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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Exklusiv: "Wie war noch mal die Frage?"

Eels

Mark Oliver Everett ist im Gespräch nicht gerade der zugänglichste Zeitgenosse. Er war es auch nie. Christoph Dorner hat dennoch mit ihm gesprochen.
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Mark Oliver Everett (44) ist im Gespräch nicht gerade der zugänglichste Zeitgenosse. Er war es auch nie. So waren Features über seine famose Band Eels aus Autorenperspektive schon immer eine knifflige Stilübung für sich. Denn mit mehr als zwei bis drei launig dahingenuschelten Zitaten konnte man von dem bärtigen Frontmann nicht rechnen, die dann erst einmal auf einen zweiseitigen Text ausgewalzt werden mussten, weil zwei Seiten über die Eels damals eben sein mussten. Schließlich waren alle sechs Studioalben kleine oder größere Meisterwerke.

Für die Promotion der beiden anstehenden Veröffentlichungen - die Retrospektive 'Meet The Eels' und die Raritäten-Kollektion 'Useless Trinkets' erscheinen am 15. Februar - durfte E. zumindest zu Hause in Kalifornien bleiben. Trotzdem wirkt er am Hörer um 11:30 Uhr Ortszeit, als wäre er gerade erst bei laufendem Fernseher auf dem Sofa aufgewacht. "How ya doin'", floskelt er scheinbar verschlafen zur Begrüßung. E. wird sich im Gespräch des öfteren kurz halten, mehrere Fragen muss man ihm wiederholt stellen. Auf Nachfragen brummt er kurz. So werden aus eigentlich knapp veranschlagten 20 Minuten doch eine komfortable Gesprächszeit. Dabei gibt es so viel zu erzählen: Everett hat Missy Eliott gecovert, seine Autobiografie geschrieben und kann sich für deren Verfilmung durchaus Bill Murray als Mr. E. vorstellen. Und das würden wir dann wohl alle gerne sehen.

Du wurdest in den Einleitungen zu früheren Interviews oft als nicht ganz einfacher Gesprächspartner beschrieben. Man würde dir die Müdigkeit besonders ansehen, hieß es. Jetzt sitzt du in Kalifornien am Telefon. Das ist dir sicher lieber, oder?
Ja, es ist so für mich definitiv einfacher. Man versucht jeden Tag ein Konzert in einer anderen Stadt in Europa zu spielen. Dazu kommen das Reisen und die ständigen Interviews. Natürlich ist man da müde.

Im Februar erscheint bei uns die Best-Of-Compilation 'Meet The Eels'. An welchem Punkt eurer Karriere treffen wir dich, wenn wir das Album hören?
(lacht) Ich würde schätzen irgendwo auf der Wegstrecke. Really. Die Platte ist nur eine kleine Einladung in unsere Welt. Es sind die Songs darauf, die unsere Fans am meisten mögen. Wenn die Leute dafür etwas Geld übrig haben, bitte schön!

Du hast als letztes das Doppelalbum 'Blinking Lights And Other Revelations' und die Mitschnitte 'Eels With Strings - Live At Town Hall' veröffentlicht. "Für mich ist Erfolg, das tun zu können, was ich will", hast du in einem Interview passenderweise gesagt. Wolltest du tatsächlich auch so eine Werkschau herausbringen?
Ähm, es ist schon etwas, dass ich machen wollte. Natürlich wollte meine Plattenfirma das Ganze noch früher veröffentlichen. Also habe ich gesagt: Stop, wartet mal. Wenn schon, dann lasst uns das so nett wie möglich machen.

Die Diskographie von 'Beautiful Freak' bis 'Live At Town Hall' umfasst genau eine Dekade Eels-Musik. Hat dir das gefallen?
Ja, 2006 schien ein guter Zeitpunkt für eine Zäsur zu sein. Also habe ich die Songauswahl und die Aufmachung der Alben in den letzten eineinhalb Jahren langsam zusammengestellt.

Hast du dir von jemandem bei der Auswahl der Tracks helfen lassen?
Das habe ich schon selbst gemacht. Die Auswahl für 'Meet The Eels' war allerdings ziemlich offensichtlich, ganz im Gegenteil zu 'Useless Trinkets', wo ich aus einer riesigen Sammlung von Songs schöpfen konnte.

Wie hat sich das angefühlt, das eigene Lebenswerk durchzustöbern? Warst du nostalgisch, stolz oder vielleicht sogar etwas unzufrieden mit dem einen oder anderen Song?
Es war komischerweise schön, sich zu erinnern. Normalerweise mag ich es nicht, in der Vergangenheit zu leben. Und ich bin wirklich nicht nostalgisch. Aber es ist manchmal wichtig, klar Schiff zu machen, um danach in die Zukunft blicken zu können.

Lag dir irgendein Song auf 'Meet The Eels' so am Herzen, dass du ihn ausgewählt hast, obwohl es kein offensichtlicher Hit ist?
(Pause) Can you say that again? Auf 'Useless Trinkets' sind einige sogenannte B-Seiten, bei denen man denken könnte, sie seien von mangelhafter Qualität. Es sind aber gute Songs, mit denen man ebenso warm werden kann. Sie haben nicht in das übergeordnete Schema des Albums gepasst, nahmen aber während des Songwritings den Druck von mir. Deshalb bedeuten einige dieser Lieder mir ziemlich viel.

Aha. Noch einmal die Frage: sind auch auf 'Meet The Eels' Songs, die für dich auf die Best-Of mussten, obwohl sie keine Singles waren?
On "Meet The Eels"? What was the question? I'm sorry.

Du hast zum Beispiel fünf Tracks von 'Blinking Lights And Other Revelations' ausgewählt, aber nur jeweils zwei von den Alben 'Electro-Shock Blues' und 'Shootenanny!'. Hast du dir also auch unterbewertete Songs herausgepickt?
Ja, durchaus. Ein Song wie 'I Like Birds' von 'Beautiful Freak' hätte damals eigentlich eine Single sein müssen. Sowieso hätten viele der Songs das Zeug zum Hit gehabt. Aber ich bin der Künstler, was weiß ich schon.

'Meet The Eels' enthält als Beigabe von dir geschriebene Linernotes zu jedem Song. Was erfahren wir dort über dich und deine Songs?
Ich habe mir die Songs alle noch einmal angehört und einfach aufgeschrieben, was mir dazu eingefallen ist. Ich kann mich aber schon jetzt nicht mehr erinnern, was ich da eigentlich geschrieben habe (lacht).

Wie bist du auf die Idee gekommen, 'Get Ur Freak On' von Missy Elliott zu covern, das auch auf 'Meet The Eels' zu hören ist?
Ich liebe diesen Song ganz einfach. Als wir ihn auf unserer 2001er Tour gespielt haben, dachte bestimmt einige Leute, wir würden uns lustig machen wollen. Aber das stimmt nicht, unsere Interpretation kam von Herzen. Der Song ist ja auch einzigartig und für eine Rockband nicht so ganz einfach zu interpretieren.

Kann man die B-Seiten-Compilation 'Useless Trinkets' (dt. nutzlose Wertlosigkeiten) auch als Beleg für deinen immensen Output als Songwriter sehen? Auf dem Doppel-Album sind immerhin 50 Soundtrack-Beiträge, Remixe und Live-Versionen.
The question again? Entschuldige, ich bin etwas begrenzt. Die meisten Songs sind als B-Seiten ja bereits irgendwo veröffentlicht worden. Wie schon gesagt: sie sind nicht schlecht, sie sind nur etwas anders. Und ja, ich habe immer noch jede Menge Songs im Keller. Ich schaffe es auch nicht, mir vom Songschreiben eine Auszeit zu nehmen. Das war schon immer ein Problem für mich.

Auf dem Album 'Electro-Shock Blues' hast du dich schon einmal mit den privaten Schicksalsschlägen in deinem Leben auseinandergesetzt. Nun erscheint neben den erwähnten Alben auch deine Autobiografie 'Things The Grandchildren Should Know'. Ist das Buch Teil zwei deiner Selbstherapie?
Ja, irgendwie musste ich über diese Tragödien schreiben, um noch einmal persönlich mit ihnen abzuschließen. Aber sollte auch eine Inspiration für mich sein: Ich wollte von einem schutzlosen und verlorenen Kind berichten, dass trotz all der schrecklichen Dinge, die ihm passieren, etwas aus seinem Leben macht. Ich habe versucht, diese Geschichte so ehrlich wie möglich widerzugeben. Es ist vollgepackt mit Dramen, in jedem Kapitel passieren verrückte Sachen.

Mit deinen Songs und ihren oft sehr persönlichen Lyrics, der Autobiografie und einer von dir mitgetragenen BBC-Dokumentation 'Parallel Worlds, Parallel Lives' über deinen Vater, den Physiker Hugh Everett, erscheint dein Leben fast lückenlos der Öffentlichkeit ausgesetzt. Macht dir das keine Angst?
Ich verstehe, was du sagen willst. Es ist wirklich etwas verrückt, ich bin wie ein offenes Buch. Aber ich habe diesen Weg mit meinen Songs in den letzten Jahren sowieso schon beschritten. Also konnte ich ruhig auch noch andere Medien ausprobieren.

Gibt es etwas, was dir in deinem Erfahrungsschatz jetzt noch fehlt?
Wir könnten noch eine DVD mit Ausdruckstänzen herausbringen. (lacht)

...oder dein Leben verfilmen lassen. Wenn es denn wirklich so tragisch-komisch ist, würde ich Wes Anderson als Regisseur vorschlagen.
Das hört sich gut an. Und wer soll mich spielen?

Wie wär es denn mit Bill Murray? Der arbeitet gerne mit Anderson und sah mit Bart in 'Die Tiefseetaucher' auch ganz gut aus. Und wie traurig er gucken kann, weiß man ja seit 'Lost In Translation'.
(lacht) Er ist etwas alt, findest du nicht? Aber er wäre sicher gut in der Rolle. Ich überlege mir das mal.

.: www.eelstheband.com :.
.: www.myspace.com/eels :.