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So war's in Köln: Chamäleon-Pop

Efterklang + Peter Broderick live

Nach Jahren im Untergrund haben Efterklang mit ihrem neuen Album »Piramida« offenbar den Durchbruch geschafft. Das Konzert im Gebäude 9 ist ausverkauft und erläutert schließlich auf brillante Art mehr als noch die Platte, warum die Dänen diese außerordentliche Band sind, die im elften Jahr ihres Bestehens noch einmal so einen Schritt tun kann.
Geschrieben am
11.12.12, Köln, Gebäude 9

Es ist geschafft – nach Jahren der Ochsentour auf kleinem Level scheint den Dänen Efterklang mit ihrem aktuellen Album »Piramida« endlich der Durchbruch gelungen zu sein. Das Gebäude 9 ist schon vorab ausverkauft, und die Aussicht auf die aktuelle und äußerst erfolgreiche Europa-Tournee hat sogar den hochbegabten Peter Broderick dazu gebracht, wieder mal ein Gastspiel in der Live-Besetzung Efterklangs zu geben.
 
Zunächst gibt Broderick aber den Support-Act und sorgt damit für ein erstes, frühes Highlight. Angesichts seiner umfangreichen Diskographie kann man nie so genau wissen, was für ein Set er denn nun spielen wird, ob nun sanft folkig oder neoklassisch abstrakt. Als Vorband für Efterklang entscheidet er sich für einen songlastigen und behände gespielten Auftritt, in dem er die technische Perfektion eines Owen Pallett mit der tragikomischen lyrischen Klasse eines Jens Lekman vereint. Kein Zweifel – Peter Broderick ist so gut, dass schnöder Pop aus seiner Hand beinahe verschenkte Spielzeit ist.
 
Mit schnödem Pop hatten auch Efterklang nie wirklich etwas zu tun. Sie haben ihn immer umschifft, auch wenn sie ihn Zeit ihrer Karriere immer wieder auch beschnüffelten. 2012 ist aus dieser einstmals so abstrakten, dann wieder opulent-feierlichen Folkband ein deutlich performativerer, wavig-souliger Act mit Crooner-Qualitäten geworden.
 
Das hätte man schon durch genaues Zuhören beim wunderbaren »Piramida«-Album erkennen können, live tritt diese wieder neue Facette der Dänen aber noch deutlicher zutage. Efterklang sind (inklusive Broderick an Geige, Gesang und Synthies – er kann einfach alles!) zu sechst, und sie haben sich fein gemacht. Hemd und Sakko sind Mindeststandard, Sänger Caspar Clausen trägt sogar lachsfarbenen Anzug und Fliege, die wundervolle Sopranistin Katinka Fogh Vindelev ein glitzernd schwarzes Abendkleid. Den flanellhemdenen Folk-Appeal früherer Tage haben Efterklang wohl spätestens mit ihrem Umzug nach Berlin hinter sich gelassen. Stattdessen liegt der Fokus auf aufwändigen Vokal-Partituren, den Rest erledigen Keyboards, Synthies, Bass und Schlagzeug. Und bisweilen Brodericks Geige.

Was Efterklang an diesem Abend aufführen, kommt einer Glam-Pop-Version ihres Klangkosmos ziemlich nahe. Und ist doch viel vielschichtiger, als so eine plakative Beschreibung vermuten lässt. Efterklang schaffen es, innerhalb einer konzentrierten, anregenden Performance subtile Klangbilder aufleben zu lassen – sie sind gleichzeitig unterhaltsam und musikalisch anspruchsvoll. Die Songs ihres neuen Albums, die von einem düsteren, wavigen Soul geprägt sind, entwickeln live ein Eigenleben, das dieses Konzert als einzigartig darstellt. »Piramida« ist eindeutig der rote Faden des Abends, wird zwischendurch immer wieder abgelöst von einigen wenigen älteren Songs, um dann wieder zurück zum nächsten Song des Albums zu gelangen. Die Akkorde des Glockenspiels von »Hollow Mountain« eröffnen diesen stimmungsgeladenen Abend. Mit »It's like a sea« kommentiert Clausen offensichtlich beseelt das so aufmerksame wie euphorisierte Publikum, danach steigen Efterklang direkt in das Drum-Intro von »Apples« ein. Breite Klangteppiche wechseln sich ab mit der völligen Alleinstellung einzelner Töne – Momente absoluter Stille mitten in den Songs, wie man sie auf Konzerten selten erlebt. Auch nach den Songs hält sich hin und wieder eine ungewöhnlich lange Zeit des Nachwirkens bis die Ruhe in Jubel aufgeht. Einzigartig. Teilweise werden die Songs so intensiv von an die Bühnenwand projizierten Lichtspielen begleitet, dass das Gefühl entsteht, ein Instrument  auf anderer Ebene begleite die Melodien. Zuckende Blitze, Aufleuchten, Farben über Farben und im Hintergrund eine Leinwand, die abwechslungsreiche und zum Song stimmige Bilder zeigt. Hier wird wirklich an alle Sinne gedacht.    

Diese Reizschwelle halten Efterklang über die gesamte Länge ihres Konzertes, immerhin zwei Stunden. Dass so etwas möglich ist, ist allein schon kaum zu glauben. Wahrscheinlich hat das Konzert auch für die Band selbst eine magische Eigendynamik entwickelt, immerhin bedankt sie sich, als dann doch noch Schluss ist, überschwänglich für die Ovationen. Sie kann sich sicher sein: Ein Konzert von so einer eigenwilligen Klasse hat ihr Kölner Publikum schon länger nicht mehr gesehen.