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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Hot Wire My Heart

Egoexpress

Was für eine Entwicklung: Zwei aus der Indierock-Szene kommende Musiker entdecken für sich die Elektronik und veröffentlichen mit "Foxy" und "Bieker" großartige und auch heute noch sehr schöpferische Platten. Dann die Albumpause, über fünf Jahre. Begehrlichkeiten werden geweckt, denn Mense Reent
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Was für eine Entwicklung: Zwei aus der Indierock-Szene kommende Musiker entdecken für sich die Elektronik und veröffentlichen mit "Foxy" und "Bieker" großartige und auch heute noch sehr schöpferische Platten. Dann die Albumpause, über fünf Jahre. Begehrlichkeiten werden geweckt, denn Mense Reents und Jimi Orgl bleiben als Egoexpress immer im Gespräch, nicht nur durch endloses Touren. Insofern versöhnt "Hot Wire My Heart" als ein nächster Schritt. Der zu erwartende? Es sind zehn Tracks, die zwischen "Aranda" und "Links Eine Hand" durch den 4/4-Takt und die Bassdrum zusammengehalten werden. Konsequent aufdringlich, dick, fordernd. Dynamikkurven, Filter und Plattenteller bleiben dabei ständig in Bewegung, bestimmt durch den rastlosen Drang nach vorne. Mit Minimalismus halten sich die Hamburger nicht auf, denn sie beherrschen den Umgang mit all den herumfliegenden Beats und Traditionen, Styles und Konventionen. Bei der ersten Single "Knartz IV" knarzt es gewaltig im Karton, während der Nachfolger "Aranda" mit Akustikgitarre und leichten Vokalhäppchen überrascht. Kleine Interludes und verspielte Elemente wie der gebrochene Beat bei "Drehwinkel" lassen etwas durchatmen im Kunstnebel, doch der schmutzige House will noch mehr ... oh my god, it's techno music! Der Titelsong entstand als letzter Track in der Nacht vor dem finalen Mastering. Man hört diesem Schnellschuss die ungeschliffene Produktion an: Sehr direkt und emotional schraubt sich der Akkordwahnsinn in immer größere Höhen, um anschließend im grummelnden und spärlich bekleideten Bassdrum-Kostüm zu zucken. Allerfeinster Daft-Punk-Stylofanz - aber statt des Zeigefingers wird hier die Faust in die Luft gereckt.

Mense, wo siehst du Unterschiede im Songwriting zwischen deinen Solosachen und Egoexpress?
Bei mir geht es eher um monotone Rockmusik mit Überschneidungen zur Elektronik, vergleichbar mit Neu!. Der Sound ist ja beinahe Lo-Fi, während Jimi sehr auf Bässe und Feineinstellungen achtet. Egoexpress ist zudem noch elektronischer und technoider. Wir sind zwei Pole auf der Bühne, die wir nutzen, dadurch können wir mehr improvisieren. So sehen die Leute auch, dass live etwas passiert - zumindest mehr als bei einem DJ-Set, wo Tracks abgespielt werden.

Der Reiz von Egoexpress liegt in der Reibung klarer und unsauberer Elemente. "Hot Wire My Heart" tendiert stark zur rauen, melodiearmen Seite. Eine bewusste Entscheidung?
Bewusst eigentlich nicht. In der Clubmusik beeinflussen und inspirieren sich die Künstler alle gegenseitig. Der eine reizt eine Idee weiter aus, ein anderer formuliert es subtiler. Die rückwärts gespielten Synthesizer wie bei Alter Egos "Rocker" zum Beispiel benutzen momentan sehr viele. Unsere Single "Knartz IV" hat zwar nicht dessen Hit-Charakter - aber wir sind fetter!

Also wollt ihr eher Tracks als Songs?
Ja, diesmal hatten wir keine Lust auf ElektroPop-Songwriting. Viele Melodien wurden im Laufe der Produktion gelöscht - und damit auch der Pop-Appeal von früheren Songs wie "Weiter". Stattdessen haben wir uns verstärkt in Techno eingearbeitet, was uns gerade aufregender erscheint; vielleicht auch deshalb, weil wir ständig Live-Gigs gespielt haben. Es ist eine abstrakte Herangehensweise mit wenigen Melodien, die für uns aber so Sinn macht. Wenn ich Pop will, höre ich mir lieber eine Beatles- oder Beach-Boys-Platte an.