerhaus Stollwerck. Gerade erst hunderte von Kilometern vom Immergut heim gefressen, und schon beim "irgendwie Rock"-Act des Jahres im Konzert. Das soll mir erstmal jemand nachmachen. Aber wer will schon die Band aus L.A. verpassen, deren letztes Album 'Panopticon' jeden ob
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30.05.05, Köln, Bürgerhaus Stollwerck.

Gerade erst hunderte von Kilometern vom Immergut heim gefressen, und schon beim "irgendwie Rock"-Act des Jahres im Konzert. Das soll mir erstmal jemand nachmachen. Aber wer will schon die Band aus L.A. verpassen, deren letztes Album 'Panopticon' jeden ob der undefinierbaren Stilart so ratlos hinterlassen wie umgeblasen hat? In Köln offenbar nur wenige, denn das wirklich nicht kleine Stollwerck ist an diesem Abend sehr gut gefüllt. Auch, weil die verdienten Typen vom Emo-Spezialisten Underdog Recordstore durch ihr Booking ein Line-Up versammelt haben, dass seinesgleichen sucht: Neben Isis treten die HipHop-Wizarde von Dälek und Jesu, das tausendste Projekt vom Ex-Godflesh-Mastermind Justin Broadrick auf die Bühne. Auch 2/3 der auf Schmerz-Themen spezialisierten 'Hart Macht Schnell'-Posse sind vor Ort. Spätestens jetzt muss allen klar werden, was das für ein heißer Abend wird.

Vorneweg gibt noch ein für mich trotz Recherche undefinierbarer "Rapper" sein bestes. Kollege Schumacher war bereits am Bühnenrand, konnte aber aufgrund seiner holzschnittartigen Rezeptionskategorien in Sachen HipHop später wenig zur Erhellung beitragen. Das Publikum behandelte den Dälek-Support ebenso weitestgehend mit respektvollem Unverständnis. Hilfe zur Namensfindung ist unter dieser Nachlese also gerne gesehen, sonst müssen wir hier erneut Blumen am Denkmal des unbekannten Rappers hinterlegen.

Als ich eintreffe, sind Dälek schon bei der Sache. Und beweisen, dass ihre sehr robuste Form von Beats&Rhymes erst auf so einer Bühne mit den entsprechenden visuellen Effekten so richtig funktioniert. Ihre Show ist so furios, dass sogar Schumacher anerkennend mitbangt (sieht aus wie Kopfnicken, ist aber eine völlig andere Technik). Live besinnt sich die auch Platte durchaus auch mal ambientlastige Gruppe auf solide Rockelemente, die sie sehr souverän für sich nutzen. Und auch die Rockcrowd kann sich so sehr gut mit den drei Typen aus New Jersey anfreunden.

Von Jesu hätte man angesichts der neuen Platte auch eher ein mit elektronischen Spielereien gespicktes Set erwartet. Stattdessen rocken sie sich roh und relativ stumpf durch ihr Set, wirken wie eine lautere und etwas düstere Version von vielleicht Cow oder Unsane, nur klarer strukturiert. Auch das goutiert das Publikum gerne, ohne sich über die maßen zu verausgaben.

Eigentlich sind Jesu an diesem Abend gar nicht so unbeliebt. Doch recht bald machen die Zugpferde des Hydra-Head-Labels deutlich, wer hier der Hauptact ist: Es ist schier unglaublich, wie anziehend ihre meterhohen Gitarrenwände wirken. Hier ist nichts profan gezupft, gelötet oder gebrettert, sondern alles gekonnt ausbalanciert. Auch Isis vernachlässigen keinesfalls den Showrahmen, doch ihre Musik scheint von der Sorte zu sein, die überall funktioniert, ohne dass sie die Position "gemäßigtes Pflichtposing" verlassen müssten. Sie spielen ein sehr physisches Set, während dem sie sich Zeit lassen für ein konzentriertes Aufhäufen von Atmosphäre. Auch das funktioniert für das Publikum sehr perfekt. Mit einem Godflesh-Cover als vorletzten Song erweisen sie einem ihrer Quelle für "years of Inspiration" die nötige Ehre. Und: Isis sind schon lange nicht mehr die Neurosis-Klone, als die sie lange unterschätzt wurden. Ihr Sound ist präziser und bemüht sich mit deutlich weniger Mitteln um kompositorische Komplexität. 90% des Publikums, inklusive der 'Hart Macht Schnell'-Crew, würde einfach brüllen: "Is schon vorbei?" Also tue ich das auch.