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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

The Back Room

Editors

Die einen nennen es “altbackenen Anachronismus”, die anderen eine “hochwillkommene Nostalgiestunde”, zurückversetzt in Zeiten, als auch ich von meiner anbetungswürdigen Schwester Mixkassetten mit Echo & The Bunnymen, Joy Division oder The Chameleons dauerhaft auslieh, um meine musikalische Sozialisa
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Die einen nennen es “altbackenen Anachronismus”, die anderen eine “hochwillkommene Nostalgiestunde”, zurückversetzt in Zeiten, als auch ich von meiner anbetungswürdigen Schwester Mixkassetten mit Echo & The Bunnymen, Joy Division oder The Chameleons dauerhaft auslieh, um meine musikalische Sozialisation intensiv voranzutreiben. Zurückgegeben habe ich sie nie, unserem Verhältnis hat das allerdings nicht geschadet. Sie hielt mich einst und hält mich noch für einen “Spieler”. Die Editors, das Quartett aus dem englischen Nordosten, beweisen auf ihrem Debütalbum “The Back Room” Mut zum atmosphärischen Pomp und zur ganz großen Pop-Geste. Schon das Cover unterstützt mit dem schwarz-weißen Blick in einen Tunnelgang ein solches Stilmittel, aber auch die Songs passen gut in die selbst beschriftete Schublade “Dark Disco”. Klar, dank frischer Interpolitur quietscht diese weniger, aber Editors sind sicher kein billiges Imitat. Dafür fügen sie dem Kanon jener düsteren Tanzfläche zu viel Eigenheiten zu. “Munich” ist der hymnische Hit voll von Dringlichkeit, Leidenschaft, Kraft und der mahnenden Worte eines gebrannten Ichs: “People are fragile things, you should know by now / Be careful what you put them through.” Die Single war nach zwei Tagen ausverkauft – noch Fragen? “Blood” und “All Sparks” könnten einen ähnlichen Weg gehen. Der Gesang von Tom Smith wirkt teils etwas entrückt, teils klagend, manchmal auch fordernd, während sich die durch Effekte verschleierten Gitarren von Smith und Chris Urbanowicz zu immer neuen Höhen aufschwingen. Produzent Jim Abbiss (Kasabian, Unkle, DJ Shadow) wird darauf geachtet haben, die düster dräuende Stimmung zu kultivieren. Der Hörer möchte doch möglichst alles aus dem Inneren des ominösen Hinterzimmers erfahren: “If we run, the look in the back room, where we hide all of our feelings, where we hide all of our secrets.”