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Überirdische Präsenz

Editors live

Großes Gefühlstheater, so schön und doch so unpeinlich: Editors beim Intro Intim Spezial in Köln.
Geschrieben am
13.06.07, Intro Intim Spezial, Köln, Kulturkirche.

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Ein wenig unangenehm berührt bin ich schon, als ich auf den allerletzten Drücker durch die schwere Eichentür trete und sofort den passenden Kommentar serviert bekomme: "How can you always be late for your arrival?" lautet die erste Zeile von 'Bones', mit dem die Editors ihren Intro Intim Spezial-Gig in der Kulturkirche eröffnen. Aber keine Panik: "You know I’d forgive you every single time", singt Frontman Tom Smith weiter und erteilt damit allen Nachzüglern großmütig die Absolution von der Sünde, auch nur ein paar Sekunden dieses Auftritts zu verpassen.

Der schlaksige Beau hat sich ohnehin schon in höhere Sphären hineingeschmachtet. Und macht sofort klar, warum dieser verwunschene Ort aus verwitterten Backsteinmauern und gotischen Spitzbögen die perfekte Kulisse für den schwermütigen Sound der Band aus Birmingham ist. In dem hohen, lichten Gewölbe kann sich Smiths überirdische Präsenz in all ihrer Pracht und Theatralik erst so richtig schön breitmachen.

Mit verzückter Miene und ausholenden Gesten setzt er die schwülstige Dramatik der Editors-Oeuvres kongenial in Szene. Und das kann bekanntlich was – vor allem die neuen Songs wie eben besagter Opener. Verglichen mit der mächtigen Pathos-Keule des kommenden Albums 'An End Has A Start' klingt das große Gefühlskino des Vorgängers 'The Back Room' wie skelettierter Minimal-Rock. Könnte eigentlich ganz schon peinlich werden, sowas. Doch dass die ganze Nummer bei soviel Druck auf die Tränendrüse nicht im Kitsch ersäuft, verdankt sich nicht vor allem dem kindlichen Ernst, mit dem Smith hier sein Herz ausschüttet.

Das würde bei manch anderem weltvergessenen Indie-Prinzen unfreiwillig komisch wirken. Doch bei Smith funktioniert das, ohne dass man sich ein Grinsen verkneifen müsste. Sogar in solchen Momenten wie bei 'Lights', als er in bester Rockstar-Manier die Faust hochreißt und ein raues "Yeah!" in Mikro bellt. Zum Glück punktet der Sänger, Gitarrist und Pianist nicht nur als Weltklasse-Poser, sondern auch als begnadeter Live-Peformer mit großartiger Stimme. Dem die anderen Drei in nichts nachstehen, auch wenn sie sich abseits der Scheinwerfer herumdrücken, um dem Chef nicht die Show zu stehlen.

Bei 'Fall' gegen Ende des regulären Sets wirft Smith noch einmal alles nach vorne, kostet die filigranen Momente genüsslich aus, zieht die Endsilben jeder Zeile verschwenderisch in die Länge. Bei soviel sakraler Atmosphäre wirkt es schon geradezu bodenständig, als er die ergriffene Menge, die schon längst in Richtung Delirium verabschiedet hat, den Refrain von 'Munich' mitsingen lässt, bevor die Band beim noisigen Finale in ein weißes Strobogewitter entschwindet.

So knackig und auf den Punkt der Auftritt war, so schnell ist er dann auch vorbei. Gerade mal eine gute Dreiviertelstunde hat das Set gedauert, jetzt kommen die Zugaben dran. Smith gibt noch mal alles, taumelt bei 'You Are Fading' entkräftet über die Bühne, rappelt sich dann aber für die neue Single 'Smokers Outside The Hospital Doors' noch einmal völlig schweißgebadet auf, um schließlich selig in einem Gewaber aus Dreampop-Gitarren unterzugehen.

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